Japan: Kleine Schritte, grosse Wirkung

Über die japanische Geldpolitik wird wieder viel geschrieben.

Mikio Kumada LGT Capital Partners
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Über die japanische Geldpolitik wird wieder viel geschrieben. Im Anschluss an die Börsenpanik vom Januar hat die US-Notenbank die Zinserhöhungen aufgeschoben, China die Kreditschleusen wieder weit geöffnet, und die Notenbanken der Eurozone und Schwedens reagierten mit noch tieferen Negativzinsen und Ausweitungen ihrer Anleihenkäufe. Die Bank of Japan (BOJ) hat sich hingegen trotz weiterhin überdurchschnittlich volatiler heimischer Aktien und anhaltender Yen-Stärke mit einer weitgehend symbolischen Einführung eines leicht negativen Zinssatzes begnügt.

Wer zuletzt lacht…

Viele Analysten sehen in der Haltung der BOJ entweder einen Fehler oder den Beweis wachsender geldpolitischer Ohnmacht oder beides. Doch allen Unkenrufen zum Trotz hat die BOJ Erhebliches erreicht und könnte am Ende als lachender Dritter dastehen. Zumindest aber hat sie den Boden bereitet für wirksamere Konjunkturmassnahmen in der Zukunft.

Staatshaushalt entlastet

Erstens war die Verschiebung der Zinskurve nach unten in Japan seit Anfang Jahr ähnlich stark wie in der Eurozone und Schweden und grösser als in der Schweiz – was beachtlich ist. Die BOJ verrechnet immerhin nur –0,1% auf weniger als 5% der Überschussreserven der Banken, während in den genannten europäischen Volkswirtschaften Strafzinsen von –0,4% (Eurozone) bis –0,75% (Schweiz) auf den Grossteil der bei den Notenbanken geparkten Überschussreserven gelten.

Zweitens hat die BOJ damit drei Viertel der ausstehenden eigenen Staatsanleihen in den negativen Zinsbereich gedrückt – deutlich mehr als in allen anderen Ländern mit vergleichbarer Zinspolitik. Damit entlasten derzeit Staatsschulden im Umfang von 174% des Bruttoinlandprodukts (BIP) den japanischen Haushalt, was die konjunkturpolitische Flexibilität entsprechend erhöht. Am nächstgrössten war dieser Negativzinseffekt in Belgien (58% des BIP) und Frankreich (54%). Für die Schweiz sind es 12,5%.

Die Frage nach der Munition

Wie stark wäre der Effekt, wenn die BOJ ähnlich grosse Schritte setzte wie die europäischen Notenbanken? Die Behauptung, dass der BOJ die Munition ausgeht, überzeugt in diesem Zusammenhang jedenfalls nicht. Schliesslich ist es der BOJ gelungen, in Zeiten erhöhter globaler Konjunkturrisiken mit einem vergleichsweise kleinen Schritt die eigenen Bedingungen der Staatsfinanzierung sehr stark zu verändern.

Kindergärten und High Speed

Letzteres ist besonders relevant, da Japan in der G7, der Gruppe der sieben wichtigsten Industriestaaten, zu jenen Ländern zählt, die sich am stärksten für eine expansive Konjunkturpolitik aussprechen. So gibt es Spekulationen, dass eine für 2016 geplante Erhöhung der Konsumsteuer erneut verschoben werden soll. Es ist zudem von Konjunkturmassnahmen die Rede, die neben dem Wiederaufbau erdbebengeschädigter Regionen über zinsfreie Hypotheken bis zum Bau von Kindergärten und neuer Hochgeschwindigkeits-Magnetschwebebahnen reichen.