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Jede Fliege zählt - Das EcoOst St.Gallen Symposium debattiert über Nachhaltigkeit

Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit würden bei Mitarbeitern und Kunden immer wichtiger: Die Referenten beim ersten EcoOst St.Gallen Symposium haben am Montagabend viel Optimismus verbreitet.
Jürg Ackermann
Was ist in der Wirtschaft wichtig? Insektenretter und Unternehmer Hans-Dietrich Reckhaus (rechts), HSG-Professorin Susan Müller und Moderator Arthur Honegger. (Bild: Urs Bucher)

Was ist in der Wirtschaft wichtig? Insektenretter und Unternehmer Hans-Dietrich Reckhaus (rechts), HSG-Professorin Susan Müller und Moderator Arthur Honegger. (Bild: Urs Bucher)

Wie kann das kurzfristige Profitdenken überwunden werden? Wie investiert man Kapital, damit sich daraus Sinn erzeugen lässt? Ist Nachhaltigkeit nur leeres Marketing-Geschwätz oder stecken hehre Absichten dahinter? Bei Hans-Dietrich Reckhaus ist mit einiger Sicherheit Letzteres der Fall. Wenn ein Unternehmer den Tatbeweis eines ökologischen Turnarounds erbracht hat, dann er. Jahrelang machte der in Teufen wohnhafte Deutsche Unternehmer grosse Umsätze mit Insektenschutzmittel, ehe er sich vor ein paar Jahren zum Insektenretter wandelte.

Für Reckhaus zählt mittlerweile das Leben jeder Fliege. Auf seinen Produkten warnt er vor den ökologischen Folgen, wenn Insekten getötet werden, weil «viele von ihnen als Bestäuber von Pflanzen einen zentralen Beitrag für die Ernährung der Welt leisten». Und wenn sie mit seinen Sprays und Fallen eben doch sterben, schafft Reckhaus mit dem erwirtschafteten Geld insektenfreundliche Ausgleichsflächen. Trotz anfänglicher Skepsis seiner Mitarbeiter wächst das Unternehmen gegenüber den sinkenden Marktanteilen der Konkurrenz überdurchschnittlich.

«Kunden honorieren Nachhaltigkeit. Auch im eigenen Unternehmen. Wir trinken nur noch Fairtrade-Kaffee. Jeder kann so viele positive Beiträge leisten.»

Das erklärte Reckhaus an der von SRF-Moderator Arthur Honegger geleiteten Podiumsdiskussion.

Offenbar rennt Reckhaus als Gründer von Insect Respect viele offene Türen ein. In Zeiten von Klimastreik und Demos gegen die Erderwärmung scheint die Nachhaltigkeit immer mehr auch im Inneren von Unternehmen anzukommen. Auch bei Grossfirmen. So will Ikea bis 2030 nur noch Möbel verkaufen, die recycelt werden können. Und beim Software-Giganten SAP sollen bald ein Prozent der Mitarbeiter Autisten sein, die oft über überdurchschnittliche Programmier-Fähigkeiten verfügen. Für Susan Müller, HSG-Assistenzprofessorin für Unternehmertum, eine logische Entwicklung. «Wir haben immer mehr Hochschulabgänger, die Jobangebote ablehnen, weil die Unternehmen nicht mit ihren Werten übereinstimmen.» Sinnhaftigkeit werde immer wichtiger. Viele Firmen seien alleine schon darum gezwungen, etwas in Richtung Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung zu unternehmen.

Pingpongtisch ist wichtiger als mehr Lohn

Lohn und Geld stünden bei seinen Mitarbeitern nicht an erster Stelle, meinte auch Roger Dudler, Gründer des St. Galler Software-Unternehmens Frontify. Vielmehr wollten sie sich einbringen, etwas bewegen, mithelfen Pro­bleme zu lösen. Da kann ein Pingpongtisch und eine offene Atmosphäre im Unternehmen wichtiger sein als ein paar Hundert Franken mehr Lohn im Monat. Authentisch zu sein, sei auch in der Beziehung zum Kunden zentral, sagte Dudler.

Die am Montag auf dem Podium diskutierten Werte wurden in der Öffentlichkeit nicht immer mit dem St.Gallen Symposium in Verbindung gebracht. Die Veranstaltung sei elitär, weil die Manager, Wissenschafter und Politiker aus aller Welt auf dem St.Galler Rosenberg jeweils unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutierten, lautete die Kritik. Das ist seit dem letzten Jahr anders, als die Organisatoren die Erkenntnisse des Symposiums erstmals auch in einer nachgelagerten ­Veranstaltung der Öffentlichkeit präsentierten. Nun gab es eine Zusammenarbeit mit den Ostschweizer Industrie- und Handelskammern, die ihre Veranstaltungsreihe EcoOst ans Symposium koppelten. Das Ergebnis: Ein spannender Einblick in Unternehmen mit vielen positiven Botschaften. Nicht wenige Zuhörer dürften mit dem Gefühl nach Hause gegangen sein: Vielleicht steht es um unseren Planeten ja doch nicht so schlecht.

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