Kanaren kämpfen gegen Ölsuche

Die Bewohner der Kanaren steigen auf die Barrikaden, nachdem die spanische Regierung den Weg für Probebohrungen vor Lanzarote und Fuerteventura frei gemacht hat. Die Inselbewohner fürchten um Strände, Trinkwasser und Touristen.

Ralph Schulze
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Badestrand an der Kanaren-Insel Fuerteventura, vor deren Küste Spanien nach Öl suchen lassen will. (Bild: fotolia)

Badestrand an der Kanaren-Insel Fuerteventura, vor deren Küste Spanien nach Öl suchen lassen will. (Bild: fotolia)

MADRID. Die Regierung der Kanarischen Inseln, Bürgerinitiativen und Umweltschutzorganisationen wollen «mit allen Mitteln» gegen die Ölsuche kämpfen. Die Empörung ist auch deswegen gross, weil Spaniens konservative Regierung das Ölgeschäft mit dem spanischen Energiekonzern Repsol offensichtlich vereinbarte, ohne die kanarische Regionalregierung zu fragen. «Die behandeln uns wie eine Kolonie», schimpft Paulino Rivero, Chef der kanarischen Regierung, die von der Kanarischen Koalition angeführt wird. Dies sei eine «einseitige Entscheidung» und eine «Missachtung» kanarischer Interessen. Die Inseln, die vergangenes Jahr von über zehn Millionen Touristen besucht wurden, würden aber «nicht auf die Knie fallen», sondern «erbitterten Widerstand» leisten.

Im Grenzgebiet zu Marokko

Der spanische Öl- und Gaskonzern Repsol vermutet, dass östlich von Lanzarote und Fuerteventura grosse Ölvorkommen unter dem Meeresboden schlummern. Mit Probebohrungen etwa 60 Kilometer vor den Küsten und in einer Meerestiefe von bis zu 3500 Metern will Repsol die mutmasslichen Öllager genauer erforschen. Das anvisierte Ölfördergebiet liegt an der Grenze der von Spanien beanspruchten Seewirtschaftszone. Doch auch Marokko hat ein Auge auf den vermuteten Ölreichtum zwischen Kanaren und marokkanischer Atlantikküste geworfen – es ist also noch ein Streit darüber zu erwarten, wem das schwarze Gold gehört.

An der Repsol-Ölsuche vor den Kanaren beteiligt ist auch der deutsche Rohstoffkonzern RWE Dea, der für dieses Projekt mit Repsol und dem australischen Öl- und Gasförderer Woodside ein Konsortium bildet. Repsol glaubt, dass sich vor den Kanarischen Inseln «das grösste Erdölvorkommen der Geschichte Spaniens» befinden könnte, was im Interesse der Inseln wie auch ganz Spaniens sei. Der spanische Weltkonzern verspricht, vor Bohrbeginn eine Umweltstudie vorzulegen. Wenn alles gut gehe, könne Ende 2014 die konkrete Ölsuche beginnen und ab 2019 oder 2020 das Öl über Förderinseln aus dem Boden gepumpt werden.

Greenpeace warnt vor Inferno

Doch die breite Protestbewegung auf den Kanarischen Inseln will alles dafür tun, dass es nicht so weit kommt. Mit Demonstrationen, politischem Druck und einem juristischen Kampf vor Gericht soll die Ölförderung verhindert werden. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt vor einem «enormen Risiko» einer Ölpest durch Unfälle, Brände oder Rohrbrüche an den Bohrstellen. Greenpeace erinnert an die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko, nachdem dort im April 2010 die BP-Ölplattform Deepwater Horizon explodiert und gesunken war. Auch die Reisebranche warnt vor einem möglichen «grossen Imageschaden» für die beliebte Feriendestination.

Enorme Importabhängigkeit

Die Pläne für die Ölbohrungen vor den Kanaren sind nicht neu: Im Jahr 2001 waren sie bereits von der damaligen konservativen Regierung Spaniens genehmigt, dann aber nach einer Protest- und Klagewelle von einem Gericht widerrufen worden, weil Umweltschutzbelange nicht genügend berücksichtigt worden waren.

Nun geht der Streit ums Öl in eine neue Runde. Spanien hat bisher keine nennenswerten Ölvorkommen auf dem eigenen Territorium. Gut 98% des benötigten Erdöls müssen importiert werden. Falls sich der Fund vor den Kanaren bestätigt, könne Spanien wenigstens 10% seines Bedarfs aus dieser Quelle decken, sagt Energieminister José Manuel Soria. Deshalb «können wir uns nicht den Luxus erlauben, dieses Vorkommen nicht zu erschliessen».

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