Japan scheint zu erstarken

Einiges spricht dafür, dass Japan die wirtschaftliche Wende gepackt haben könnte. Die Mehrwertsteuererhöhung scheint die Deflation gestoppt zu haben.

Angela Köhler
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TOKIO. Nach 15 Jahren mehr oder weniger permanenter Deflation haben im März die Preise gegenüber dem Vorjahresmonat angezogen. Das teilte die japanische Regierung mit. Ohne die saisonal ohnehin schwankenden Kosten für frische Lebensmittel betrug die Teuerung 1,3%. Falls diese Entwicklung keine zufällige Eintagsfliege bleibt, könnte Japans Ökonomie die Bürde des Preisverfalls auf breiter Front von den Schultern geworfen haben.

Abe bricht mit politischem Tabu

Und das wohlgemerkt, bevor per 1. April die Mehrwertsteuer von 5% auf 8% angehoben wurde, was erst in den nächsten Wochen und Monaten wirksam wird. Für den Grossraum Tokio mit seinen 45 Millionen Bewohnern gibt es bereits erste Schätzungen, dass im April die Inflation auf 2,7% steigt. Später soll sich das nach dem Willen der Notenbank auf 2% einpendeln.

Kurz nach Amtsantritt hatte der wirtschaftsliberale Premier Shinzo Abe auch in der eigenen Partei mit Brachialgewalt durchgesetzt, dass die Mehrwertsteuer nach 15 Jahren erstmals wieder erhöht wird. Die alles entscheidende Frage für die nähere Zukunft ist nun, wie sich nach diesem Schritt, den die meisten Japaner als radikal empfinden, die Wirtschaft wirklich entwickelt.

Japaner fassen Zuversicht

Die erste Reaktion der Konsumenten war logisch. Der Kauf teurer Gebrauchsgüter wie Elektronik oder Autos zog vor der Mehrwertsteuererhöhung an; auch deswegen erklomm Toyota wieder die Weltspitze. Normalerweise folgt auf einen solchen künstlichen Kaufrausch aber ein Konjunktureinbruch.

Eine Ernüchterung dürfte in den folgenden zwei Quartalen kommen. Niemand kann jedoch genau vorhersagen, wie tief der Abschwung die Leistungskraft der Ökonomie nach unten ziehen wird. Aber die positiven Aspekte der neuen Wirtschaftspolitik von Abe dürften vielleicht schneller als erwartet die Delle wieder ausbügeln und eine robuste Erholung der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt bewirken. Die Arbeitslosenquote ist im Februar auf 3,6% gefallen – der tiefste Stand seit 2007. Auch die Löhne ziehen deutlich an, erfolgreiche Firmen zahlen üppige Boni. Optimismus greift Platz.

Laut Statistik geht es den meisten Japanern zwar derzeit noch nicht wesentlich besser als vor dem Wechsel des Premiers, aber sie glauben daran. Das führt zu einem Ansturm auf Reisebüros und Hotels, und der Bauindustrie fehlen Arbeitskräfte.

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