KLEINBAUERN: Familie sichert das Überleben

Die Einkommen in der Schweizer Landwirtschaft sind 2015 deutlich gesunken. 2016 lagen sie im Mittel der letzten fünf Jahre. Jeder dritte Franken einer Bauernfamilie wird ausserhalb der Landwirtschaft verdient.

Urs Oskar Keller
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Auf dem Hof von Giezendanners packen Familienmitglieder tatkräftig mit an. (Bild: Urs Oskar Keller)

Auf dem Hof von Giezendanners packen Familienmitglieder tatkräftig mit an. (Bild: Urs Oskar Keller)

Urs Oskar Keller

Viele Bauernbetriebe in der Schweiz sind eigentlich zu klein, um rentabel zu sein. Doch wachsen ist schwierig und lohnt sich oft gar nicht. Ohne Direktzahlungen geht es nicht. Der Blick auf die landwirtschaftliche Gesamtrechnung zeigt, dass das Einkommen des Gesamtsektors 2015 im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist. Das Nettounternehmenseinkommen ging um 11% zurück. Gründe sind schlechtere Ernteerträge, Preissenkungen bei der Milch, ein übersättigter Schweinemarkt.

Dank der Ausweitung der Direktzahlungen konnte ein noch stärkerer Einbruch beim bäuerlichen Einkommen verhindert werden. Der Nationalrat hatte 2016 den Antrag des Bundesrats abgelehnt, bei der Landwirtschaft insgesamt 514 Mio. Fr. zu sparen. Nach den Beschlüssen des Parlaments stehen für die Landwirtschaft von 2018 bis 2021 nun 13,8 Mrd. Fr. zur Ver­fügung. Davon sind 11,3 Mrd. Fr. für Direktzahlungen vorgese-hen.

Durchschnittlich lag der Arbeitsverdienst je Familienarbeitskraft 2014 bei rund 50000 Franken. Das landwirtschaftliche Einkommen pro Betrieb lag bei rund 68000 Franken. Die Einkommen haben sich nach dem Rückgang 2015 letztes Jahrb wieder leicht erholt. Dennoch werden in der Schweiz täglich zwei Landwirtschaftsbetriebe aufgegeben, wobei sich die Kurve ab 2004 etwas abgeflacht hat. Seit 2011 geht die Zahl der Betriebe jedoch wieder stärker zurück. Viele Bauern setzen auf Bio. Die Zahl der Biobetriebe in der Schweiz ist nach einem leichten Rückgang wieder kräftig am Wachsen. 2015 waren in der Schweiz und in Liechtenstein 6480 Biobetriebe registriert. Davon arbeiten 6031 Bauernhöfe nach den Richtlinien der Vereinigung Bio Suisse. Die Anzahl der Knospe-Betriebe 2015 in der Ostschweiz ist: beide Appenzell 127, St. Gallen 426 und Thurgau 291. «2015 steigerte der Biomarkt seinen Umsatz um 5,2% auf 2,3 Mrd. Franken. Das entspricht einem jährlichen Pro-Kopf-Konsum von 280 Franken», sagt Lukas Inderfurth von Bio Suisse in Basel. Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes und CVP-Nationalrat aus Altstätten, hält den Familienbetrieb als geeignete Betriebsform für die Schweizer Landwirtschaft. Viele Höfe würden nur überleben, weil es Familienbetriebe seien, in denen viel Arbeit in den Spitzenzeiten von Verwandten und Bekannten ohne Entschädigung verrichtet werde, sagt er.

Niedrige Einkommen bremsen Investitionen

«Trotzdem liegen die Einkommen in der Landwirtschaft 30 bis 40 Prozent unter jenen in vergleichbaren Branchen. Aufgrund dieser Voraussetzungen überlegen sich die Bauern sehr genau, ob sie den Betrieb vergrössern wollen, gerade im Berggebiet», ergänzt er. Markus und Heidi Ritter führen im St. Galler Rheintal einen Betrieb mit gut 28 Hektaren. Ausbauen wollen sie ihren Betrieb nicht. Ritter: «Dazu müsste ich zusätzliche Arbeitskräfte einstellen und weiter in die Gebäude investieren. Und das ist zu teuer im Verhältnis zum zusätzlichen Ertrag.»

Markus Hausammann (52), Präsident des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft (VTL) sowie SVP-Nationalrat aus Langrickenbach, findet die Situation im Kanton Thurgau nicht alarmierend. «Es gibt bei uns noch knapp 3000 Betriebe mit Landbewirtschaftung. Die Betriebsgrösse beträgt im Schnitt nur 17 Hektaren. Unsere Landwirtschaft ist dafür sehr produktiv.» Im schweizweiten Vergleich habe sie die zweitgrösste Produktivität pro Hektare und Arbeitskraft.

Den viel beschworenen Konflikt zwischen Gross und Klein gebe es verbandsintern in der Landwirtschaft nicht. «Kleinflächige Betriebe können durch Innovation und Engagement den Mangel wettmachen und sich auch am Markt behaupten.»