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Ist das der Anfang der Nullzinsära für Sparer?

Die UBS senkt den Zins auf dem Sparkonto auf 0,00 Prozent. Und es ist nicht auszuschliessen, dass die Grossbank auf höhere Guthaben sogar Negativzinsen einführt. Andere Schweizer Banken dürften der UBS folgen.
Beat Schmid
Zunehmend krankendes System: Schweizer Sparer haben es immer schwerer, mit ihren Guthaben auf Bankkonten überhaupt etwas zu verdienen. (Bild: Bilgehan Tuzcu/Getty)

Zunehmend krankendes System: Schweizer Sparer haben es immer schwerer, mit ihren Guthaben auf Bankkonten überhaupt etwas zu verdienen. (Bild: Bilgehan Tuzcu/Getty)

Sparern bläst ein immer härterer Wind ins Gesicht. Seit Jahren verdienen sie kaum noch Geld mit ihren Sparkonten. In wenigen Tagen gibt es gar nichts mehr. Zumindest bei der UBS. Denn auf den 1. Juni senkt die Grossbank den Satz auf dem gewöhnlichen Sparkonto für Erwachsene auf 0,00 Prozent. Auch bei anderen Konten senkt die UBS den Zins zum Teil deutlich: Beim Jugendsparkonto wird er von 0,5 auf 0,25 Prozent halbiert. Die gebundenen Gelder für die dritte Säule (Fiscakonto) werden ebenfalls schlechter verzinst, statt 0,2 gibt es noch 0,15 Prozent.

«Wenn es keinen Zins mehr gibt, fragen sich die Kunden natürlich zu Recht, ob man überhaupt noch von einem Sparkonto sprechen darf», sagt Silvan Wehrli, Analyst beim Vergleichsdienst Moneyland.ch. Wehrli weist darauf hin, dass die UBS möglicherweise bald brisantere Senkungen vornehmen könnte. So schreibt die UBS auf der Website, dass für Spargelder über 500'000 Franken «zurzeit» ebenfalls ein Satz von 0,00 Prozent gelte. Laut Wehrli könnte diese Formulierung darauf hindeuten, dass die Grossbank auf Spargeldern ab 500'000 Franken in Zukunft Negativzinsen verlangen könnte.

Nationalbank fürchtet sich vor Flucht ins Bargeld

Wer sich in der Bank umhört, stösst auf Stimmen, die von der Möglichkeit einer Absenkung in den negativen Bereich sprechen. Bisher haben sich die Banken allerdings davor gescheut, Negativzinsen auf Guthaben von Durchschnittssparern zu erheben, da sie eine Flucht ins Bargeld fürchteten. Auch die Nationalbank hat Angst vor einer um sich greifenden Bargeldhortung, zumal ihre Negativzins-Politik dann an Wirkung verlöre. Nichtsdestotrotz würde Nationalbankpräsident Thomas Jordan den Negativzins noch weiter senken, falls dies nötig würde, um ein Erstarken des Frankens zu verhindern, wie er an der Generalversammlung der Notenbank Ende April sagte.

Die jüngste Zinssenkung der UBS dürfte Signalwirkung haben. Da sich die übrigen Schweizer Banken bei den Zinsen und den Kosten häufig an den Grossbanken orientierten, könne sich die neue Senkung der UBS auch auf die Kunden anderer Banken negativ auswirken, heisst es bei Moneyland.

Die Sparzinsen bei anderen Schweizer Banken liegen zwar – teilweise – noch deutlich höher (siehe Tabelle), sind aber im historischen Vergleich ebenfalls sehr tief. Im Durchschnitt betragen die Zinssätze auf den Sparkonten für Erwachsene gemäss Berechnungen von Moneyland gerade noch 0,07 Prozent. Bei Sparkonten für Jugendliche sind es im Durchschnitt 0,55 Prozent und auf Säule-3a-Konten 0,23 Prozent.

Mit null Prozent Zins auf dem Sparkonto ist ein historischer Tiefpunkt erreicht. Anfang der 1990er-Jahre warfen die Sparkonten noch über 5 Prozent ab. Danach ging es steil nach unten, 2003 wurde erstmals die Marke von einem Prozent unterschritten, ab 2008 sind die Zinsen kontinuierlich gegen null gefallen.

Rätselraten der Ökonomen

Die Ökonomen rätseln seit Jahren über die Gründe für das tiefe Zinsniveau. Für den Basler Volkswirtschafter Peter Kugler gibt es neben der «extrem expansiven Geldpolitik» der Notenbanken weitere Erklärungen für das Phänomen: «Ein Grund war, dass in den letzten 20 Jahren der Anteil der Bevölkerung im sparintensiven Alter zwischen 40 und 60 Jahren hoch und die Investitionsneigung seit der jüngsten Finanzkrise reduziert war», schrieb er in einem Aufsatz in der «Volkswirtschaft», dem vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) herausgegebenen Wirtschaftsmagazin. Dieses Überangebot an Ersparnissen habe den Realzins stark gesenkt. Diese Tendenz sei dadurch verstärkt worden, dass China mit besonders hohen Sparüberschüssen schrittweise in die Weltwirtschaft integriert worden sei, ist der emeritierte Professor überzeugt.

Kugler glaubt, dass die heutige Zinssituation langfristig nicht bestehen bleibt. Er geht davon aus, dass sich die Geldpolitik normalisieren wird und der Krisenmodus im Anleger- und Investitionsverhalten überwunden wird. Doch wann die Zinsen ändern, kann auch Kugler nicht voraussagen: «Das Timing ist noch sehr ungewiss.»

Weitere Anlagemöglichkeiten

(bs) Weil Sparkonten kaum mehr Zins abwerfen, werden fast vergessene Anlageprodukte wieder populär:

Aktien, Obligationen
Zum Beispiel Kassenobligationen oder Festgeld. Je nach Laufzeit gibt es bis zu einem halben Prozent. Wem auch das zu wenig ist, der soll sein Glück mit Aktien, Obligationen, Derivaten etc. versuchen. Mehr Zins heisst allerdings höhere Risiken. Diese eiserne Regel gilt auch in Zeiten von Nullzinsen.

Immobilien
Wer vor zehn Jahren ein Haus kaufte, hat sein Geld gut angelegt. Der Wert der Immobilie ist seither im Durchschnitt um rund 70 Prozent gestiegen. Je nach Verschuldungsgrad konnten Immobilienbesitzer ihr ursprünglich eingeschossenes Eigenkapital mehr als verdoppeln. Zudem: Dank der tiefen Zinsen befinden sich die Finanzierungskosten fürs Eigenheim auf einem historischen Tiefstand.

Sachwerte wie Autos, Uhren oder Kunst
Um negativen Realzinsen aus dem Weg zu gehen, kann man das Geld auch in Sachwerte investieren, wie etwa Autos, Uhren, Kunst oder Wein. Besitzer von älteren Porsche-911er-Modellen oder Vintage-Uhren von Rolex oder Patek Philippe konnten grosse Wertsteigerungen erzielen. Wer auch noch Freude an den Objekten hat, hat doppelt gewonnen. Schwieriger wird’s, wenn in Kunst oder Wein investiert wird.

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