Janet Yellen geht erhobenen Haupts

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Abgang Ende Woche endet die Laufbahn von Janet Yellen (71) an der Spitze der US-Notenbank Fed. Gestern hat die erste Frau auf diesem Posten letztmals die geldpolitischen Beratungen des Offenmarktausschusses der Fed geleitet. Dieser beliess den Leitzins wie erwartet unverändert bei 1,25 bis 1,5 Prozent.

US-Präsident Donald Trump hat es bekanntlich bevorzugt, mit der Führung der Fed neu Fed-Gouverneur Jerome «Jay» Powell zu betrauen. Dieser legt seinen Amtseid kommenden Montag ab. Trotz ihres erzwungenen Rücktritts geht Yellen, die im Herbst 2013 die Nachfolge Ben Bernankes angetreten hatte, erhobenen Haupts. Die Zahlen pflichten ihr bei. So sank die Arbeitslosen­quote während ihrer Amtszeit von 6,7 auf 4,1 Prozent. Auch behielt die Fed die Inflation, die dieses Jahr leicht anziehen dürfte, unter Kontrolle und verhinderte, dass der Dollar markant an Gewicht verlor. Damit erfüllte die Fed die beiden Aufträge des Gesetzgebers und sorgte für Vollbeschäftigung und Preisstabilität.

Allein: Für Währungsexperten ist es für eine Schlussbilanz von Yellens Amtszeit noch zu früh. Erst wenn das massive Konjunkturprogramm der Fed vollständig abgewickelt ist, wird sich zeigen, ob die US-Wirtschaft (und die Finanzmärkte) auch ohne Krücken gehen kann. Kritiker meinen, diese Abwicklung gehe viel zu langsam voran. Die Fed hätte den Fuss schon lange vom Gaspedal nehmen müssen, sagt zum Beispiel Harvard-Ökonom Martin Feldstein. Das Risiko einer Blasenbildung an der Börse sei zu lange unterschätzt worden.

Vielleicht liegt Yellens Vermächtnis aber nicht nur in der Währungspolitik, sondern auch in der Kommunikation. Während ihre Vorgänger Bernanke und Alan Greenspan sich bisweilen schwer getan hatten, komplexe währungspolitische Zusammenhänge zu erklären, bemühte sich Yellen stets, die nötigen Signale an die Märkte auszusenden und auf die Erwartungen der Bevölkerung einzugehen. (rrw)

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