Kampf für höhere Löhne ist eröffnet

Der Gewerkschaftsdachverband Travail Suisse hält für nächstes Jahr Lohnerhöhungen von rund einem Prozent für angezeigt. Die Konsumenten sollen so mehr Geld in der Tasche haben. Doch der Arbeitgeberverband sieht wenig Spielraum für einen Zustupf.

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Peter Eisenhut Konjunkturexperte und Geschäftsführer der Ecopol AG (Bild: pd)

Peter Eisenhut Konjunkturexperte und Geschäftsführer der Ecopol AG (Bild: pd)

BERN. Geht es nach Travail Suisse, steigen die Löhne im nächsten Jahr um 1%. Die derzeit stabile Lage der Wirtschaft sei nicht zuletzt dem Einsatz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu verdanken, machte der Gewerkschaftsdachverband gestern geltend. Mehr Kaufkraft für die Angestellten sei nötig und auch aus volkswirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Zwar spürten der Arbeitsmarkt und Exportbranchen sowie der Tourismus den starken Franken noch, sagt Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail Suisse. Doch das Staatssekretariat für Wirtschaft sage für 2016 ein Wirtschaftswachstum von 1,4% voraus.

Politische Unsicherheiten

Die Unsicherheiten sind in Fischers Augen vor allem politischer Natur: Er nennt die Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative, den Brexit-Entscheid der Briten sowie die Unternehmenssteuerreform III.

Die Syna stellt ihre Forderungen nicht in Prozenten, sondern in absoluten Zahlen: 100 Fr. mehr pro Monat fordert sie. «Wir unterstreichen damit, dass wir eine generelle Erhöhung wollen», sagt Präsident Arno Kerst. Im Auge hat er vor allem die tiefen Einkommen: «Der gleiche Betrag für alle unterstützt Angestellte, die nicht viel verdienen.» Gefordert seien generelle Lohnerhöhungen anstelle von Boni, sagt auch Fischer: «Nur reguläre Erhöhungen garantieren eine nachhaltige Lohnentwicklung und führen zu einem gesicherten Rentenanspruch.» Würden Erhöhungen individuell gewährt, fehle die Transparenz, und es bestehe die Gefahr von Willkür. Ausserdem befürchtet Fischer, dass bei Neueinstellungen systematisch tiefe Löhne bezahlt und dann individuell angepasst werden. Das Nachsehen hätten vor allem langjährige und ältere Angestellte.

Arbeitgeber dämpfen Erwartung

Der Schweizerische Arbeitgeberverband dämpft die Erwartungen der Gewerkschaften. Die Unternehmen hätten trotz positiver Signale wenig Spielraum für Lohnerhöhungen. Wegen wirtschaftspolitischer Unsicherheiten seien die Firmen mit Investitionen relativ zurückhaltend. Der Druck sei hoch, mit tieferen Kosten produktiver zu sein. Die Arbeitgeber erinnern zudem an die tiefe Teuerung in den vergangenen Jahren. Obwohl die Löhne unterdurchschnittlich gestiegen seien, seien die Löhne real erheblich gewachsen. Die Lohnverhandlungen in den Unternehmen müssten aber erst noch geführt werden.

Geeignete Grundlage

Nicht überrascht von den gewerkschaftlichen Forderungen ist Peter Eisenhut, Konjunkturexperte und Geschäftsführer der Beratungsfirma Ecopol AG: «Travail Suisse steigt dieses Jahr mit einer eher tiefen Forderung in die Lohnverhandlungen.» Die Marke liefere «eine nicht allzu überbordende Diskussionsgrundlage». Eisenhut erwartet, dass die Saläre um durchschnittlich 0,5% bis 0,8% steigen. «In einigen Branchen liegt auch mehr drin.»

Die höheren Löhne mit der Konjunkturförderung zu begründen, ist für Eisenhut aus gewerkschaftlicher Sicht verständlich. «Ein gutes Argument ist es aber aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht. Denn: Höhere Löhne bedeuten auch höhere Kosten für die Unternehmen.» Dies führe dazu, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen leide und weniger investiert werde, was das Wirtschaftswachstum bremse. Lohnerhöhungen seien keine geeignete Massnahme zur Konjunktursteuerung. Vielmehr sollten Lohnverhandlungen die Situation der Unternehmen sowie die Lage auf dem Arbeitsmarkt spiegeln. (sda/ruf)

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