Kalte Dusche für ein Kartell

Die Wettbewerbskommission büsst acht Sanitärgrosshändler und den Branchenverband wegen verbotener Preis- und Mengenabreden. Trotzdem haben geprellte Kunden das Nachsehen.

Thomas Griesser Kym
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Auch über Toiletten hat sich das Sanitärkartell abgesprochen. (Bild: fotolia)

Auch über Toiletten hat sich das Sanitärkartell abgesprochen. (Bild: fotolia)

BERN. Führende Sanitärgrosshändler in der Schweiz haben über einen Zeitraum von 14 Jahren Preise und Mengen untereinander abgesprochen. Das hat eine Untersuchung der Wettbewerbskommission (Weko) ergeben. Solche horizontalen Preis- und Mengenabreden sind laut Weko «schwere Verstösse» gegen Art. 5 Abs. 3. des Kartellgesetzes. Die Behörde hat deshalb Bussen von total 80 Mio. Fr. verhängt.

Zu teuer und zu wenig Auswahl

Was heisst das für die Endkunden? Diese, Konsumenten sowie professionelle und institutionelle Nachfrager, wurden laut Weko durch das Kartell geschädigt. «Einerseits entstanden die Preise nicht unter normalen Wettbewerbsbedingungen. Andererseits wurde die Produktevielfalt durch die Mengenabrede eingeschränkt», urteilt die Weko. Mit anderen Worten: Hauseigentümer, Immobiliengesellschaften sowie andere Bauherren und Besitzer von Liegenschaften wie etwa Versicherungen haben für Bade- und Duschwannen, Toiletten, Spülkästen, Armaturen, Waschtische, Badmöbel, Spiegelschränke, Plättli, Waschmaschinen, Trockner, Whirlpools usw. zu viel bezahlt und nur aus einem beschränken Sortiment auswählen können. Indirekt haben auch Mieter zu viel bezahlt, weil Wohnungen und Häuser mit zu teuren Sanitärprodukten ausgestattet wurden.

Höhe des Schadens bleibt offen

Wie Weko-Vizedirektor Frank Stüssi sagt, fliesst die Busse von 80 Mio. Fr. in die allgemeine Bundeskasse. Endkunden dagegen dürften kaum Geld zurückerhalten. Dazu müssten sie einen konkreten Schaden aus den verbotenen Abreden beziffern können. Das aber ist «schwierig» für den Kunden, wie Stüssi sagt. Zumal die Weko nicht einmal den finanziellen Gesamtschaden berechnet hat. Einerseits sei es nicht Aufgabe der Behörde, die negativen Effekte der Abreden auf die Netto- und die Endkundenpreise genau aufzuzeigen, schreibt die Weko. Andererseits war laut Stüssi ein Vorher-Nachher-Vergleich der Preise nicht möglich, unter anderem wegen der langen Dauer des Kartells.

Boykott im Katalog

Demnach verständigten sich die Mehrzahl der am Kartell beteiligten Sanitärgrosshändler von 1997 bis 2011, also während 14 Jahren, über Preisbestandteile und preisbestimmende Faktoren wie Margen, Bruttopreise, Euroumrechnungskurse, Transportkosten, Rabatte und Rabattkategorien. Ferner entschieden sie gemeinsam, Hersteller, welche ihre Sanitärprodukte nicht exklusiv über den Grosshandels-Vertriebskanal verkauften, nicht in ihre Kataloge aufzunehmen. Das hinderte die betroffenen Hersteller am Markteintritt. Als Plattform für den Abschluss der Abreden diente der Schweizerische Grosshandelsverband der Sanitären Branche (SGVSB).

Alle bis auf eines der gebüssten Unternehmen sind Mitglieder dieses Verbandes. Das einzige Nichtmitglied ist Branchenführer Sanitas Troesch, der 2014 mit 970 Mitarbeitenden 576 Mio. Fr. umsetzte. Sanitas Troesch, die sich laut Weko an Teilen des Kartells beteiligte, war bis Mitte der 90er-Jahre im SGVSB. Seit 2005 gehört Sanitas Troesch zur französischen Saint-Gobain, die den Sika-Konzern übernehmen will.

«Das Kartell gesprengt»

Sanitas Troesch (25 Mio. Fr.) und die irische CRH-Gruppe (30 Mio. Fr.) mit den Schweizer Töchtern Gétaz-Miauton, Richner und Reco Regusci müssen gut zwei Drittel der Busse zahlen. Knapp ein Drittel oder zusammen 25 Mio. Fr. zahlen müssen die Bringhen-Gruppe, Innosan, Kappeler, die Sabag-Gruppe, SAB Sanitär Apparate Burgener, SaniDusch und der SGVSB. Gegen zwei Firmen hat die Weko das Verfahren ohne Folgen eingestellt: San Vam sowie die Später-Gruppe mit Sitz in Chur und Niederlassung in Altstätten.

Für die Endkunden hat Stüssi doch noch eine gute Nachricht: «Dass die Weko das Kartell gesprengt hat, dürfte sich vorteilhaft auf die Preise und das Angebot ausgewirkt haben.»

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