Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

"Jetzt muss das Geschäft laufen"

In der regionalen Wirtschaft überwiege die Zuversicht, stellt Thomas Zellweger fest. Der Präsident und die Jury des Prix SVC Ostschweiz sind auch dieses Mal auf einige Firmenperlen gestossen.
Thomas Griesser Kym
«Die Grundidee ist eine Leistungsschau», sagt Thomas Zellweger. (Bild: Benjamin Manser)

«Die Grundidee ist eine Leistungsschau», sagt Thomas Zellweger. (Bild: Benjamin Manser)

Interview: Thomas Griesser Kym

Thomas Zellweger, wie beurteilen Sie die Stimmung in den Ostschweizer Firmen?

Es dominiert optimistische Vorsicht. Optimismus, weil das Gefühl vorherrscht, dass man die Probleme kennt und sie angegangen ist, beispielsweise Effizienzsteigerungen oder Verlagerungen. Vorsicht als typische Haltung der Unternehmer, weil sie wissen: Die nächste Herausforderung kommt bestimmt.

Was überwiegt?

Die Zuversicht. Die Zinsen sind tief, der Wechselkurs hat sich beruhigt, und international zeichnen sich weder in der Politik noch auf den Märkten Dramen ab. Die Unternehmer sagen sich: Jetzt muss das Geschäft laufen, wir müssen gut verdienen, damit wir auch investieren können.

Welche Branchen sind besonders gefordert?

Einige. Nur zwei Beispiele: Der Detailhandel steht unter dem Einfluss des Einkaufstourismus und des Onlineshoppings. Hier muss sich jeder Detaillist betreffend seine Zukunft fragen: Wollen wir ein Onlinehändler mit ein paar Läden sein oder wollen wir Läden führen und ein bisschen etwas online verkaufen? Zweites Beispiel: Die Metallverarbeiter: Bei ihnen geht es um Fragen der Automatisierung, wie man genügend Fachkräfte findet und was man wohin verlagern will.

Der Frankenschock sei überwunden, die Margen seien aber noch unbefriedigend, hört man oft. Ihr Eindruck?

Das ist je nach Branche unterschiedlich. Detailhandel und verarbeitende Industrie haben Kosten reduziert und sind effizienter geworden, um wettbewerbsfähiger zu werden. Nur haben das alle getan. Die Folge: Das Preisniveau sinkt, und der Kreislauf geht weiter. Der Frankenschock hat hier als Katalysator gewirkt. Im internationalen Wettbewerb ist es ein Dauerthema, Kosten zu senken, die Effizienz zu steigern und Innovationen zu forcieren.

Welche besondere Stärke attestieren Sie dem Wirtschaftsstandort Ostschweiz?

In der Informationstechnologie haben wir eine grosse Chance. Hier haben wir bereits einen Cluster mit ein paar tausend Arbeitsplätzen, und hier müssen wir weitere Akzente setzen. Ich hoffe wirklich, dass wir das packen und den Trumpf nicht aus der Hand geben. Zentral sind dabei auch gute Rahmenbedingungen punkto Ausbildung, Steuern oder Raumpolitik.

Welche Schwächen sehen Sie?

Wir haben immer noch einen Bodensatz an Firmen, die nicht recht vorwärtskommen. Hier gibt es eine schleichende Bereinigung; Strukturerhaltung hilft uns nicht weiter. Ich denke etwa an Teile der Textilindustrie oder an Metallverarbeiter, die den Sprung über die Grenze nicht ­geschafft haben.

Was zeichnet jene Topfirmen aus, die Sie im Rahmen der Nomination für den Prix SVC Ostschweiz besuchen?

Es sind Hidden Champions – mit Leuten, die tagtäglich über sich hinauswachsen, mit Produkten von Weltrang, mit Wachstumspotenzial. Sie verdienen gutes Geld, schaffen Arbeitsplätze, investieren in die Ausbildung, zahlen Steuern. Das ist ebenso fas­zinierend wie die Tatsache, dass wir jedes Mal wieder neue solche Firmen finden. Und doch ginge es der Ostschweiz besser, wenn es noch mehr davon gäbe.

Der Prix SVC Ostschweiz wird zweijährlich verliehen, nun bereits zum achten Mal. Bleibt das Konzept, wie es ist?

Ja. Die Grundidee ist eine Leistungsschau: Wir wollen Unternehmer und Unternehmen auszeichnen, die etwas Beson­deres machen. Das Niveau war noch nie so hoch wie diesmal. Alle Nominierten sind extrem erfolgreich und beeindruckend.

Die bisherigen Preisträger waren mehrheitlich Indus­triefirmen. Was ist los mit Bau, Gewerbe und Dienstleistern?

Zu unseren Kriterien zählen ne­ben dem regionalen Bezug Innovation, Schaffung von Arbeitsplätzen, internationale Ausstrahlung und Zukunftsfähigkeit. In einigen dieser Punkte haben zum Beispiel Gewerbler Nachteile. Aber 2018 sind unter den sechs Finalisten auch eine Holzbau­firma und zwei Dienstleister.

Bündner oder Glarner Firmen haben noch nie gewonnen und sind auch nicht jedes Mal nominiert. Warum?

Diese beiden Kantone sind etwas strukturschwächer. Gerade im Bündnerland ist der Tourismus extrem stark. Aber just in dieser Branche ist es schwieriger, das übergeordnete Kriterium der Einzigartigkeit zu erfüllen.

Auch Firmen aus dem Appenzellerland oder gar aus dem Thurgau haben schon gefehlt.

Wir veranstalten eben eine Leistungsschau und keinen nach regionaler oder kantonaler Verteilung gegliederten Wettbewerb. Fairerweise muss man auch sagen, dass schon zweimal Thurgauer Firmen gewonnen haben. Wir achten aber in der ersten Übersicht möglicher Teilnehmer immer darauf, unsere Fühler in alle Regionen auszustrecken. Bei genauerer Betrachtung reicht das halt nicht immer für die nächste Runde oder gar den Final.

Unternehmerpreise gibt es zuhauf. Wodurch hebt sich der Prix SVC Ostschweiz ab?

Erstens haben wir uns nach sieben Austragungen eine Glaubwürdigkeit erworben, wirklich Firmen auszuzeichnen, die Besonderes leisten. Zweitens ehren andere Preise andere Firmen, etwa Start-ups oder Gewerbebetriebe. Drittens: Unsere Jury besucht die Firmen persönlich, erstellt die Dossiers selber, debattiert die Nominationen. Viertens: Für unseren Preis kann man sich nicht anmelden, sondern wir wählen die Firmen aus. Das macht das Auswahlverfahren objektiver.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.