Italien belebt Börsen nur kurz

Die Kurserholung wegen des Regierungswechsels in Italien ist bereits wieder verpufft. An Europas Börsen haben die Pessimisten die Oberhand behalten.

Ulrich Glauber
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FRANKFURT. Vom Mario-Monti-Effekt war nach der Regierungsübernahme des früheren EU-Kommissars gestern abend an der Börse nichts mehr zu spüren. Gebannt hatten die Anleger darauf gewartet, wie Italien bei einer Auktion neue Staatsanleihen von 3 Mrd. € auf den Finanzmärkten unterbringt. Ergebnis: Das hochverschuldete Land bekommt noch frisches Geld, musste aber für die Papiere mit einer Laufzeit bis Mitte September 2016 Rekordzinsen von 6,3% bezahlen.

Derart hohe Zinsen bei Kreditaufnahmen hatte Italien seit Einführung des Euro Anfang des vergangenen Jahrzehnts nicht mehr zu bezahlen. Rom kommt damit der Marke von 7% gefährlich nah, die Finanzexperten als Grenze für die Sanierungsfähigkeit eines Landes aus eigener Kraft ansehen. Vor dem Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Wochenende musste Italien allerdings noch mit Zinsen von mehr als 7% für eigene Bonds rechnen.

Euro leidet mit

Der Eurokurs wurde durch die Bedenken wegen der hohen Schulden Roms ebenso in Mitleidenschaft gezogen wie die europäischen Börsenkurse. Die Gemeinschaftswährung gab um 1,1% nach. 1 € kostete schliesslich 1.3627 $. Der Euro-Stoxx, in dem die Kursentwicklung wichtiger Unternehmen der Eurozone zusammengefasst ist, verlor 1,7%, und der Mailänder Leitindex FTSE MIB fiel um knapp 2%. Der deutsche DAX rutschte um 1,4 Punkte unter die Marke von 6000 Punkten. Öl wurde um 1,5% billiger. Ein Rückgang des Preises für den Schmierstoff der Weltwirtschaft ist immer ein Zeichen für Skepsis auf den Finanzmärkten.

Gute Nachrichten verpuffen

Dabei waren die Vorgaben aus Asien am Montag gar nicht so schlecht gewesen. Die Börse in Tokio legte wegen positiver Nachrichten über die Konjunkturentwicklung in Japan und die Konsumentenstimmung in den USA deutlich zu. Die Stimmung an den europäischen Börsen wurde dagegen zusätzlich von Ökonomenmeinungen gedrückt. So geht Nobelpreisträger Paul Krugman davon aus, Italien könne wohl nur noch mit Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) genesen.