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Kaffeekönig will Sohn der Konkurrenz adoptieren

Weil er sich mit seinem eigenen Sohn nicht versteht, will Idee-Kaffee-König Albert Darboven ausgerechnet den Spross der Konkurrenz Jacobs adoptieren und zu seinem Erben machen.
Cornelie Barthelme, Hamburg
Albert Darboven: Geschäftsführer und Inhaber des Hamburger Kaffeehandelshauses J. J. Darboven. (Bild: Sven Simon (6. November 2015))

Albert Darboven: Geschäftsführer und Inhaber des Hamburger Kaffeehandelshauses J. J. Darboven. (Bild: Sven Simon (6. November 2015))

Es ist eine Geschichte, wie die bunten Blätter sie lieben. Und erst recht ihre Leserinnen. Ein Unternehmer und Patriarch, Mitglied der Hamburger High Society, überwirft sich mit seinem leiblichen Sohn und Erben – und beschliesst daraufhin, für Ersatz zu sorgen. Per Adoption. Allein dieser Plot wäre schon aufsehenerregend. Dass aber der un­gnädige Vater der Chef der deutschen Kaffeeröster-Dynastie Darboven ist und der ausersehene Ersatzerbe Spross der direkten Konkurrenz Jacobs aus Bremen: Das katapultiert den Stoff auf den Rang einer Affäre. Und wer weiss, wie etepetete die Hamburger und erst recht die dortigen Kaufleute sind, ahnt: Der Skandal ist nicht weit.

Ausgerechnet zum Hamburger Galopp-Derby Anfang Juli, einem Muss-Rendezvous der Reichen und Schönen, wurde der Plan von Albert Darboven (82) publik. Und zwischen Hüten und Hummer hechelten die Hanseaten das Haarsträubende durch. Der Zeitpunkt war umso pikanter, als J. J. Darboven mit seiner Traditionsmarke «Idee Kaffee» Hauptsponsor des Pferde-Events war und der Patriarch höchstpersönlich auf der Galopprennbahn die Honneurs machte und entgegennahm. Auf Erkundigungen in der Familiensache reagierte er ungnädig: «Kein Thema.»

Adoption zur Sicherstellung des Lebenswerkes

Dabei war Albert Darboven natürlich klar, dass die Derby-­Gesellschaft selbst den mit ei­ner «Idee Kaffee»-Decke geschmückten Sieger «Weltstar» nicht halb so spannend fand wie den Bruch zwischen ihm und seinem Sohn Arthur Ernesto (54). Von dessen Mutter Inés Alicia de Sola Oppenheimer, Tochter eines Kaffeebarons aus El Salvador, liess Darboven sich nach zwölf Jahren Ehe 1973 scheiden – und heiratete im selben Jahr Edda Prinzessin von Anhalt-Dessau. Gemeinsam mit ihr bestätigte er am Nach-Derby-Montag den Klatsch – per Pressemitteilung. «Meine Frau und ich», heisst es darin, «wünschen uns, Herrn Dr. Jacobs auch ganz offiziell in unsere Familie aufzunehmen.» Und weiter: «Wir wünschen uns, dass er unser Lebenswerk in allen Bereichen fortsetzt.»

Die öffentliche Bestätigung der Darboven-Idee hat Sohn Arthur Ernesto zumindest indirekt erzwungen; gemeinsam mit seinen Cousins Arndt und Behrendt Darboven und deren Mutter Helga. Die vier veröffentlichten am Derby-Wochenende einen «Offenen Brief», in dem sie vor einem «Bruch mit den Werten des Unternehmens und der Familie» warnen – und weiter schreiben: «Es ist für uns überhaupt nicht nachvollziehbar, dass Albert Darboven, unser Vater beziehungsweise Onkel, die Führung des Familienunternehmens an Dr. Andreas Jacobs übertragen will.»

Dessen Familie hat ihr in der Hamburger Konkurrenz-Hansestadt Bremen ansässiges Kaffee-Imperium – nach einer Fusion mit der Schweizer Interfood AG im Jahr 1982 – acht Jahre später als Jacobs Suchard an den US-Konzern Kraft Foods verkauft. Andreas Jacobs (54) leitete danach bis 2015 die Holding der Familie, die mit einem Milliardenvermögen zu den reichsten Deutschen gezählt wird. Inzwischen nennt er sich Investor – und lebt in Hamburg.

Am «Coffee Erotic» schieden sich die Geister

Aber nicht nur räumlich sind sich Darboven senior und sein Wunsch-Sohn Jacobs sehr nahe. Sie teilen auch ihre Leidenschaft für schnelle Pferde; Darboven eignet das Gestüt «Idee» und war selbst jahrzehntelang als Polospieler aktiv. Sohn Arthur, seine Vettern und deren Mutter, denen zusammen 42,5 Prozent des Unternehmens gehören, halten die Hippophilie für keine ausreichende Qualifikation. Den Verkauf von Jacobs-Kaffee wenden sie gegen den Konkurrenten ums Erbe. «Uns Darbovens liegt der Kaffee im Blut», schreiben sie, «was wir bei Dr. Jacobs bezweifeln müssen.» Zudem hätten die Firmen Darboven und Jacobs sich schon vor Gericht treffen müssen.

So weit ist es zwischen Darboven senior und junior allerdings nicht gekommen – bislang. Sie trennten sich, zunächst geschäftlich, 2008, nach Streitigkeiten über die zukünftige Unternehmensstrategie. Konkreter Anlass war der «Coffee Erotic», den Arthur Ernesto ins Sortiment aufnehmen wollte. Vater Albert fand das indiskutabel.

Und erinnerte sich, wie er zum vierten Chef der Dynastie Darboven wurde: Sein kinderloser Grossonkel Arthur Darboven beschied 1948 dem zwölfjährigen Albert Hopusch aus Darmstadt: «Du wirst einmal mein Nachfolger.» Und – adoptierte ihn.

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