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Kein Vorschuss für die Aktionäre
bei der Privatbank Vontobel

Nach der Übernahme der Raiffeisen-Tochter Notenstein La Roche friert die Familienbank Vontobel die Dividende ein. Der Kauf kommt das Institut teuer zu stehen – wie teuer genau, wird sich noch zeigen.
Daniel Zulauf
Gleich Dividende trotz mehr Gewinn bei Vontobel. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 18. September 2017)

Gleich Dividende trotz mehr Gewinn bei Vontobel. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 18. September 2017)

Hohe Dividenden sind der Stoff, mit dem sich Investoren auch in unsicheren Zeiten gerne locken lassen. Die Sorge um den eigenen Aktienkurs steht im Verwaltungsrat der familienbeherrschten Vermögensverwaltungs- und Investmentbank Vontobel offenbar nicht zuoberst auf der Prioritätenliste. Trotz eines robusten Gewinnanstiegs um 11 Prozent auf 232 Millionen will das Gremium die Ausschüttung heuer bei 2.10 Franken pro Aktie belassen. Die Aktien notierten am Dienstag bis gegen 6 Prozent im Minus. Man sei gerade dabei, den im letzten Jahr getätigten Zukauf der Schweizer Privatbank Notenstein La Roche zu verarbeiten, rechtfertigte CEO Zeno Staub den Entscheid an der Jahresmedienkonferenz in Zürich.

Die Übernahme liess sich Vontobel mehr als 650 Millionen Franken kosten, und die Integration der ehemaligen Raiffeisen-Tochter erweist sich zudem ziemlich kostspielig. Der Abbau von insgesamt 140 der vormals 400 Stellen, der höhere Beratungsbedarf und andere Faktoren liessen die Integrationskosten im Berichtsjahr auf 38 Millionen (vor Steuern) hochschnellen. Für das laufende Jahr budgetiert die Bank nochmals einen ausserordent­lichen Aufwand von 10 Millionen Franken für die Integration.

Kernkapitalquote ist massiv geschmolzen

Andere Kostenelemente manifestieren sich in der Erfolgsrechnung der Käuferin erst im Lauf der Zeit. So haben sich 2018 gegen 1000 Kunden ganz oder teilweise von Notenstein La ­Roche verabschiedet und mit ihnen ein Vermögen von 1,1 Milliarden Franken. Staub sagt, er habe die Einbusse auch in der kommunizierten Höhe von 7 Prozent erwartet. Sie entspreche dem Branchenschnitt und sei im Wesentlichen ausgestanden. Der Schaden ist freilich angerichtet. Rund 40000 Franken zahlten die Vontobels für den Kauf jedes Notenstein-Kunden. Deren Exodus kostet also gutes Geld, und ob er bereits zu Ende ist, wie Staub behauptet, wird sich noch weisen.

Mit der Notenstein-La-­Roche-Übernahme ist die Bank Vontobel jedenfalls eine mutige Wette eingegangen. Das zeigt sich auch an der Kapitalstärke der Bank. Die Kernkapitalquote nach dem Basel-III-Standard ist im Berichtsjahr von 18,4 auf 12,3 Prozent geschmolzen. Sie liegt zwar immer noch sehr komfortabel über den gesetzlichen Erfordernissen und über dem Branchenmittel. Doch die interne Mindestvorgabe von 12 Prozent ist nicht mehr weit entfernt. Die Vermutung liegt nahe, dass sich Familienaktionäre, die über 50 Prozent der Aktien in einem bis 2026 laufenden Poolvertrag kontrollieren, ein dickeres Kapitalpolster wünschen und deshalb bei der Dividende auf der Bremse stehen. Doch diese Vermutung weist Staub entschieden zurück. Die Bank werde auch künftig mindestens 50 Prozent ihres jährlichen Gewinns an die Aktionäre abführen, betonte er. Aber diese hatten die Quote mental bereits nach oben angepasst und nun eine schwere Enttäuschung erlebt.

Ein Trost ist, dass konservativ geführte Familienfirmen im langfristigen Vergleich höhere Renditen für ihre Eigentümer einfahren. Das lässt sich auch für die Bank Vontobel behaupten. Die Aktien des Instituts haben in den vergangenen Jahren nicht nur die Titel der Grossbanken weit hinter sich gelassen. Auch die Aktien des direkten Mitbewerbers Julius Bär liegen im Direktvergleich über 10 Jahre weit zurück.

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