Kali-Streit immer heftiger

Weissrussland geht gegen den russischen Kali-Produzenten Uralkali vor. Dieser hatte eine Kooperation mit der weissrussischen Belaruskali aufgekündigt.

Axel Eichholz
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WI - Uralkali (Bild: AXEL EICHHOLZ)

WI - Uralkali (Bild: AXEL EICHHOLZ)

MOSKAU. Der Chef des russischen Kali-Produzenten Uralkali, Wladislaw Baumgertner, ist in Minsk verhaftet worden. Damit ist der seit einigen Wochen schwelende Streit zwischen beiden Ländern eskaliert. Baumgertner war vom russischen Regierungschef Dmitri Medwedew nach Minsk geschickt worden. Der weissrussische Regierungschef Michail Mjasnikowitsch hatte am vergangenen Freitag Einladungen zu Gesprächen an den Besitzer des russischen Kali-Produzenten Uralkali, Multimilliardär Suleyman Kerimow, den Vizeregierungschef Arkadi Dworkowitsch, Verwaltungsratschef Alexander Woloschin und Generaldirektor des Unternehmens, Wladislaw Baumgertner, geschickt. Da sie ablehnten, rief Mjasnikowitsch den russischen Amtskollegen Dmitri Medwedew an und bat, die vier doch nach Minsk zu schicken. Am Montag kam Generaldirektor Baumgertner allein.

Bruch im Kartell

Ende Juli war es zu einem offenen Bruch in dem seit 2005 bestehenden Kartell des russischen und des weissrussischen Kaliproduzenten Belaruskali gekommen. Uralkali verliess die gemeinsame Absatzorganisation Weissrussische Kali-Gesellschaft (BKK), die einen Anteil von 43% am Kali-Weltmarkt besass. Baumgertner wurde zur zentralen Figur des Skandals. Als Folge sackten die Aktienkurse aller internationalen Kali-Hersteller inklusive der deutschen K+S am 30. Juli um 18% bis 24% respektive 20 Mrd. $ ab. Bis dahin schwelte der Konflikt seit Dezember 2012, als der weissrussische Präsident Alexander Lukaschenko das ausschliessliche Exportrecht von BKK aufhob und dem weissrussischen Produzenten Belaruskali eigene Lieferungen erlaubte.

Das Gespräch zwischen Mjasnikowitsch und Baumgertner dauerte nur eine Stunde und war «alles andere als konstruktiv». Laut Tageszeitung «Kommersant» hielt der weissrussische Premier seinem Gast eine Standpauke und dieser fuhr danach sofort zum Flughafen. Bei der Abfertigung wurde Baumgertner mit der Begründung festgenommen, «er könnte Rauschgift bei sich haben». Ein solches Vorgehen habe nur ein einziger zulassen können, und zwar Präsident Lukaschenko, schreibt die Zeitung. Gastgeber Mjasnikowitsch habe offensichtlich Bescheid gewusst. Er habe als Köder dienen sollen.

Am Nachmittag wurde die Festnahme offiziell eingeräumt. Eine Anklage wurde Baumgertner von der weissrussischen Ermittlungsbehörde präsentiert. Ihm wird schwerer Amtsmissbrauch vorgeworfen, durch den ein Schaden von 100 Mio. $ entstanden sein soll. Darauf stehen in Weissrussland zehn Jahre Freiheitsentzug. Zunächst kommt der festgenommene Unternehmenschef in Untersuchungshaft.

Neben ihm wurde auch gegen vier Topmanager der Firma BKK Anklage erhoben. Da sie sich zurzeit in Moskau aufhalten, wurden sie international zur Fahndung ausgeschrieben. Zudem werde wegen Verdachts einer Teilnahme am «Managerkomplott» gegen den Uralkali-Besitzer Kerimow ermittelt. Die Minsker Ermittler behaupten, BKK-Mitarbeiter hätten ohne Wissen der weissrussischen Seite einigen Kunden illegal einen Preisnachlass gewährt.

Kritik aus Russland

«Was da passiert ist, passt auf keine Kuhhaut», sagte der russische Vizeregierungschef Igor Schuwalow. Er habe Premier Medwedew Bericht erstattet, und dieser habe «alles Erforderliche bereits veranlasst». Es sei eine merkwürdige Situation, wenn man das besondere Verhältnis zwischen Minsk und Moskau bedenke, sagte Schuwalow, fügte aber hinzu, die russische Regierung habe mit dem «Skandal, der zur Schliessung des gemeinsamen Exportfensters führte», nichts zu tun.