Kalifornien zeigt die kalte Schulter

Fahrer des Taxidienstes Uber sind Beschäftigte des Unternehmens und keine Selbständigen. Das hat eine Behörde in Kalifornien festgestellt. Die Entscheidung gefährdet das Geschäftsmodell des Unternehmens.

John Dyer
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SAN FRANCISCO. Der Taxiersatzdienst Uber empfängt seine schlechteste Nachricht ausgerechnet aus seinem Heimatstaat Kalifornien. Dort hat die California Labor Commission, die Behörde zur Arbeitsmarktregelung, mit ihrer Entscheidung über den Status von Uber-Fahrern das gesamte Geschäftsmodell des Unternehmens aus San Francisco in Frage gestellt.

Geschäftsmodell gefährdet

Die Kommission zeigt Uber die kalte Schulter. Sie hat in einer Entscheidung festgestellt, dass die Uber-Fahrer Angestellte sind und nicht unabhängige Vertragspartner. Das Urteil wurde erst jetzt bekannt gemacht. Da das Geschäftsmodell der Firma betroffen ist, könnte der Unternehmenswert von Uber drastisch sinken, sollte die Einstufung Bestand haben. Derzeit wird Ubers Wert auf 40 Mrd. $ geschätzt. Das wird nicht so bleiben, wenn bei Uber die Kosten explodieren, weil für die Fahrer plötzlich Sozialleistungen, Rentenbeiträge und Arbeitslosenversicherung bezahlt werden müssen. «Potenziell kann das ein schwerer Schlag für die Firma sein und ihr Geschäftsmodell gefährden», sagt Thilo Koslowski, Analyst beim Marktforscher Gartner.

Die Kommission stellte fest, dass Ubers Manager eine ganz gewöhnliche Aufsicht über die Fahrer ausüben, so wie sie in anderen Firmen bei festangestellten Mitarbeitern üblich ist. Wenn sie Aufträge über die Uber-App annehmen, handeln sie wie Festangestellte, obwohl sie ihr eigens Auto benutzen und ihre Arbeitszeit selber festlegen. Die Kommission hatte über die Beschwerde der ehemaligen Uber-Fahrerin Ann Berwick zu entscheiden. Sie gab an, nicht wie ein freier Mitarbeiter, sondern wie ein angestellter Fahrer eines Pizza-Lieferdienstes behandelt worden zu sein. Die Labor Commission sprach ihr Schadensersatz von gut 4000 $ zu. Diese Entscheidung gilt konkret für den Fall Berwick und nur in Kalifornien. Der US-Bundesstaat ist aber für Uber, das weltweit in 57 Ländern aktiv ist, der wichtigste Markt.

Uber legt Beschwerde ein

Uber legte sofort Beschwerde ein. Das Unternehmen stelle einzig und allein eine technische Plattform zur Verfügung. Diese ermögliche es Autobesitzern, einige Dollar dazu zu verdienen. Solange die Beschwerde nicht entschieden ist, muss Uber in Kalifornien keine Änderung an seiner Arbeitsweise vornehmen. In fünf US-Bundesstaaten hat Uber mit seinen Argumenten Recht bekommen. Uber argumentiert auch, dass die Fahrer völlig frei seien. Und Uber verweist auf eine Entscheidung derselben Kommission von 2012, als ein anderer Fahrer als Selbständiger eingestuft worden sei. Die Labor Commission hatte in ihrer jetzigen Begründung die nun abweichende Beurteilung erläutert. Im Fall von Berwick habe man wesentlich mehr Erkenntnisse zur Verfügung gehabt.

Uber und andere Technologieanbieter, die ein ähnliches Geschäftsmodell mit Nutzung Scheinselbständiger betreiben, sind zunehmend für Investoren interessant. Diese haben in den vergangenen fünf Jahren 9,4 Mrd. $ in solche Jungunternehmen gesteckt, meldet die Datenfirma CB Insights.