Kakaobranche fürchtet Ebola

Ein Grossteil des global verbrauchten Kakaos stammt aus Ghana und von der Elfenbeinküste. Obwohl dort bisher keine Ebola-Fälle gemeldet wurden, geht auf dem Weltmarkt die Angst um.

Anne Gonschorek
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KAPSTADT. Die derzeitige Ebola-Epidemie ist mit ihren rekordhohen Ansteckungen die schlimmste, die je verzeichnet wurde. Durch den Einbruch von ganzen Industrien und aufgezwungene Arbeitsniederlegungen hat das Virus inzwischen auch verheerende Folgen auf die Wirtschaft von Liberia, Sierra Leone und Guinea. Die drei am stärksten betroffenen Länder gehören zu den ärmsten des afrikanischen Kontinents.

Kakaopreis steigt bereits

Nun treffen die Auswirkungen des tödlichen Virus auch die Verbrauchsgütermärkte. Weil Investoren fürchten, dass bald auch die Elfenbeinküste oder Ghana vom Ebola-Virus betroffen werden könnten, stiegen die Kakaopreise bereits um 10%. Die beiden Länder produzieren um die 60% des weltweit verbrauchten Kakaos.

Bisher wurden zwar in keinem der beiden Länder Ebola-Fälle vermerkt, doch die Elfenbeinküste hat schlecht bewachte Grenzen mit Liberia und Guinea – den zwei Ländern, die am schlimmsten von der Epidemie betroffen sind. Durch Grenzüberschreitungen aus infizierten Gegenden ist das Virus bereits auf Nigeria und den Senegal übergeschwappt. Laut Experten könnte selbst eine geringe Anzahl von Erkrankungen an der Elfenbeinküste weitreichende Folgen auf den globalen Kakaomarkt haben.

In Kleinbetrieben angebaut

Bill Guyton, Präsident der Weltkakaostiftung, ist der Meinung, dass die Elfenbeinküste ihre Grenzen zu Recht geschlossen habe: «Es gibt Millionen von Bauern, die die Pflanze in Westafrika anbauen. Es sind mittelständische Familienfarmen, viele von ihnen liegen in abgelegenen Gebieten. Es ist also sehr schwierig, mit den Kakaobauern zu kommunizieren oder sie zu erreichen.» Die Pflanzen werden auf sehr kleinen Landstücken gezogen. Die Bauern verkaufen ihre Bohnen an Zwischenhändler, die Farm um Farm abklappern, um die Ernte anschliessend für den Export an die Küste zu bringen. Reiserestriktionen und Quarantänen zur Eindämmung der Epidemie, wie in den Ebola-betroffenen Ländern, könnten über Nacht Millionen von Bauern isolieren und damit weltweit Schokoladehersteller ihrer Kakaozulieferer berauben. Die Schokoladneindustrie kann ohne ihre westafrikanischen Zulieferungen nicht funktionieren. «Die Leute haben Angst, dass die Hölle losbrechen wird, sollte Ebola an der Elfenbeinküste auftauchen», sagte Hector Galvan, Marktstratege bei RJO Futures in Chicago, gegenüber dem «Wall-Street Journal». «Im schlimmsten Fall verliert man praktisch alle Kakaoexporte von der Elfenbeinküste oder aus Ghana für eine unbekannte Zeitspanne.»

Markt zahlt Risikoprämie

Als die Exporte während des Bürgerkrieges Ende 2010 und Anfang 2011 zum letztenmal gestoppt wurden, schoss der Terminhandel des Kakaos auf ein 32jähriges Hoch. Jegliche Unterbrechung des Kakaoexportes würde verheerende Folgen für die Elfenbeinküste haben.

Doch auch der globale Markt, auf dem Rekordzahlen die Nachfrage nach Schokolade bestimmen, würde die Störung schmerzlich zu spüren bekommen. Termin-Kakao stieg dieses Jahr um 20% und erreichte letzten Monat einen Drei-Jahres-Höhepunkt. Das Ebola-Virus verlangt vom Markt derzeit eine Risikoprämie ab – und diese dürfte laut Experten weiter steigen, so lange es nicht gelänge, die Seuche einzudämmen.

Spürbare Nervosität

Guinea, Liberia und Sierra Leone selbst produzieren ungefähr 21 000 Tonnen Kakao pro Jahr. Die globale Produktion liegt allerdings bei 4,2 Mio. Tonnen – die Haupt-Ebola-Länder haben demzufolge keinen grossen Einfluss auf den Markt. Im Gegensatz dazu produziert die Elfenbeinküste jährlich nahezu 1,6 Mio. Tonnen und Ghana zusätzliche 0,9 Mio. Tonnen.

Trotzdem machen sich Zeichen der Nervosität bemerkbar. So sollen sich Schiffsbesatzungen weigern, am Hafen San Pedro anzudocken, wo der Kakao der Elfenbeinküste geladen wird.