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JUNGUNTERNEHMEN: Starten und bleiben

Das St. Galler Startfeld-Netzwerk für Innovationen will die Start-ups in der Region halten. 140 Mitarbeiter in 30 Einheiten wachsen und gedeihen derzeit im Lerchenfeld, wo es eng geworden ist.
Markus A. Will
Gemeinsam entwickeln künftige Unternehmer Ideen und Projekte. Der Verein Startfeld unterstützt sie dabei. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 25. Januar 2018)

Gemeinsam entwickeln künftige Unternehmer Ideen und Projekte. Der Verein Startfeld unterstützt sie dabei. (Bild: Urs Bucher (St. Gallen, 25. Januar 2018)

Markus A. Will

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Aber jetzt sind die ­Pizze gegessen. «Play hard, work hard.» Um 13.30 Uhr sassen alle wieder an ihren Arbeitsplätzen. Kaum einer der Anwesenden beachtet die Besucher. Konzentriert wird hier an der Zukunft gearbeitet. Die Piazza ist wieder leer. So heisst der offene Bereich gleich hinter dem Eingang im ­Gebäude des Startfelds, dem ­«Innovationsnetzwerk in der ­Region St. Gallen Bodensee», wie sich Verein und Stiftung bezeichnen.

Über Industrie 4.0 hinausdenken

140 Menschen starten hier ihre aktuell 30 Geschäftsideen. Überwiegend sind dies kleine und kleinste Firmen, die zur Hälfte ­etwas mit dem Internet machen und bereits über die Version 4.0 hinausdenken. Die andere Hälfte der Start-ups hat Ideen auch jenseits des Internets.

Pizza gibt es natürlich nicht jeden Tag, aber man kommt gerne zusammen, auch zum Netzwerken. Und so hat diese Runde Advertima gestiftet. Die Firma gehört zu den Stars im Lerchenfeld. Sie entwickelt eine spezielle Software. Diese scannt Menschen beim Vorbeilaufen und bietet personalisierte Werbung auf grossen digitalen Plakatwänden an. Noch wird am Feintunig gefeilt. Personen werden schon mal zehn Jahre jünger geschätzt. Abgeräumt wurden die Pizzakartons übrigens von der Advertima-Personalchefin persönlich.

Das Startfeld ist ordentlich organisiert. Nur ein wenig erinnert es an kreatives Chaos. Viel Holz, luftige, volle Räume und schnelles Internet gibt es. Alles ist schlicht gehalten, bis auf die Technik. Nur Platz gibt es kaum noch. Das Startfeld platzt derzeit aus allen Nähten. Alles, was man als Start-up braucht, ist vorhanden. Und fast alles beginnt oder endet irgendwie mit Start oder Feld: Das Startfeld ist im Lerchenfeld zwischen Empa und Tagblatt-Medien angesiedelt. Die ruhigen Arbeitsplätze heissen Denkfelder, und die Grossraumbüros sind Wirkfelder. Es gibt Start-up-Tage für Unternehmen, Re-Start-Seminare für Unternehmer, Startplätze für Ideengeber und nun auch das Smartfeld für die nächste Generation, die ­Jugendlichen, die man an Unternehmertum und Technologie gemeinsam mit den Schulen heranführen will. Klingt alles ein wenig wie das kalifornische Silicon Valley im St. Galler Sittertobel.

Fördergelder sind nicht geschenkt

Aber nicht nur IT-Freaks arbeiten hier, sondern auch echte Tüftler mit grauem Haar. Das Unternehmen miVital etwa verbessert mit einer Schlüsseltechnologie fettlösliche Stoffe, die ansonsten vom Körper nur schlecht verarbeitet werden können. Eine Riesensache beispielsweise für die Nahrungsergänzung, wie Gründer Daniel Strasser beim Rundgang erklärt. Ein paar Kanister mit seinen Flüssigkeiten stehen bereit zur Abholung, und zwar für Australien. Warum auch so ein Start-up im Startfeld ist? «Vor allem wegen des Spirits» und wegen der möglichen Förderung, auf die sich Strasser mit seinen Söhnen in diesen Tagen vorbereitet. Wer ein Darlehen von bis zu 300000 Franken haben will, muss seine Idee vor einem Expertenkomitee präsentieren. Geschenkt wird einem hier auch nichts, ausser Spirit eben. Seit 2010 fördert und finanziert das Innovationsnetzwerk neue Unternehmensideen in den Kantonen beider Appenzell und St. Gallen. Die Kantone bringen sich ein und finanzieren auch die Erstberatungen mit, von denen es seit dem Start 2010 über 800 gegeben hat. Träger sind die Stadt St. Gallen, die Universität HSG, die Fachhochschule FHSG sowie die Empa und die St. Galler Kantonalbank.

