IWF warnt vor Protektionismus

Brexit und bedenkliche Tendenzen in USA und Europa bergen Risiken für die Weltwirtschaft.

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Die Brexit-Entscheidung vom Juni bewertet der Internationale Währungsfonds (IWF) in einem gestern in Washington veröffentlichten Konjunkturausblick als Teil einer globalen Bewegung zu Gunsten wirtschaftlicher Abschottung. Beim Handel «die Uhr zurückzudrehen» würde aber «die derzeitige Flaute der Weltwirtschaft nur verstärken und vertiefen», warnt der IWF. Trotz der Risiken halten die Washingtoner Experten an ihren bisherigen Prognosen für das globale Wachstum fest. Wie bereits in einer vorherigen Schätzung vom Juli sagen sie ein Wachstum der Weltwirtschaft im laufenden Jahr um 3,1% und im kommenden Jahr um 3,4% voraus.

Sechs Jahre nach der Finanzkrise stehe die globale Konjunktur weiterhin auf schwachen Füssen, was sich in hohen Arbeitslosenzahlen, stagnierenden Löhnen und wachsenden wirtschaftlichen Ungleichheiten niederschlage, resümiert der IWF. Daraus wiederum erwachse die zunehmende Popularität protektionistischer Programme, wie sie sich auch im US-Präsidentschaftswahlkampf zeige. Solche Tendenzen könnten aber Unternehmen dazu veranlassen, sich mit Investitionen zurückzuhalten und so die Schaffung neuer Jobs zu begrenzen. Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat angekündigt, sämtliche von den USA abgeschlossenen Handelsabkommen neu verhandeln zu wollen. Die Demokratin Hillary Clinton hat sich gegen das bereits fertig ausgehandelte TPP-Abkommen mit elf Staaten aus dem pazifischen Raum positioniert.

Zum britischen EU-Austrittsvotum vom Juni wiederum stellt IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld fest, die Reaktion der Märkte sei zwar «auf beruhigende Weise in geordneten Bahnen» verlaufen. Doch seien letztlich die ökonomischen Auswirkungen der Brexit-Entscheidung noch «sehr unklar». Zudem könne auch in den übrigen EU-Ländern der Druck auf die Politik wachsen, einen «populistischen, stärker nach innen gerichteten» Kurs einzuschlagen, warnt der IWF. Für die Eurozone korrigierte er seine Prognose gleichwohl leicht nach oben: Für 2016 liegt sie bei 1,7 und für nächstes Jahr bei 1,5%. Im Vergleich mit der Juli-Prognose wurden die Zahl damit um jeweils 0,1 Punkte nach oben geschraubt. Für die Schweiz hatte der IWF die Wachstumsprognose Ende September von 1,3 auf 1,5% erhöht. (afp)