Viele Jobs am Bodensee. Aber jeder dritte Arbeitslose ist über 50

In der Bodenseeregion ist die Arbeitslosenquote in den letzten Jahren gesunken. Die Zahl der Grenzgänger hat zugenommen.

Stefan Borkert
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Grenzgänger pendeln am Grenzübergang Au nur von Vorarlberg in die Schweiz.

Grenzgänger pendeln am Grenzübergang Au nur von Vorarlberg in die Schweiz.

Bild: Benjamin Manser

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt in der Bodenseeregion zeigt, dass die Arbeitslosigkeit teils deutlich unter den Quoten der jeweiligen Länder liegt. Insgesamt waren letzten Dezember 59466 Personen bei den Arbeitsmarktbehörden in der Bodenseeregion als arbeitslos registriert. Lutz Benson, Geschäftsführer der Statistikplattform Bodensee erklärt, dass sich in den vergangenen fünf Jahren zunächst bis Ende 2016 eine leicht steigende und dann ab 2017 eine sinkende Tendenz bei den Arbeitslosenzahlen gezeigt habe. Insgesamt aber hätten sich diese gegenüber Dezember 2014 um immerhin 18,8 Prozent vermindert. Laut Erhebung liegt der Anteil der Frauen aktuell bei 43,1 Prozent, der Anteil der Ausländerinnen und Ausländer liegt bei 41,2 Prozent. 31,1 Prozent aller registrierten Arbeitslosen in der Bodenseeregion sind 50 Jahre oder älter.

Benson schreibt in der Mitteilung, dass aber ein direkter Vergleich der Arbeitslosenquoten in den Bodenseeregionen aufgrund der unterschiedlichen Erhebungs- und Rechtsgrundlagen nicht besonders aussagekräftig sei. Innerhalb der jeweiligen Teilregionen zeige sich ­jedoch, dass die Arbeitslosenquoten am Bodensee zum Teil deutlich niedriger seien als die nationalen Referenzwerte. So liegen in der deutschen und österreichischen Bodenseeregion die Arbeitslosenquoten um 2,2 respektive 3 Prozentpunkte tiefer als in ganz Deutschland beziehungsweise ganz Österreich. In der Schweizer Bodensee-Teilregion liege die Arbeitslosenquote mit 2,2 Prozent ebenfalls leicht unter dem gesamtsch­weizerischen Niveau. In Liechtenstein beträgt demnach die aktuelle Arbeitslosenquote nur 1,4 Prozent.

Im Verlauf der letzten 24 Monate hat sich, laut der Bodensee-Statistik, das Angebot der bei den nationalen Arbeitsmarktbehörden gemeldeten offenen Stellen in den Teilregionen uneinheitlich entwickelt. Im deutschen Teil sank es um 13,1 und im österreichischen Teil um 1,3 Prozent. Traditionell finde in der Bodenseeregion seit jeher ein reger Austausch von Arbeitskräften statt, so Benson weiter. Es gebe keine sprachlichen Barrieren und aufgrund der EU-Personenfreizügigkeit und der bilateralen Verträge auch keine wesentlichen Beschränkungen in der Arbeitsmigration zwischen den verschiedenen Anrainerstaaten.

Nur 600 pendeln von der Schweiz nach Deutschland

Entsprechend pendeln zahl­reiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tagtäglich über die nationalen Grenzen zwischen Deutschland, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein. So ziehen die Schweizer Kan­tone der Bodenseeregion rund 20200 Grenzgänger aus Deutschland an. Umgekehrt kommen nur knapp 600 Personen aus der Schweiz in die deutsche Bodenseeregion zum Arbeiten.

Aus Österreich pendeln etwa 7500 Personen in die Schweizer Kantone am Bodensee, während andererseits praktisch keine Arbeitspendler aus der Schweiz nach Vorarlberg kommen. Auch Liechtenstein ist ein begehrter Arbeitsort. Benson schreibt, dass vor allem aus der Schweiz und aus Österreich und in deutlich geringerem Umfang auch aus Deutschland täglich etwa 22000 Personen über die Grenze zur Arbeit kommen. Das sei mehr als die Hälfte aller in Liechtenstein erwerbstätigen Personen.Der Anteil der Grenzgänger aus den vier Bodensee-Anrainerstaaten an allen Erwerbstätigen in der Bodenseeregion stieg demnach zwischen 2010 und 2018 von 2,1 auf 2,4 Prozent.

Leicht weniger Stellen offen

Im vierten Quartal 2019 verharrte die Zahl der Stellenausschreibungen in der Ostschweiz auf dem Niveau des Vorjahres. Im Quartalsvergleich nahm die Zahl um vier Prozent leicht ab. Damit bewegt sich die Ostschweiz im schweizerischen  Durchschnitt. Dies zeigt der Adecco Group Swiss Job Market Index des Stellenmarkt-Monitors der Universität Zürich.
Ein Wachstum der ausgeschriebenen Stellen sei gesamtschweizerisch noch im Gesundheitswesen und in den Bauberufen erkennbar. Auch der Ostschweizer Stellenmarkt pendelt sich auf hohem Niveau ein. Wie im dritten Quartal beobachtete Adecco auch in den letzten Monaten des vergangenen Jahres eine Abnahme der Nachfrage für die Berufe der Technik und Informatik. Dort gibt es zehn Prozent weniger offene Stellen als im Vorjahr. Diesem Rückgang ging aber ein mehrjähriges Wachstum voraus.
Hingegen nahmen die ausgeschriebenen Stellen in persönlichen und sozialen Dienstleistungen in der Ostschweiz im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent zu. Im Jahresvergleich kaum verändert hat sich die Zahl der Jobinserate für Berufe aus Industrie und Bau. Sie verzeichnen eine Zunahme von 5 Prozent. Im Quartalsvergleich nehmen die Ausschreibungen für Industrie- und Bauberufe um vier Prozent ab. (ken)