Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Studie: Globalisierung nutzt Industrieländern am meisten

Die alten Industrieländer sind nach wie vor am stärksten im Weltmarkt verankert. Schwellenländer wie Indien und China agieren zwar heute erfolgreich im internationalen Handel. Sie haben jedoch einen grossen Rückstand wettzumachen.
Rainer Rickenbach
Ein Frachter auf dem Weg nach Thailand. (Bild: Anucha Sirivisansuwan/Getty)

Ein Frachter auf dem Weg nach Thailand. (Bild: Anucha Sirivisansuwan/Getty)

Es ist kein Zufall, dass die Wirtschaft von kleineren Ländern wie Irland, Holland, Belgien und der Schweiz internationaler ausgerichtet ist als von grossen Wirtschaftsmächten (siehe Tabelle). Da ihre Heimmärkte klein sind, gingen die Unternehmen dort schon früh über die Landesgrenzen hinaus in die Offensive. Das machte sie schneller und nachhaltiger weltmarkttauglich.

Im neusten Globalisierungsindex der deutschen Bertelsmann-Stiftung für das Jahr 2016 sind die kleinen Länder mit einer starken Wirtschaft denn auch ganz vorne. Der Index verdeutlicht, wie sehr einzelne Länder mit dem Welthandel verflochten sind. Eine Rolle beim Ranking spielen auch die soziale Globalisierung (internationaler Tourismus), die Einbettung in inter­nationale Organisationen, der kulturelle Einfluss und der Ausländeranteil. Die Studienverfasser stellen die Wirtschaftsdaten ins Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt (BIP).

Grosse Länder haben einen starken Binnenmarkt

Im Umkehrschluss zu den kleinen Ländern nehmen grosse Wirtschaftsmächte wie die USA im Ranking bloss einen Mittelfeldplatz ein. Obwohl interna­tional ebenfalls ausgezeichnet aufgestellt und darüber hinaus einflussreich, spielt für die Amerikaner der riesige Binnenmarkt die zentrale Rolle. Ein schöner Teil der Unternehmen hat nur Kunden im Inland. Dass die Schwellenländer China oder Indien im Globalisierungsindex hinten rangieren, obwohl sie heute im internationalen Handel erfolgreich sind, hat die Ursache in ihrem späten Eintritt in den Weltmarkt. Das Reich der Mitte etwa stieg erst in den 1990er-Jahren im grossen Stil in den Welthandel ein. Dort besteht im internationalen Handel noch reichlich Luft nach oben. Die Firmen in China und Indien haben überdies wie in den USA Millionen von zusehends kaufkräftigen Konsumenten direkt vor der Haustür. Der Druck für Auslandgeschäfte ist darum nicht so stark wie zum Beispiel in der Schweiz. Kapitalverkehrskontrollen und Handelsbeschränkungen hemmen zudem die asiatischen Länder in ihrer internationalen Entfaltung.

Zu protektionistischen Schutzmassnahmen greifen ­indes auch die gut entwickelten Industrieländer. Vor allem die Landwirtschaft und einzelne Industriezweige stehen in diesen Ländern unter dem Schutz von Zöllen und Einfuhrbeschränkungen oder erhalten Geld aus der Staatskasse. US-Präsident Donald Trump hat eben erst mit den Strafzöllen auf Stahl und Aluminium weiter am Rad gedreht. Für viele Schwellenländer oder auch zahlreiche afrikanische Volkswirtschaften stellen vorab die geschützten Landwirtschaftsmärkte eine hohe Hürde dar. Als Folge davon halten sich ihre Globalisierungsgewinne in Grenzen.

Ungleiche Verteilung der Globalisierungsgewinne

Das grösste Problem ist darum aus Sicht der Studienautoren die ungleiche Verteilung der Globalisierungsgewinne zwischen Industrie- und Schwellenländern. «Globalisierung kann eindeutig Wohlstandsgewinne schaffen. Protektionismus ist der falsche Weg», sagte der Vorstandschef der Stiftung, Aart De Geus. Die Wirtschaftsexpertin der Bertelsmann-Stiftung, Cora Jungbluth, ergänzt: «Wir müssen eine internationale Wirtschaftsordnung fördern, die nicht auf das Recht des Stärkeren, sondern auf gemeinsame, verbindliche Regeln und Standards setzt.»

So müssten Schwellenländer ihre Märkte öffnen und Industriestaaten ihre Subventionen abbauen. Als Mittel dazu empfiehlt sie eine Wiederbelebung der Handelsrunden der Welthandelsorganisation (WTO). Die Bertelsmann-Stiftung rechnet auch vor, wie hoch der jährliche Einkommensgewinn pro Einwohner ausfällt durch die Globalisierung in den Jahren 1990 bis 2016. Die Schweiz führt diese Rangliste mit 1913 Euro an. Allerdings hat der Franken gegenüber der Messwährung Euro in diesem Zeitraum stark an Wert gewonnen, was den Vergleich verzerrt. Denn ein Teil der Summe dürfte auf Währungsgewinne zurückzuführen sein. Auf die Schweiz folgen Japan, Finnland, Israel und Deutschland.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.