Janet Yellen als Kronfavoritin

Der Rückzug des ehemaligen US-Finanzministers Larry Summers von der Bewerbung um das Amt des Notenbankchefs ebnet den Weg für Janet Yellen. Sie wäre die erste Frau an der Spitze der Fed.

Thomas Spang
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Janet Yellen Favoritin für das Amt der Chefin der US-Notenbank (Bild: epa/Franck Robichon)

Janet Yellen Favoritin für das Amt der Chefin der US-Notenbank (Bild: epa/Franck Robichon)

WASHINGTON. Die Wall Street atmet auf. Das Schreckgespenst einer von Summers geführten US-Notenbank (Fed) spukt nicht mehr, seit der umstrittene Kandidat US-Präsident Barack Obama am Sonntag telefonisch absagte. Die Nachricht vom Rückzug des für seine Selbstherrlichkeit gescholtenen Machers liess die Börsen rund um die Welt Freudensprünge vollführen.

Nach dem Verzicht Summers' wird nun allgemein eine Fortsetzung der Geldpolitik Ben Bernankes erwartet, der Ende Jahr geht. Bernanke hat die US-Wirtschaft allen voran mit massiven Ankäufen von Staatsanleihen gestützt. Die Wall Street hatte befürchtet, unter einem Fed-Chef Summers werde die Politik des billigen Geldes abrupt beendet.

Summers' Kandidatur zerzaust

Obama dürfte der Rückzug Summers' ebenfalls erleichtern, obwohl er lange ganz oben auf der Bewerberliste stand. Laut Analysten hätte der Präsident den letzten Rest seines politischen Kapitals beim linken Flügel seiner Partei ausgeben müssen, um den Architekten der Finanzmarkt-Deregulierung der 90er-Jahre durchzusetzen. Und bei den Frauen an der Basis der Demokraten hatte sich Summers mit chauvinistischen Äusserungen unbeliebt gemacht.

Die hitzige Debatte um einen Militärschlag gegen Syrien und eine offene Rebellion führender Demokraten im Bankausschuss des Senats, der den nächsten Fed-Chef bestätigen muss, erzeugten laut Insidern des Weissen Hauses einen Sturm, der Summers' Kandidatur verwehte.

Damit haben sich die Aussichten für ein Aufrücken Janet Yellens vom Stellvertreterposten in den Chefsessel der Fed dramatisch verbessert. Von der Wall Street bis zu den Gewerkschaften erhält sie gute Noten für ihre analytischen Fähigkeiten und ihr Gespür, volkswirtschaftliche Trends abzuschätzen. Yellen lag mit ihren Warnungen vor der Finanzkrise ebenso richtig wie mit der Vorhersage der schleppenden Konjunkturerholung. In der letzten Woche machten sich 350 Wirtschaftsprofessoren in einem offenen Brief an Obama für die 67jährige Janet Yellen stark.

Das Rennen ist noch nicht vorbei

Für Obama wäre Yellens Berufung die Wahl einer Konsenskandidatin. Entschieden ist aber noch nichts. Chancen eingeräumt werden auch den früheren Notenbankern Donald Kohn und Roger Ferguson.