«Jobs, Jobs, Jobs»

Bildung, Arbeit und Gesundheit: Das sind für Nigerias Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala die Schlüssel zur Entwicklung ihres Landes – in dem auch Korruption und Terror herrschen.

Thomas Griesser Kym
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Spricht über die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Diversifikation der Wirtschaft: Nigerias Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala. (Bild: Urs Bucher)

Spricht über die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Diversifikation der Wirtschaft: Nigerias Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala. (Bild: Urs Bucher)

ST. GALLEN. Nigeria hat mittlerweile Südafrika als grösste Volkswirtschaft Afrikas überholt, weist mit 170 Millionen Einwohnern ein riesiges Potenzial an Konsumenten auf und sitzt auf den zehntgrössten Erdölreserven der Welt. Dennoch leben nach wie vor viele Menschen in Armut, im Nordosten des Landes wütet die Terrormiliz Boko Haram, und im Index von Transparency International, der die Korruption misst, belegt Nigeria unter 178 Ländern lediglich Rang 134.

Korruption im Ölgeschäft

Im Gespräch mit CNN-Moderator John Defterios am St. Gallen Symposium redete die nigerianische Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala die Probleme ihres Landes gar nicht erst klein. Sie verwies aber auf Fortschritte im Bestreben, Nigeria auf den rechten Weg zu führen. So habe die Schaffung eines Geldtransfersystems dazu geführt, dass zwischen den einzelnen Behörden kein Bargeld mehr verschoben werden muss. Das habe den Salärzahlungen an 50 000 «ghost workers» – Angestellte, die nur auf dem Papier existieren – den Garaus gemacht. Der Korruption in der Ölindustrie – erst kürzlich flog ein Skandal um die staatliche Erdölgesellschaft mit veruntreuten Öleinnahmen in Milliardenhöhe auf – glaubt Okonjo-Iweala unter anderem mit Privatisierungen Herr werden zu können. Privatisierungen sollen zudem helfen, die unzuverlässige Energieversorgung im Land zu verbessern. Momentan etwa ist Gas knapp, was die Ministerin auf fehlende Pipelines zurückführt. Für den Auf- und Ausbau der Infrastruktur «brauchen wir private Investoren», sagte sie.

Ein weiteres Problem Nigerias ist die Säuglings- und Kindersterblichkeit, die zwar zwischen 1990 und 2008 halbiert wurde. Aber laut Weltbank erlebt noch immer jedes zehnte Kind seinen fünften Geburtstag nicht, und im Jahr sterben geschätzte 36 000 Frauen oder 5% während der Schwangerschaft oder Geburt.

Ölpreiszerfall «als Chance»

Um Gegensteuer zu geben, lancierte Nigeria 2012 zusammen mit der Weltbank ein Programm zur Verbesserung der Gesundheitsleistungen für Mütter und Babies. Ein zentraler Pfeiler sind Anreize, dass die Frauen die Leistungen auch beanspruchen. So erhalten Schwangere und Mütter Bargeld, wenn sie sich in einem Gesundheitszentrum registrieren, checken lassen, ihr Baby impfen. Ein weiterer Vorteil: «Frauen sind die besseren Verwalter von Ressourcen», sagte Okonjo-Iweala, einst Managing Director bei der Weltbank.

Ein Schlagwort zog sich wie ein roter Faden durch ihre Statements: «Jobs, Jobs, Jobs.» Die Schaffung von Arbeitsplätzen – in der Landwirtschaft, der Industrie, im Hausbau usw. – sei das beste Mittel, um der Armut zu entfliehen. Und es sei eine Waffe «im Kampf gegen Boko Haram und deren Ideologie, wonach westliche Bildung verboten» sei.

Unvorteilhaft ist für Nigeria, das stark vom Ölexport abhängt, auch der Zerfall der Rohölpreise. Okonjo-Iweala kontert: «Aufstrebende Länder sollten den Rückgang der Preise für Öl und andere Rohstoffe als Chance begreifen, um die Wirtschaft zu diversifizieren.» Investitionen von Konzernen wie Nissan, Toyota, General Electric oder Unilever in Nigeria sieht sie als einen Anfang. Zudem arbeite man an einem Steuersystem, das transparenter sei und Reichtum stärker besteuere. Ersteres soll die Steuermoral stärken, letzteres soll die Umverteilung zwecks Verminderung der Ungleichheit erhöhen.

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