Japan brennt den besten Whisky

Nicht Schottland oder die USA sind Weltmeister in der Whisky-Herstellung, sondern Japan. Das Kaiserreich kann die enorme Nachfrage nach hochwertigen Spirituosen kaum befriedigen.

Angela Köhler/Tokio
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Schauspieler Bill Murray in der Rolle des Bob Harris, der im Film «Lost in Translation» von 2003 für Suntory-Whisky wirbt. (Bild: PD)

Schauspieler Bill Murray in der Rolle des Bob Harris, der im Film «Lost in Translation» von 2003 für Suntory-Whisky wirbt. (Bild: PD)

Angela Köhler/Tokio

Manchmal kommt es im Leben wie im Film. «Prime-Time is Suntory-Time», lockt US-Schauspieler Bill Murray als überbezahlter Werbeträger im Japan-Kultstreifen «Lost in Translation». Und er behält recht. Japans grösster Whisky-Hersteller Suntory gilt mittlerweile wirklich als Bester der Welt. In der jüngsten «World Whiskey Bible» stehen die japanischen Topmarken erneut unangefochten an der Spitze. Auch in anderen Ranglisten und internationalen Fachmagazinen scheinen Malts und Blends von Sun­tory und anderen Herstellern des Kaiserreichs an der Spitze auf.

Lob und Preise gibt es für Japans Kreationen bereits seit Jahren. 2001 schon wurde der Single Cask Yoichi der Firma Nikkei mit dem World-Whiskey-Preis «Best of the Best» geehrt. Kurz darauf räumte auch Suntory reihenweise Spitzenbewertungen ab. Den Durchbruch aber erzielte der Konzern mit dem Yamazaki Single Malt Sherry Cask 2013, der die schottische Konkurrenz damals deklassierte. Herausgeber Jim Murray, international anerkannter Experte mit hochprozentigem Empfinden (und nicht verwandt mit Bill Murray), beschrieb die japanische Kreation als «dicht, trocken und rund wie eine Billardkugel». Jim Murray, der Branchenexperte par excellence, gab dem Spitzenprodukt 97,5 von 100 möglichen Punkten.

Über 2000 Franken für eine einzige Flasche

Seither ist es überall in der Welt angesagt, Whisky «made in Japan» zu geniessen. Neuerdings ist ein regelrechter Hype um die edlen Spirituosen aus Fernost entbrannt, gibt es Run auf sie. Vergangenes Jahr stiegen die Exporte um 77%. Bei den hochwertigen Sorten, die besonders lange gelagert werden, müssen die Kunden heute auch schier ewig warten und dann tief in die Tasche greifen. Für Yamazaki Sherry Cask 2016 Edition verlangt der Onlinehändler Whiskey World nur 1999.50 € (2150 Fr.) für die 0,7 Liter. Und es gibt nur eine ­Flasche pro Haushalt. Die 2012 ­abgefüllte Version ist gar erst ab 3664.01 € zu haben. Auch die anderen Suntory-Marken Hakusho und Hibiki erreichen Toppreise und Weltruhm.

Der Ort, der dem Whisky-Weltmeister seinen Namen gibt, ist ein eher unscheinbares Dorf in der Mitte zwischen der Millionenstadt Osaka und der ehemaligen Kaiserresidenz Kyoto. Vom Bahnhof Yamazaki zeigen Wegweiser alle 500 Meter, wie man zur Suntory Yamazaki Distillery gelangt. Zwischen 10 und 15 Uhr können Gäste auf geführten Touren die Brennerei kennen lernen und Whisky verkosten, es gibt ein Museum und natürlich auch einen grossen Laden.

Der Generaldirektor und Chef von 50 festangestellten Whisky-Werkern, Takahisa Fujii, beschreibt den weltmeisterlichen Drink als gleichermassen mild und süss mit Aromen von Rosinen, Vanille und Chili-Schokolade. Für das Whisky-Wunder hat der Experte viele Erklärungen. «Wir haben ein mildes, feuchtes Klima mit sehr sanften Wechseln, das für die Herstellung von Whisky fast schon ideal ist.» Wichtig ist vor allem das Wasser der Gegend, das zu den 100 besten Wassern Japans zählt. «Die Quelle kommt aus dem Boden der Bambuswälder der umliegenden Berge, es schmeckt weich und sanft.»

«Künstler, vielleicht mit Dirigenten vergleichbar»

Neben den Fässern, der Lagerung und der Reifung, die Manager Fujii als «immer noch sehr mysteriösen Prozess» bezeichnet, sind es vor allem die Blender (Mischer), die für diese alko­holische Meisterleistung sorgen. ­Fujii hat selbst bis vor vier Jahren als Mischer gearbeitet. «Man braucht 10 bis 15 Jahre Erfahrung, bis man einen guten Job machen kann», sagt der Experte, der im Whisky-Labor Suntorys seine Karriere begann. Unter seiner Leitung arbeiten heute in Yamazaki sechs Blender. «Das sind Künstler, die man vielleicht mit Dirigenten vergleichen kann, sie müssen einen ausgeprägten Sinn für Geschmack und Geruch haben und sehr kreativ sein.»

Ganz am Anfang habe die 1923 eröffnete Brennerei noch versucht, die schottischen Whiskys zu kopieren. «Seit langem aber bauen wir auf unsere Stärken und unseren Geschmack.» Lange für ihre seltsamen Trinksitten belächelt, weil sie Whisky meist mit viel Wasser auf Eisbergen trinken, haben die Japaner auch in dieser Branche die Konkurrenz übertroffen.