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Kalte Dusche für schlauen Fuchs

Das Outlet-Center Foxtown in Mendrisio ist seit 17 Jahren sonntags geöffnet. Nun ist Schluss mit der «tolerierten Illegalität». Die Tessiner Wirtschaftsdirektorin Laura Sadis erntet breite Kritik.
Gerhard Lob

BELLINZONA. Mit dem Slogan «Markenprodukte zu Fabrikpreisen» wirbt das Outlet-Center Foxtown seit Jahren. Mit Erfolg. Der 1995 eröffnete Einkaufspalast in hässlichen Betongebäuden nahe der Autobahn – eines der grössten Outlet-Center der Schweiz – wird jährlich von 2,5 Mio. Kunden besucht. Angesagt ist die Schnäppchenjagd nach reduzierten Artikeln von Gucci oder Armani.

Am Sonntag klingelt die Kasse

80% sind Touristen oder Auswärtige, vor allem Italiener, aber auch Japaner und Chinesen. Dabei klingelt die Kasse am Sonntag in den 160 Läden am lautesten: Bis zu 13 000 Besucher werden gezählt. Zwei Drittel des Jahresumsatzes von 300 Mio. Fr. wird sonntags generiert. Doch damit ist nun Schluss. Das Tessiner Finanz- und Wirtschaftsdepartement unter Leitung von FDP-Staatsrätin Laura Sadis hat dieser Tage den im Foxtown eingemieteten Läden mitgeteilt, dass sie ab 1. Oktober am Sonntag kein Personal mehr beschäftigen dürfen. Das eidgenössische Arbeitsgesetz verbiete die Sonntagsarbeit und die Voraussetzungen für eine Ausnahmeregelung seien nicht mehr gegeben.

«Ich bin erstaunt und enttäuscht», kommentiert Foxtown-Gründer Silvio Tarchini. Dies könnte einen Jobverlust für die Hälfte der 1000 Angestellten – fast alles Grenzgängerinnen – bedeuten, sagt der 68jährige Unternehmer, einer der reichsten Tessiner, der schon mit einer Verlegung des Centers ins nahe Italien gedroht hat. Dass die Gewerkschaften 1995 der Sonntagsarbeit im Gegenzug für einen Gesamtarbeitsvertrag zustimmten, war einer der entscheidenden Schachzüge des «Fuchses» Tarchini gewesen. Was ist passiert? Im September 2011 hat in Chiasso das neue Einkaufszentrum Centro Ovale eröffnet, dessen Läden ebenfalls Bewilligungen für eine Sonntagsöffnung erhielten. Doch nach Ablauf einer Probezeit sagten die Gewerkschaft Unia und der Sozialist Matteo Pronzini diesem Sonntagsverkauf den Kampf an, weil er gesetzeswidrig sei.

Unia-Kritik für Centro Ovale…

Einen Vertrag wie im Falle von Foxtown lehnten die Gewerkschaften für das Centro Ovale ab. Foxtown sei einmalig und müsse eine Ausnahme bleiben. Sonst werde dem Sonntagsverkauf Tor und Tür geöffnet. Anders sieht es Staatsrätin Sadis, die auf den Gleichheitsgrundsatz pocht. Im Fall Foxtown habe es sich um eine «tolerierte Illegalität» gehandelt, die durch die Einigung der Sozialpartner möglich und auch dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in Bern bekannt war. Mit dem ausgebrochenen Konflikt um das Centro Ovale sei diese Grundlage nicht mehr gegeben. Es sei nicht haltbar, nur einem Center die sonntägliche Öffnung zu gewähren. Als traurige Konsequenz müssten nun alle Einkaufszentren am Sonntag schliessen.

…und Unia-Hilfe für Foxtown

Auf den Entscheid folgte heftige Kritik. Die Gewerkschaften warfen Staatsrätin Sadis vor, die Einmaligkeit des Outlet-Centers Foxtown nicht verstanden zu haben. Unia verlangte ihren Rücktritt. Doch in der Sache ist der Spielraum klein. Selbst ein neues kantonales Gesetz zum Ladenschluss, das eine Lex Foxtown enthalten soll, löst das Problem nicht. Abgesehen davon, dass das Gesetz seit langem in der vorberatenden Kommission schmort, bleibt das Bundesgesetz über die Arbeit mit dem Sonntagsarbeitsverbot massgebend.

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