Tpresso

Kaffeekapsel-Pionier setzt jetzt auf Tee

Nespresso-Erfinder Eric Favre lanciert in China ein neues Kapsel-System. Diesmal für Tee. Wann er den Schweizer Markt damit aufmischt, ist noch offen.

Von Sabina Sturzenegger
Drucken
Teilen

Das Kapsel-Geschäft ist heftig umstritten. Nach dem Kaffeekapsel-Streit zwischen Nespresso und Denner (az von gestern) ist seit gestern klar, dass es auch auf dem Markt der Teekapseln zu Veränderungen kommen wird: Tpresso heisst das neue System und soll nicht weniger als «den Teegenuss revolutionieren».

Mit diesen Worten wurde Tpresso gestern zeitgleich in Zürich und Peking von Eric Favre und seiner Frau Anna-Maria lanciert. Favre ist in der Kapselwelt kein unbeschriebenes Blatt: Der Romand beansprucht für sich, der Erfinder der Kaffeekapsel zu sein. Im Auftrag von Nestlé gründete er 1986 Nespresso, und 1991 lancierte er mit Monodor einen der wichtigsten Nespresso-Konkurrenten. Sowohl die Migros (mit Delizio) als auch Lavazza, der italienische Weltmarktführer im Espresso-Geschäft, sind Lizenznehmer von Monodor.

Jahrelange Tüftelei

Aus dem Schweizer Kapsel-Krieg wird sich Favre fürs Erste heraushalten: Er hat den asiatischen, insbesondere den chinesischen Markt im Auge. Favre und seine Frau betonen, dass sie jahrelang mithilfe von Experten aus China Teesorten ausgewählt, an der Maschine getüftelt, Kanne und Gläser entworfen und an der Verarbeitung des Tees gearbeitet haben. Dabei ist ein exklusives Produkt entstanden. «Im Unterschied zu anderen Marken kaufen wir nur ganze Blätter, die unter Vakuum, mit einer von uns entwickelten Maschine zerschnitten, und beim Aufguss vom Wasser in der Kapsel angefeuchtet werden», erklärt Eric Favre.

Tpresso ist also für Teekenner gedacht. Nicht zuletzt soll die chinesische Oberschicht zur Klientel zählen. Ab April sind das Set mit Maschine, Kanne, Tassen sowie die Kapseln in acht verschiedenen Teesorten in den luxuriösen Warenhäusern Pekings erhältlich. Dort passen sie auch preislich hin: Das Set kostet umgerechnet 800 Franken, eine Kapsel zwischen 1.50 und 3 Franken, wobei eine drei bis vier Portionen Tee ergibt.

Nespresso als Vorbild

Eine Ausweitung auf den europäischen Markt sei frühestens nächstes Jahr geplant, sagte Anna-Maria Favre gestern. Dennoch soll Tpresso mittelfristig den weltweiten Markt erobern. «Wir sind nun dabei, einige Partner auszuwählen, welche die erforderlichen ‹Muskeln› und die Ambition haben, aus Tpresso das zu machen, was Nespresso für den Kaffee ist – nur schneller», sagt Kapsel-Pionier Eric Favre dazu.

In der Schweiz gibt es neben der kombinierten Kaffee-Tee-Maschine von Delizio seit September ein weiteres Teekapsel-System: Special.T von Nestlé. Die Kapseln sind nicht kompatibel mit den Nespresso-Maschinen und wie die Special.T-Maschine nur übers Internet erhältlich, wie Nestlé-Sprecherin Nina Backes sagt.