Kamprad zieht zurück in die Heimat

Der 87jährige Ikea-Gründer Ingvar Kamprad will seinen Lebensabend in der Heimat verbringen. Der reichste Mensch Europas lebte lange in der Schweiz. Was sagen die Schweden zur Rückkehr?

André Anwar
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Ingvar Kamprad (Bild: ky)

Ingvar Kamprad (Bild: ky)

STOCKHOLM. Ikea-Gründer Ingvar Kamprad hat bekanntgegeben, er wolle aus seinem 40jährigen Steuerexil in der Schweiz nun zurück in seine südschwedische Heimat Småland kehren (vgl. Ausgabe von gestern). Anfang Juni hatte der 87-Jährige die Zügel des weltgrössten Möbelhauses weitgehend an seinen jüngsten Sohn Mathias übergeben.

«Ich kehre nach Schweden zurück, um näher an der Familie und an den alten Freunden zu sein», erklärte der reichste Noch-Einwohner der Schweiz. «Seit meine teure Ehefrau Margareta vor gut eineinhalb Jahren gestorben ist, gibt es immer weniger, das mich in der Schweiz zurückhält», sagte er der südschwedischen Regionalzeitung «Sydsvenskan», die vermutlich schon auf dem Küchentisch der Kamprads lag, als der 17-jährige Bauernsohn 1943 aus einem Krämerladen für Bilderrahmen und Stifte eine der erfolgreichsten Unternehmungen der Neuzeit zimmerte.

Flucht vor Supersteuern

Das Konzept: Möbel trendgerecht und billig anbieten. Dafür aber den Kunden die damals noch bahnbrechende Aufgabe abverlangen, die guten Stubenstücke aus Einzelteilen selbst zusammenzubauen. Das sparte Produktions-, Transport- und Lagerplatzkosten. Der Konzern blieb stets ein Familienunternehmen ohne Börsengang. Die Vermögensstrukturen waren seit Kamprads Wegzug in die Schweiz wegen «überzogener Steuern in Schweden» in den 70er-Jahren kaum noch nachvollziehbar. Jetzt sind die Reaktionen in Kamprads lange altsozialdemokratisch geprägtem Heimatland auf die Heimkehr gemischt. Seine unternehmerischen Leistungen und deren positiver Effekt auf andere Marken aus Schweden wie H&M und die Nation an sich werden ihm hoch anerkannt. Auch sein Wesen ist beliebt, als etwas kauziger Sparfuchs, der lieber mit dem Bus als mit seinem alten klapprigen Volvo zu Geschäftstreffen fuhr.

Geister scheiden sich

Doch bei Kamprads Steuermoral scheiden sich die Geister. Im Leserforum der Zeitung «Sydsvenskan» prallen die Meinungen aufeinander. «Kamprad ist ein kluger Steuerhinterzieher, der das schwedische Volk um Milliarden an Steuereinnahmen betrogen hat», schreibt Leser Bert Johansson. «Ingvar so zu kritisieren, ist purer Neid», nimmt ein anderer Leser den Ikea-Gründer in Schutz.