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Kein Gebrüll im Frankenkampf

Vor der Brexit-Abstimmung in Grossbritannien gibt sich die Schweizerische Nationalbank bedeckt. Das Direktorium hat gestern auf jedwede Äusserung mit alarmistischem Einschlag verzichtet – und zeigt sich dennoch vorbereitet.
Daniel Zulauf

BERN. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) steht vor einer schwierigen Woche. Am Donnerstag stimmen die Briten über den Verbleib ihres Landes in der EU ab und ein Brexit würde dem Franken zweifellos kräftig Auftrieb geben. Gestern fiel die Valuta im Vergleich zum Euro deutlich unter die Marke von 1.08 Fr., nachdem der Kurs fast über den ganzen Monat Mai hinweg um 1.10 Fr. oszilliert hatte. Die jüngste Aufwertung des Frankens sei hauptsächlich auf die wichtige Abstimmung in Grossbritannien zurückzuführen, räumte SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan gestern an der Medienkonferenz zur geldpolitischen Lagebeurteilung im zweiten Quartal ein. Ein Brexit gehöre aber nicht zum Basisszenario der SNB, obschon dessen Wahrscheinlichkeit den jüngsten Umfragen zufolge zuletzt gestiegen sei.

Die Frankenwächter liessen sich im Blick auf die kommenden Schicksalstage keinerlei Nervosität anmerken und verzichteten offensichtlich wohlüberlegt auf jedwelche Äusserung mit alarmistischem Einschlag. Es wurden keine neuen Waffen herumgezeigt, auf die die SNB in einer nächsten Frankenschlacht allenfalls zugreifen könnte.

Zwei Instrumente

Negativzins und direkte Interventionen im Devisenmarkt bleiben die beiden Instrumente, mit denen die Nationalbank den Investoren den Appetit auf noch mehr Franken zu nehmen gedenkt. Besondere Drohkeulen wie die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen, mit denen die SNB die unerwünschten Frankenanleger vor ein paar Jahren noch abzuschrecken gehofft hatte, fanden gestern überhaupt keine Erwähnung mehr.

Betont zurückhaltend äusserten sich Jordan und seine Kollegen auch über das operationelle Dispositiv für die Nacht nach der Brexit-Abstimmung. Die SNB sei schon lange als eine der weltweit einzigen Notenbanken rund um die Uhr am Devisenmarkt tätig. Dementsprechend sei die Bank auch in dieser Nacht bereit, nötigenfalls einzugreifen, wenn die Nachfrage nach Franken durch die Decke gehen sollte.

Ziel ist offensichtlich

Die Kuschelrhetorik hat ein offensichtliches Ziel: Sie macht die Nationalbank in den Märkten unberechenbarer und ist – zumindest in der Überzeugung der Frankenwächter – wirkungsvoller als ein auf Abschreckung angelegtes Kriegsgebrüll. Dennoch scheinen sich manche Investoren ihrer Sache ziemlich sicher zu sein. Goldman Sachs zum Beispiel empfiehlt ihren Kunden aktuell Frankenanlagen, weil die Negativzinsen ohnehin schon sehr tief sind und die Sorgen um die Finanzstabilität im Land wie auch die politischen Herausforderungen in Bezug auf weitere bilanzverlängernde Devisenmarktinterventionen der SNB die Hände binden. Offiziell bleibt ein Brexit für die SNB aber das weniger wahrscheinliche Szenario als ein Verbleib Grossbritanniens in der EU. Auf dieser Grundlage steht auch die aktuelle geldpolitische Lagebeurteilung. Der Negativzins auf Sichteinlagen der Geschäftsbanken wird mit –0,75% beibehalten und dementsprechend bleibt auch das Zielband für den unbesicherten Dreimonatsfranken im Londoner Interbankenmarkt bei –0,25% bis –1,25% unverändert. Die Inflationsprognose wird fürs laufende Jahr als Folge gestiegener Erdölpreise von –0,8% im März auf neu –0,4% angehoben.

Eher überraschend hält die SNB an ihrer Wachstumsprognose von 1% bis 1,5% im laufenden Jahr fest, obschon die Schweizer Wirtschaft im ersten Quartal stagnierte. Jordan erklärte aber, die Prognose sei realistisch, wenn eine Fortsetzung der konjunkturellen Dynamik in den für die Schweiz wichtigsten Märkten unterstellt werde.

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