Japan forciert Wasserstoff als Energiequelle

TOKIO. Toyota-Manager Bob Carter wählte grosse Worte: «Heute ist ein Wendepunkt für die Autoindustrie», sagte er Anfang Woche in Las Vegas.

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TOKIO. Toyota-Manager Bob Carter wählte grosse Worte: «Heute ist ein Wendepunkt für die Autoindustrie», sagte er Anfang Woche in Las Vegas. Der weltgrösste Autobauer kündigte an der Technikmesse CES an, seine 5680 Patente rund um seine Brennstoffzellentechnologie fünf Jahre lang der Konkurrenz kostenlos zur Verfügung zu stellen. Ziel sei es, die Industrie zum Umschwenken auf diese Technologie zu überzeugen, sagte Carter.

Toyota äussert sich überzeugt, dass die nächsten 100 Jahre dem Wasserstoffantrieb gehören. Zwei Jahrzehnte lang hat Toyota an dieser Technologie geforscht. Brennstoffzellen generieren aus Wasserstoff und dem Sauerstoff der Umgebungsluft Strom für den Antrieb. Statt giftiger Abgase stossen Brennstoffzellenautos lediglich reinen Wasserdampf aus. Mitte Dezember 2014 brachte Toyota mit dem Mirai das erste kommerzielle Brennstoffzellenauto auf den japanischen Markt. Mitte dieses Jahres soll das neue Ökoauto, das mit einer Wasserstofftankfüllung bis zu 700 km fahren kann, auch in den USA und Europa eingeführt werden. Grösste Hürde ist die mangelnde Infrastruktur. Um den Ausbau des Tankstellennetzes zu forcieren, wird Toyota seine patentierte Ladetechnologie für Brennstoffzellen ohne Befristung öffentlich zugänglich machen.

Technologisch ist Japan längst ein Weltmarktführer bei Brennstoffzellen. 2009 haben japanische Firmen erstmals Brennstoffzellen als Minikraftwerke für den Hausgebrauch kommerzialisiert. Inzwischen decken über 100 000 japanische Privathäuser einen Grossteil ihres Energiebedarfs mit Hilfe von Brennstoffzellen. Und das Athletendorf für Olympia 2020 in Tokio soll als futuristische Wasserstoffstadt konzipiert werden. (SuS)