Jubel aus dem Reich der Mitte

Als die Fachhochschule St. Gallen (FHS) gestern mit dem «Young Leader Award» Praxisprojekte der Betriebswirtschaft- Studenten auszeichnete, drehte sich fast alles um China. So war es auch bei einem der Siegerprojekte.

Kaspar Enz
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Daniel Ritter, Melanie Geldhauser und per Bildschirm ihre chinesischen Teamkollegen hatten allen Grund zur Freude. (Bild: Coralie Wenger)

Daniel Ritter, Melanie Geldhauser und per Bildschirm ihre chinesischen Teamkollegen hatten allen Grund zur Freude. (Bild: Coralie Wenger)

ST. GALLEN. Beim ersten Mal hatte sie nicht geklappt, die Verbindung nach China. Auf dem Bildschirm konnten die Gäste zwar Dong Dai, Su Jing und Xu Menqgi, Studierende der Tongji-Universität in Shanghai, sehen. Wie sie ihren ersten Preis des «Young Leader Award» in der Kategorie Managementkonzept aber lautstark bejubelten, war erst beim zweiten Versuch zu hören.

Gewonnen haben aber auch Daniel Ritter, Melanie Geldhauser und Sabrina Heller. Die FHS-Studierenden hatten mit den Studierenden der chinesischen Partneruniversität ein Praxisprojekt durchgeführt: Für das chinesische Werk des Textilmaschinenherstellers Rieter adaptierten sie die Lehrlingsausbildung für China. «Wir haben in China ausgebaut und suchten deshalb nach einem Modell für die Ausbildung der Mitarbeiter», sagt Marco Beutler von Rieter. Anfang des Monats habe die Umsetzung begonnen.

Aus 60 solcher Projekte von Studierendenteams der FHS nominierte die Jury jeweils drei für die beiden Kategorien. In der Kategorie Managementkonzept ging auch der dritte Preis an ein Projekt mit der chinesischen Partneruniversität: Ostschweizer und chinesische Studierende arbeiteten an der Verbesserung des Kundendienstes von Bühler in China. Der zweite Preis ging an ein Team, das für die SN Energie ein System zur Steuerung von Energiebeteiligungen entwickelte.

Oft klappt es nicht

Klappt die Verbindung nach China nicht, ist nicht immer die Technik schuld, das machte in seinem Referat der China-Experte Daniel Tschudy klar. «Ein Grossteil der Initiativen für Geschäfte in China scheitern», sagte er. Ein ganz wichtiger Grund dafür seien Missverständnisse, die zwischen den Kulturen auftreten. Wer mit China geschäften will, müsse Geduld haben und viel Zeit aufwenden, um Beziehungen aufzubauen. Aber selbst dann sei ein Erfolg nicht garantiert. «In China wartet niemand auf die Schweizer», warnte Tschudy. Vielleicht ist es ja umgekehrt. «Wir müssen über Europa hinausschauen», sagte Regierungsrat Benedikt Würth zur Begrüssung. «China wird bald die grösste Volkswirtschaft der Welt.»

Freunde geworden

Einfach sei sie tatsächlich nicht immer gewesen, die Zusammenarbeit mit den chinesischen Studierenden, sagt Melanie Geldhauser. «Sie sind ein anderer Typ Mensch»: Sie seien weniger direkt, das Lachen heisst nicht immer, was wir annehmen. «Aber wir wurden am Ende ein Team, wir sind richtige Freunde geworden.» Das gewonnene Preisgeld von 6000 Franken werde natürlich redlich mit den chinesischen Teammitgliedern geteilt.