Kampf gegen Geldwäscherei erreicht neue Rekordwerte

Die Zahl der Meldungen auf Geldwäschereiverdacht hat sich innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt, jene der betroffenen Vermögen mehr als verdreifacht. 2018 zogen die Meldungen aus dem Zuger Crypto Valley an.

Balz Bruppacher
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Am meisten Verdachtsmeldungen gingen beim Bund im letzten Jahr bezüglich Bestechung ein. (Symbolbild: Martin Ruetschi/Keystone)

Am meisten Verdachtsmeldungen gingen beim Bund im letzten Jahr bezüglich Bestechung ein. (Symbolbild: Martin Ruetschi/Keystone)

Wird auf dem hiesigen Finanzplatz immer mehr Geld gewaschen? Die am Donnerstag von der Geldwäschereimeldestelle des Bundes (MROS) veröffentlichten Zahlen des Jahres 2018 scheinen diese Aussage zu untermauern. Erreichten doch die Meldungen auf Geldwäscherei- und Terrorismusfinanzierungsverdacht wie auch die von den Meldungen betroffenen Vermögenswerte neue Höchststände. Die Zahl der Meldungen stieg im Vorjahresvergleich um 31 Prozent auf 6'126. Die gemeldeten Vermögenswerte nahmen von 16,5 auf 17,6 Milliarden Franken zu. Noch eindrücklicher ist die Entwicklung im Zweijahres-Vergleich: Eine Zunahme bei den Meldungen um 111 Prozent und um 232 Prozent bei den Vermögen.

Daraus auf eine explosionsartige Ausbreitung der Geldwäscherei zu schliessen, ist allerdings in doppelter Hinsicht nicht zulässig. Einerseits handelt es sich nur um Verdachtsmeldungen. Ob tatsächlich Geld gewaschen wurde, stellt sich erst später heraus. Zuerst klärt die Meldestelle ab, ob fundierte Hinweise auf eine Straftat vorliegen. Ist dies der Fall, kommt die Strafverfolgungsbehörde zum Zug und prüft die Eröffnung eines Strafverfahrens. Erhebt diese Anklage, entscheidet ein Gericht. Anderseits muss auch das Meldeverhalten der Akteure auf dem Finanzplatz berücksichtigt werden. Hier scheinen die Appelle der Finanzmarktaufsicht an die Banken zu fruchten, sie sollten vermehrt Meldung erstatten, sobald ein Verdacht vorliegt, und nicht erst, wenn die Medien über Skandale berichteten.

Kulturwandel bei den Banken beobachtet

Die Finma stellte jedenfalls in ihrem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht Fortschritte bei der Geldwäschereibekämpfung fest und schrieb von einem allmählichen Kulturwandel im Meldewesen der Banken. Die vergleichsweise tiefe Zahl der Verdachtsmeldungen war wiederholt ein Kritikpunkt von internationalen Gremien, die die Geldwäschereiabwehr unter die Lupe nahmen. Die Meldestelle reagierte jeweils mit dem Hinweis auf die hohe Qualität der Meldungen. Sie misst sich am Anteil jener Meldungen, die nach der ersten Analyse an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet werden. Diese Quote belief sich 2018 auf 65,1 Prozent, nach 64,9 Prozent im Vorjahr. Im Schnitt der letzten zehn Jahre war die Weiterleitungsquote mit 74,2 Prozent deutlich höher.

Fast 90 Prozent der Meldungen stammten letztes Jahr von den Banken, gefolgt von Akteuren im Zahlungsverkehr, von Vermögensverwaltern und Treuhändern. Anwälte meldeten wie schon im Vorjahr bloss in vier Fällen Geldwäschereiverdacht – ein Umstand, den auch die Finma kritisch vermerkte. Damit rückt die geplante Revision des Geldwäschereigesetzes in den Blickpunkt. Der Bundesrat will die Vorlage demnächst ans Parlament verabschieden. Anwälte, Notare und Berater sollen neue Sorgfaltspflichten einhalten, auch wenn sie keine Vermögenswerte verwalten.

Häufigste Vortat war wie im Vorjahr Bestechung mit einem Anteil von 27 Prozent aller Meldungen. Schwere Steuervergehen, die 2016 in den Katalog der Vortaten aufgenommen worden waren, führten zu 317 Verdachtsmeldungen – 58 Prozent mehr als 2017. Im Vorjahresvergleich auf 140 Fälle verfünffacht haben sich die Meldungen mit der Vortat ungetreue Amtsführung.

Bitcoin-Effekt in Zug – Meldungen wegen Terrorismusfinanzierung im Hoch

Bei der geografischen Aufgliederung der Verdachtsmeldungen fällt erneut der starke Anstieg im Kanton Zug auf. Mit 159 Meldungen hat sich die Zahl gegenüber dem Vorjahr (81) fast verdoppelt. Hinter Zürich, Genf, Tessin, Bern und St. Gallen liegt Zug damit an sechster Stelle. Viele der Zuger Meldungen haben laut MROS mit dem Handel von virtuellen Währungen wie Bitcoin zu tun und stammen aus dem Nichtbankensektor des sogenannten Crypto Valley.

Markant zugenommen haben im Berichtsjahr die Meldungen wegen Verdachts auf Terrorismusfinanzierung, nämlich um 159 Prozent auf 132 Fälle. Die Meldungen betrafen die Terrormiliz IS und Al-Kaida, aber auch lokale terroristische Gruppierungen aus verschiedenen Regionen der Welt. Die gemeldeten Vermögenswerte erhöhten sich von 10,5 auf 31,4 Millionen Franken.

Die Zahl der Fälle, die Ende Jahr noch in der Analyse waren, hat sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt, auf 3'590 Fälle. Eine neue Strategie soll die Effizienz verbessern. Ab August soll Daniel Thelesklaf als neuer Chef der Meldestelle für frischen Wind sorgen. Der 54-Jährige kehrt damit an seine Ursprünge zurück, war er doch vor 20 Jahren der erste Leiter der neu geschaffenen Behörde. Tief blieb die Zahl der Schuldsprüche mit knapp 5 Prozent oder 774 Fällen von 15'585 Verdachtsmeldungen, die in den letzten zehn Jahren an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet wurden.