Sinn der ganzen Sache ist es, junge Unternehmer in der Region zu halten, ihnen gerade in dem Moment, wenn die zündende Idee gekommen ist, wenn sie durchstarten wollen, ein Angebot zu machen. Das geht über kleine Förderpakete, Coachings, Seminare, Rechtsberatungen bis bin zu den Darlehen und über Räumlichkeiten, wenn es Platz hat.

Gelingt das? Die Frage geht an Peter Frischknecht, den Geschäftsführer des Vereins, der zu jedem Start-up auf dem Rundgang eine Geschichte erzählen kann. Die Bandbreite ist gross: Eine Firma macht «advanced manufacturing» mit 3-D-Druckern, was wirklich nach handfester Produktion aussieht. Andere bauen digitale Wetterdrohnen oder entwickeln eine Art Dating-Plattform, wo sich Reisende mit Reiseführern individuell finden und Reisen planen können.

Bislang nur ein Darlehen verloren

Der Spirit ist überall spür- und sichtbar. Frischknecht erklärt den Erfolg so quasi im Vorübergehen und mit Fakten: Neben 800 Erstberatungen wurden 90 Förderprojekte mit 890000 Franken unterstützt und für 12 Projekte 3,2 Millionen Franken an Darlehen gesprochen. Nur ein Darlehen ist bis dato ausgefallen, ein zweites wackelt, wie Frischknecht sagt. Auf den vom Startfeld ausgerichteten Investoren­tagen wurden seit 2010 direkt und indirekt immerhin 40 Millionen Franken von privaten Investoren in die jungen Unternehmen gesteckt. Allein 2017 waren das 12,5 Millionen Franken. Das grösste Engagement belief sich 2017 auf 5 Millionen Franken für eine Firma.

Gerade die durchschnittlich mit 10000 Franken ausgestatteten Fördermassnahmen sind teilweise mehr als das reine Geld wert: Wie führt man denn ein Unternehmen und verkauft seine Idee? Dafür gibt es Coachings und Seminare. Bei diesen Förderungen gibt es beispielsweise auch Wertbons für Anwälte, da man schliesslich irgendwann auch eine Idee in eine Rechtsform giessen muss.

Die Mitarbeiter des Startfeld-Vereins sind übrigens nur zu siebt. Sie sind so etwas wie eine Hauswartfamilie, die den Familien anderer hilft. Das Startfeld ist eine Art Hilfe zur Selbsthilfe für Start-ups. Das Haus ist ziemlich international, und gerade «ausländische Spezialisten kämen sehr gerne nach St. Gallen», erklärt Frischknecht. Es sieht so aus, als gelänge es, nicht nur die Ideen und Unternehmer in der Region zu halten, sondern auch noch Arbeitskräfte anzuziehen. Und das trotz der nahe gelegenen Konkurrenz in Zürich, Zug sowie bei Google & Co.

Manche etablierte Unternehmen sind schon aus dem Hause Startfeld ausgezogen, so wie Familien, die grösser geworden sind und mehr Platz brauchen. Ziel ist es natürlich, dass die Gründer nicht nur hier starten, sondern nach Möglichkeit auch in der Region bleiben. Es braucht mithin auch Landefelder.

Räumlichkeiten werden vergrössert

Aktuell ist es nämlich sehr eng im Startfeld, weil vor allem Advertima sich ausdehnt. Selbst die Coworking-Plätze auf der Piazza besetzt die «Familie Advertima», aber demnächst ziehen 25 Mitarbeitende in einen Erweiterungsbau. Sie landen übrigens in den Räumen der alten Tagblatt-Druckerei. Von derzeit 3000 stockt das Startfeld auf 4500 Quadratmeter auf.

Der zu zahlende Quadratmeterpreis beinhaltet für die Jungunternehmer übrigens alles, vor allem das wichtige Internet. Auch der Kaffee ist frei, damit man sich am Automaten vernetzen kann. Spirit und Kaffee sind also umsonst, aber im Grunde im Netzwerk «Startfeld» unbezahlbar. Vielleicht sollte man die Cafeteria in Kaffeefeld umtaufen?

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