Jörg Haiders Skandalbanker sitzt in Haft

In der Affäre um die österreichische Skandalbank Hypo Alpe Adria greift die Justiz jetzt durch. Der frühere Bankchef Wolfgang Kulterer ist festgenommen worden.

Drucken
Teilen

Wien. Entsetzen bei Wolfgang Kulterer: Der frühere Hypo-Chef wollte gestern gerade ins Ausland verreisen, da klickten vor seiner Wohnung in Klagenfurt die Handschellen. Die Festnahme, von der Staatsanwaltschaft begründet mit Flucht-, Verdunkelungs- und Tatbegehungsgefahr, ist der vorläufige Höhepunkt eines Wirtschafts- und Politkrimis, der die Justiz und Politik in Österreich und Bayern, dessen Landesbank (LB) die Hypo im Jahr 2007 mehrheitlich gekauft hatte, seit Jahren beschäftigt.

Kulterer hatte die ehemalige Provinzbank mit kaum 2 Mrd. € Bilanzsumme nach seinem Einstieg 1992 zu einem überregionalen Spieler mit Töchtern auf dem Balkan und einer Filiale in Liechtenstein aufgebläht. Zugleich hatte er die Hypo zu einem Goldesel für den verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider gemästet: Im Gegenzug für Milliardenhaftungen des Landes für Kulterers riskante Geschäfte finanzierte die Hypo Haider'sche Prestigeobjekte, deren wirtschaftlicher Sinn oft zumindest zweifelhaft war.

Doch 2004 verspekulierte sich Kulterer, brockte der Hypo mit Swap-Geschäften 450 Mio. € Verlust ein und wollte diesen über zehn Jahre verteilt in künftigen Bilanzen klein schreiben. Die Sache flog auf; Ende 2008 wurde Kulterer wegen Bilanzfälschung zu 140 000 € Strafe verurteilt.

Doch jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Kulterer und weitere Ex-Manager wegen des Verdachts der Untreue. In vielen Anzeigen der Behörden geht es vor allem um Immobiliengeschäfte in Südosteuropa.

Die Verdächtigen sollen dabei Millionen zulasten der Bank kassiert haben. In München verfolgt man die Ermittlungen mit Interesse. Denn es geht auch darum, ob die Bayern beim Hypo-Deal reingelegt wurden – oder ob der damalige LB-Chef Werner Schmidt gar wissentlich zu viel gezahlt hat. (M.M.)

Aktuelle Nachrichten