«Kaltschnäuzige Arroganz»

Die Bundesanwaltschaft beantragt für Dieter Behring eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten. Er habe gewerbsmässig, arglistig und serienmässig Anleger getäuscht.

Gerhard Lob
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Ein «typischer Betrüger» mit «kaltschnäuziger Arroganz»: Dieter Behring im Urteil des Bundesstaatsanwalts Tobias Kauer. (Bild: ky/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Ein «typischer Betrüger» mit «kaltschnäuziger Arroganz»: Dieter Behring im Urteil des Bundesstaatsanwalts Tobias Kauer. (Bild: ky/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

BELLINZONA. Vier Wochen Hauptverhandlung, etliche Zeugenbefragungen und stundenlange Erklärungen des Beschuldigten haben an der Haltung der Anklage nichts geändert. Bundesstaatsanwalt Tobias Kauer zeigte sich gestern überzeugt, dass Dieter Behring (61) gewerbsmässig betrogen hat. Zudem habe er sich der Geldwäscherei schuldig gemacht, weil er Erträge aus seinem deliktischen Handeln in Schmuck und Uhren sowie teure Genussmittel wie Wein investierte. Kauer forderte am Ende eines mehrstündigen Plädoyers eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten, unter Anrechnung der Untersuchungshaft von 203 Tagen. Behring nahm den Strafantrag ohne erkennbare Gefühlsregung auf; er wirkte allerdings gezeichnet.

Laut der Bundesanwaltschaft (BA) hat Behring zwischen September 1998 und Oktober 2004 zahlreiche Anleger betrogen. Rund 2000 Geschädigte sollen insgesamt 800 Mio. Fr. verloren haben, während Behring selbst 150 Mio. Fr. aus dem von ihm ausgeheckten Schneeballsystem abgezweigt habe.

«Typischer Betrüger»

Kauer erinnerte daran, dass es sich um einen der grössten Fälle von Wirtschaftskriminalität in der Schweiz handle. Er rief die Aussagen von Zeugen in Erinnerung, die ihre Schicksale vor Gericht dargelegt hatten. Personen, die Haus und Hof verloren haben, aber etwa auch eine Primarlehrerin aus der Ostschweiz, die um ihre kleinen Ersparnisse geprellt wurde. Behring sei ein «typischer Betrüger», weil er mit dem Versprechen hoher Rendite und geringen Risikos bei den Empfängern falsche Vorstellungen über die Erfolgsquote seines Handelssystems geweckt habe.

Allein für gewerbsmässigen Betrug hätte Staatsanwalt Kauer laut Strafgesetzbuch zehn Jahre Gefängnis verlangen können. Allerdings erachtete er den angeschlagenen Gesundheitszustand Behrings als strafmildernd, zudem sei viel Zeit seit den Taten verstrichen. Eventuell sei auch das Beschleunigungsgebot verletzt worden.

«Verschleppen und torpedieren»

Tatsächlich ist viel diskutiert worden, warum der Prozess vor Bundesstrafgericht erst zwölf Jahre nach dem Zusammenbruch von Behrings Moore-Park- Gruppe stattfindet. Hauptgrund aus Sicht der BA ist die Komplexität des Falls und die Zahl der Geschädigten: Dies führte zu einem für die Schweiz bisher beispiellosen Verfahren im Umfang von 1000 Bundesordnern. Kauer wies eine Verantwortung der BA zurück und machte umgekehrt Behring heftige Vorwürfe, da er ganze 58 Beschwerden und Eingaben eingereicht hätte. Nur 10% seien erfolgreich gewesen. Dies habe «netto 2052 Tage oder fünfeinhalb Jahre» gekostet. «Behring wollte das Verfahren lähmen, verschleppen und letztlich torpedieren», sagte Kauer. In der Verhandlung habe Behring zudem eine «kaltschnäuzige Arroganz» an den Tag gelegt.

Am Vormittag hatte Kauer anhand von Beispielen aufgezeigt, wohin die Gelder der Investoren flossen und wer die Verfügungsmacht über die Konten ausübte. Demnach stand am Ende immer die Unterschrift Behrings. Kauer verteidigte zudem die Einstellungsverfügungen gegen Mitbeschuldigte bezüglich des Betrugsvorwurfs. Diese seien mittlerweile alle rechtskräftig. Die Verteidigung, die nächste Woche das Wort hat, wird auf diesen Punkt gewiss zurückkommen. Die Urteilseröffnung ist für den 30. September vorgesehen.