Italienische Steuerflüchtige zittern

Die von Hervé Falciani kopierte Liste mit Kundendaten der Genfer HSBC bringt auch italienische Steuerflüchtige ins Schwitzen. Gegen 700 Personen wird ermittelt – auch gegen Prominente.

Dominik Straub
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Elisabetta Gregoraci (Bild: epa/Frank May)

Elisabetta Gregoraci (Bild: epa/Frank May)

Rom. Seit letztem Frühsommer, als Frankreich die Falciani-Liste an Italien übermittelt hat, schlafen dort Hunderte, wenn nicht Tausende mutmassliche Steuerflüchtige unruhig. Mit Grund, wie sich jetzt zeigt: Die Römer Staatsanwaltschaft hat gegen über 700 Personen, deren Namen oder Unternehmen auf der Liste stehen, ein Verfahren eingeleitet wegen unterlassener oder unvollständiger Steuererklärung.

Modemacher, Juwelier, Showgirl

Die HSBC-Liste enthält 6963 italienische Konten, die sich auf über 6 Mrd. $ summieren. Unter den Kontoinhabern finden sich laut Medien illustre Personen wie die Modeschöpfer Valentino und Sandro Ferrone, der Juwelier Gianni Bulgari oder das Showgirl Elisabetta Gregoraci, die Gattin von Ex-Formel-1-Teamchef Flavio Briatore. Auch ein Konto des längst verstorbenen Filmregisseurs Sergio Leone figuriert offensichtlich auf der Liste. Die meisten Kontoinhaber sind jedoch Kleinunternehmer, Steuerberater, Geschäftsinhaber, Hausfrauen.

Volkssport Nummer eins

Hervé Falciani, ein ehemaliger Informatiker der Genfer Filiale der britischen Grossbank HSBC, hatte sich Ende 2008 aus der Schweiz nach Frankreich abgesetzt und eine zuvor kopierte Liste mit 127 000 HSBC-Kontodaten aus 180 Ländern dem französischen Fiskus übergeben.

Dass auf der «Datenbank der Schande», wie «La Repubblica» die Liste nennt, überproportional viele italienische Namen aufscheinen, erstaunt nicht: Steuerhinterziehung gilt in Italien als Volkssport Nummer eins.

Einladung zur Steuerflucht

Laut Schätzung wird der Staat jedes Jahr um bis zu 200 Mrd. € (250 Mrd. Fr.) geprellt. Zwar hat Finanzminister Tremonti die Kontrollen in den letzten zwei Jahren verschärft, doch gleichzeitig wirken seine verlässlich wiederkehrenden Steueramnestien wie eine Einladung zur Steuerflucht: Beim letzten scudo fiscale von 2009, der im Tessin zu viel Verdruss geführt hatte, mussten die Steuerflüchtigen bloss 5% ihres repatriierten Vermögens an den Staat abgeben. Bei einer ordentlichen Versteuerung wäre der Prozentsatz um ein Mehrfaches höher gelegen.