Kioskkonzern
Valora eröffnet 45 neue Avec-Express-Läden – dafür werden kleinere Kioske geschlossen

Die Detailhändlerin Valora will künftig mehr Lebensmittel verkaufen. Nun lanciert sie eine neue Marke - und setzt sich ehrgeizige Expansionsziele.

Stefan Ehrbar
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Blick in eine Avec-Express-Filiale in Dornach BL.

Blick in eine Avec-Express-Filiale in Dornach BL.

Valora

Mehr Lebensmittel und frische Produkte: Damit will der Schweizer Kioskkonzern Valora die abnehmenden Umsätze mit dem Verkauf von Presseprodukten kompensieren. Dafür lanciert er nun mit «Avec Express» eine neue Marke. Dabei handle es sich um Convenience-Läden auf kleinerer Fläche, sagt Valora-Sprecher Martin Zehnder.

Diese Läden sollen ein klassisches Convenience- und Snacking-Sortiment anbieten, ergänzt Zehnder. Angereichert würden die Filialen mit zusätzlichen Regalen für Lebensmittel. «Damit trägt Valora ihrer strategischen Stossrichtung nach mehr Food und Frische Rechnung. Auch Tabak und Süssigkeiten sind im Angebot.»

Bis zu 45 Filialen geplant

Insgesamt will Valora dieses und nächstes Jahr 45 Filialen des neuen Formats eröffnen. Dabei handelt es sich nicht um neue Standorte, sondern um die Umwandlung von bestehenden klassischen Kiosk-Standorten. Im Vordergrund stehen Kiosk-Standorte, welche die Valora in SBB-Bahnhöfen betreibt. Valora hatte 2019 den Zuschlag der Bahn für sämtliche 262 Kiosk- und Convenience-Flächen der SBB gewonnen. Neben diesen Flächen sollen aber auch kleinere Standorte an Hochfrequenzlagen umgewandelt werden, sagt Zehnder.

Die ersten beiden Avec-Express-Filialen stehen in Dornach BL und Rheineck SG, die nächste Eröffnung soll im Sommer in Zermatt folgen. Ende August ist die Eröffnung am Zürcher Schaffhauserplatz geplant, auch im glarnerischen Schwanden soll eine Avec-Express-Filiale entstehen.

Pandemie trifft Valora

Valora betreibt in der Schweiz und in Europa 2700 Filialen von verschiedenen Kiosk-, Lebensmittel- und Convenience-Ketten wie K Kiosk, Avec, Brezelkönig, Spettacolo oder Press & Books. Mit einem starken Fokus auf Filialen an Bahnhöfen und Flughäfen musste der Konzern letztes Jahr einen Umsatzrückgang von 16,4 Prozent auf 1,7 Milliarden Franken und einen Verlust von 6,2 Millionen Franken verbuchen. In der Schweiz litt das Geschäft dabei weniger stark als in den restlichen europäischen Ländern, in denen Valora tätig ist.

Trotzdem steht Valora vor grossen Herausforderungen. Während der Pandemie und mit dem Vormarsch des Home Office fehlt die Laufkundschaft. Mit dem Zuschlag für 262 Standorte in SBB-Bahnhöfen - 31 mehr, als Valora zuvor bereits betrieben hatte - dürften auch die Mietpreise gestiegen sein. Schliesslich hatte sich Valora gegen namhafte Konkurrenten wie Coop durchsetzen können.

Doch mit der Pandemie sind die Frequenzen eingebrochen. Valora-Chef Michael Mueller forderte im letzen Jahr denn auch tiefere Mieten von den SBB. Die Einbrüche waren gewaltig: So nutzten laut Daten der Bahn vergangenes Jahr 36 Prozent weniger Passagiere den Zürcher Hauptbahnhof, in Luzern betrug das Minus 37 und in Bern 31 Prozent. Noch immer sind die Frequenzen im öffentlichen Verkehr weit vom Vorkrisenzustand entfernt, was die Notwendigkeit für Valora erhöht, mit einem angepassten Sortiment mehr Umsätze zu erzielen.

«Press & Books» verlässt den grössten Bahnhof

Die Valora-Tochter Press & Books, die auf den Verkauf von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften spezialisiert ist, hat ihren letzten Standort am grössten Schweizer Bahnhof Zürich HB aufgeben. Das bestätigt Valora-Sprecher Martin Zehnder.

Die Verkaufsfläche sei von den SBB neu ausgeschrieben worden. Valora habe sich beworben, aber den Zuschlag nicht erhalten. Bereits zuvor war eine weitere Filiale geschlossen worden. Ein konkretes Projekt für einen Ersatz gibt es derzeit nicht.