Italien zahlt immer mehr Zins

Der Berlusconi-Effekt ist verpufft, Italien muss für seine Staatsanleihen immer höhere Risikoaufschläge zahlen. Doch auch der Eurorettungsfonds ist unter Druck.

Ralf Streck
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Eigentlich war erwartet worden, dass ein Rücktritt des italienischen Premiers Berlusconi die Finanzmärkte beruhigt. Doch es kam anders: Die Börsen gingen gestern in die Knie, die Zinsen für zehnjährige italienische Staatsanleihen haben die Marke von 7% genommen und erklommen im Tagesverlauf fast 7,5%. Damit ist die Schwelle überschritten, ab der die Refinanzierung von Staaten als unmöglich gilt.

Zinskurve hat sich umgedreht

Für Italien gilt das besonders, denn das Land wälzt einen Schuldenberg von fast 2000 Mrd. € vor sich her. Das waren schon Ende 2010 fast 120% der jährlichen Wirtschaftsleistung. Irland und Portugal mussten bei Zinsen von 7% trotz einer niedrigeren Staatsverschuldung schon zuvor Nothilfe beantragen. Und nur Griechenland ist im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt (BIP) noch höher verschuldet als Italien.

Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Lage in Italien sich gefährlich der Situation Griechenlands vom Frühling 2010 nähert, ist, dass sich die Zinskurve nun umgedreht hat: Für zweijährige Anleihen müssen höhere Zinsen bezahlt werden als für zehnjährige Staatspapiere.

Banken gehen raus aus Italien

Die Renditen explodieren, weil sich Banken massiv aus Italien zurückziehen. So hat etwa der deutsche Immobilienfinanzierer Aareal Bank sein Engagement in Italien-Anleihen im laufenden 4. Quartal von 1,6 auf 1,2 Mrd. € verringert und dabei auch Verluste in Kauf genommen – um sich gegen weitere Verluste zu wappnen, wie Aareal-Chef Wolf Schumacher sagt. Derzeit lasse sich kaum abschätzen, ob Italien seine Schulden in den Griff bekomme.

Die Lage bleibt fragil. Berlusconi hat nur angekündigt, dass er zurücktreten wolle. Zunächst will er aber die Reformen bewerkstelligen, die er bisher nicht durchsetzen konnte oder nicht wollte. Daher wird vermutet, dass die Ungewissheit noch Wochen anhalten könnte. In Italien wird auch gemutmasst, Berlusconi wolle gar nicht zurücktreten, sondern versuche nur Zeit zu gewinnen.

Italien gefährdet auch Spanien

Doch in Italien geht es um die Zukunft des Euro. Sogar wenn es gelingen sollte, die Mittel des Eurorettungsfonds (EFSF) auf 1000 Mrd. € zu hebeln, so reicht diese Summe für eine Rettung Italiens nicht aus. Zudem zieht das Land auch Spanien nach unten. Die Renditen für zehnjährige spanische Anleihen haben die Marke von 6% wieder überschritten.

Rettungsfonds zahlt hohen Zins

Zudem gefährdet die Zuspitzung die Refinanzierung des EFSF. Im Gezänk um Griechenland ging letzte Woche weitgehend unter, dass der EFSF eine Anleihenauktion verschieben musste. Nun wurde Anfang der Woche die Auktion realisiert und das Problem sichtbar: Nur mit einem Aufschlag von 1,77 Prozentpunkten konnte der EFSF die Anleihen von 3 Mrd. € losschlagen, die zur Finanzierung Irlands dienen. Damit musste der EFSF, der immer noch von allen Ratingagenturen die Bestnote erhält, mit 3,6% fast doppelt so hohe Zinsen bieten wie Deutschland für zehnjährige Bundesanleihen.

Noch dramatischer ist, dass die Anleihen auf geringes Interesse bei den Investoren stiessen. Deren Angebote übertrafen die angepeilten 3 Mrd. € nur knapp. Letzten Januar dagegen, als die ersten EFSF-Anleihen versteigert wurden, übertraf die Nachfrage das Angebot noch um das Neunfache.