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Keine Spur von Flaute im Arbeitsmarkt

Während die Konjunktur den Höhepunkt bereits überschritten haben könnte, sinkt die Arbeitslosenquote auf ein Zehnjahrestief. Nur 2,4 Prozent der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter suchen eine Stelle.
Daniel Zulauf
Immer weniger Menschen hierzulande sind auf den Gang ins RAV angewiesen. (Bild: Nadia Schärli)

Immer weniger Menschen hierzulande sind auf den Gang ins RAV angewiesen. (Bild: Nadia Schärli)

Am Schweizer Arbeitsmarkt bleiben die Anbieter gegenüber den Nachfragern im Vorteil. Die Arbeitslosenstatistik für den Monat Mai, wie sie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) gestern veröffentlicht hat, weist mit 2,4 Prozent die geringste Arbeitslosenquote seit zehn Jahren aus. Im Wonnemonat waren noch gut 109000 Personen in den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) als stellenlos registriert. Das sind mehr als 10000 weniger als im April (–8,7 Prozent). Im Vorjahresvergleich beträgt der Rückgang 21,7 Prozent.

Die guten Zahlen kommen nicht überraschend. Die Schweizer Wirtschaft hat im laufenden Jahr wieder stark an Schwung gewonnen. Das Basler Konjunkturforschungsinstitut BAK Economics erwartet für 2018 ein Wachstum von 2,3 Prozent. Die exakt gleiche Voraussage machte diese Woche auch der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse.

Die ausgezeichnete Stimmung wird auch in diversen vorauslaufenden Indikatoren wie dem Einkaufsmanager-Index abgebildet. Die kräftig steigenden Investitionen der Unternehmen zeigen an, dass die in den vergangenen Jahren zurückgebauten Kapazitäten wieder hochgefahren und der Produktionspark wieder erneuert wird. Damit einher geht die Nachfrage nach zusätzlichen Arbeitskräften. Diese kommt in erster Linie aus der Binnenwirtschaft, wo die Produktivität niedriger ist als in der Exportindustrie, die unter dem Eindruck der Frankenfuchtel in den vergangenen Jahren alles mögliche unternommen hat, um den Einsatz teurer Arbeitskräfte gering zu halten. Die erfreuliche Entwicklung am Arbeitsmarkt fällt zeitlich zusammen mit der Umsetzung der «Inländervorrang-Klausel», mit der das Parlament der Forderung der Masseneinwanderungs-Initiative genügen wollte.

In bestimmten Berufsgruppen, in denen die Arbeitslosigkeit höher als 8 Prozent ist, müssen Firmen künftig offene Stellen an die RAV melden. Die etwas veraltete Berufsnomenklatura des Bundesamtes für Statistik hat im Vorfeld zu einigen Diskussionen geführt. So wird beispielsweise beim Küchenpersonal keine Unterscheidung zwischen ungelernten Angestellten (von denen es zu viele gibt) und ausgebildeten Köchen verlangt (von denen es zu wenige gibt). Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann versprach dieser Tage, die Schwächen des eiligst eingeführten Systems schnellstmöglich zu beheben. «Ein grosser Teil der Arbeitslosen kann nicht nach Berufen zugeteilt werden. Eine richtige Zuteilung bedingt Auswertungen nach Kompetenzprofilen», kritisiert Tino Senoner von der Schweizerischen Stiftung für Arbeit und Weiterbildung.

Diskussion um Fachkräftemangel

Das Problem wirft ein Schlaglicht auf die laufenden Diskussionen um den Fachkräftemangel in der Schweiz. Während beispielsweise Ingenieure zur Gattung der am meisten gesuchten Berufe in der Schweiz gehören, stellt Senoner in diversen Bereichen (Elektrotechnik, Chemie) einen Überschuss an Ingenieuren fest. Nach seinen Berechnungen müssen sich in den nächsten fünf Jahren bis zu 30000 Ingenieure umschulen, um nicht durch die Maschen zu fallen.

Die Schweiz mit ihrer schrumpfenden Industrie und dem wachsenden Dienstleistungssektor bilde die falschen Ingenieure aus, lautet die Konklusion von Senoners Analyse. Aus der Arbeitslosenstatistik des Seco sind solche Einsichten nur schwer zu gewinnen. Interessant ist aber, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Berichtsmonat sowohl im Vergleich zum Vormonat wie auch zum Vorjahr in allen vom Seco genannten Berufsgruppen gesunken ist – ausser in den kaufmännischen Berufen und im Bank- und Versicherungsgewerbe.

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