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Iran-Geschäft steht auf der Kippe

Die Sanktionsdrohungen der USA haben auch Schweizer Firmen aufgeschreckt. Wer mit dem Iran handelt oder dort präsent ist, analysiert die Entwicklung. Oft wird das Engagement bewusst heruntergespielt.
Thomas Griesser Kym
Noch geht in Teheran alles seinen gewohnten Gang: Momentaufnahme am Mirdamad Boulevard. (Bild: Vahid Salemi/AP (Teheran, 6. Mai 2018))

Noch geht in Teheran alles seinen gewohnten Gang: Momentaufnahme am Mirdamad Boulevard. (Bild: Vahid Salemi/AP (Teheran, 6. Mai 2018))

So viel lässt sich sagen: Das Iran-Geschäft von Schweizer Firmen ist akut gefährdet. Alles Weitere ist ungewiss. Seit vor rund zwei Wochen US-Präsident Donald Trump das Atomabkommen mit der Islamischen Republik gekündigt und neue Sanktionen beschlossen hat, droht auch die Wirtschaft anderer Länder in den Strudel gerissen zu werden. Dabei hatte der Zweig erste Knospen getrieben, seit vor zwei Jahren als Folge des Atomabkommens Sanktionen aufgehoben worden waren. «Das Iran-Geschäft hat sich gut entwickelt», sagt Daniel Meier, Managing-Partner bei der NZ Group. Diese Firma mit Sitz in Zug und Ableger in Oberriet berät unter anderem Unternehmen, die Geschäfte mit dem Iran machen wollen. «Die Kunden­anfragen wurden monatlich mehr, und ganze Berufs- und Verbandsgruppen haben sich regelmässig auf Iran-Reise begeben», sagt Meier rückblickend. «Kunden ­haben Beratung gesucht sowie Markt- und Mitbewerberstudien erstellen lassen.» Wenn es in die strategische Ausrichtung eines Betriebs gepasst habe, «dann wurde investiert».

Tempi passati. Nun verlangen die Amerikaner von ausländischen Unternehmen, ihren Betrieb im Iran und/oder ihre Handelstätigkeit mit dem Land einzustellen. Dazu wollen die USA den Firmen gewisse Fristen von ein paar ­Monaten gewähren, je nach Art der Geschäftstätigkeit. Die EU protestiert und hat schon im Vorfeld einen Schutzschild für Firmen angekündigt, die, falls sie an ihrem Iran-Geschäft festhalten, von allfälligen Sanktionen der USA betroffen sein könnten.

Ein «nicht wirklich cooler Schritt»

Daniel Meier. Bild: PD

Daniel Meier. Bild: PD

Ob das im Ernstfall aufgeht? Meier hat da so seine Zweifel: «Schweizer Firmen, die ein grösseres US-Geschäft führen, werden vorsichtig handeln oder sich dem Druck respektive der Drohung beugen.» Dies «auch, weil das Iran-Geschäft mengenmässig häufig noch keinen Ersatz für das bestehende Geschäft mit den USA darstellt.» Mit anderen Worten: Kaum eine Firma wird wirtschaftliche Nachteile in den USA riskieren wollen, bloss um mit dem Iran im Geschäft zu bleiben. Meier findet es zwar «schade, dass man sich diesem Druck beugt», doch «aus geschäftspolitischer Sicht ist es verständlich».

Als «nicht wirklich coolen Schritt» stuft Dominik Slappnig, Sprecher des Baustoffkonzerns Sika, das Vorgehen der USA ein. Das Unternehmen ist seit über 70 Jahren im Iran präsent, und seit 2006 ist Sika Parsian eine 100-Prozent-Tochter der Sika AG. Laut früheren Angaben produziert die Gesellschaft Baustoffe für den lokalen Infrastrukturmarkt. Heute spielt Slappnig das Engagement herunter. Auf An­frage weiss er nicht genau zu sagen, wie viele Mitarbeitende im Iran beschäftigt sind («vielleicht drei oder vier») und ob Sika Parsian «überhaupt etwas produziert». Den Beitrag zum Konzernumsatz der Sika beziffert Slappnig auf «vernachlässigbare 0,01 Prozent». Immerhin: Man beobachte und analysiere die Lage, und man werde auch schauen, wie sich ­andere Schweizer Unternehmen vor Ort verhielten. Ein Entscheid betreffend Iran-Geschäft sei noch nicht gefallen.

Zuversicht für Bühlers Präsenz im Iran

Ähnlich äussert sich Burkhard Böndel, Sprecher des Technologiekonzerns und weltgrössten Mühlenbauers Bühler. «Wir verfolgen die Entwicklung und analysieren, was das für uns bedeutet. Anschliessend legen wir uns auf weitere Schritte fest.» Bühler ist seit 1976 im Iran präsent. Neben dem Sitz in Teheran unterhält man eine eigene Fabrik in ­Astara, die für den iranischen Markt vor allem Anlagen zur Nahrungsmittelherstellung und Getreideverarbeitung fertigt und Servicedienstleistungen anbietet. «Um die 100 Mitarbeitende» sind derzeit dort beschäftigt, sagt Böndel. Müsste der Konzern sein Engagement abwickeln, falls es mit den USA eskaliert. Experte Meier sagt: «Bühler war konti­nuierlich vor Ort, und sie werden es hoffentlich auch bleiben.» Meier schöpft seine Zuversicht auch für andere Firmen, die im Iran eine langjährige Präsenz ­haben, aus eben dieser: «Solche Firmen werden wohl kaum mit denselben Ellen gemessen wie neuanberaumte Geschäfte.»

«Schweizer Firmen, die ein grösseres US-Geschäft führen, werden vorsichtig handeln oder sich dem Druck respektive der Drohung beugen.»

Daniel Meier, Managing Partner bei der Beratungsfirma NZ Group

Ebenfalls in der Rolle des ­Beobachters im Iran sieht sich der Schienenfahrzeugbauer Stadler, wie Sprecherin Janine Müller ausrichtet. Anfang März war bekannt geworden, dass Stadler im Iran einen Letter of Intent unterzeichnet hat – eine Absichtserklärung, mit der bekräftigt worden ist, dass Stadler weiterhin interessiert ist an einem milliardenschweren Grossauftrag für die Teheraner U-Bahn und weiter verhandeln möchte. Solche Absichtserklärungen werden jeweils mit mehreren Interessenten vereinbart und sagen nichts aus über den Ausgang der Ausschreibung. Weitergehend will sich Stadler gegenwärtig nicht über das Thema Iran äussern.

Der Euphorie folgt ein Achselzucken

Anders sieht es aus bei Autoneum. Der Autozulieferer hat En­de 2017 mit der iranischen Industriefirma AKT eine Lizenzvereinbarung abgeschlossen. In deren Rahmen soll AKT Autoneum-Teppiche und
-Isolationen für Lärm- und Hitzeschutz produzieren und ­damit im Iran ein Auto-Joint-­Venture namens IKAP beliefern. Autoneum-Sprecherin Anahid Rickmann sagt, man sei «nach heutigem Kenntnisstand durch US-Sanktionen nicht betroffen», weil Autoneum «nicht selbst im Iran tätig ist». Abgesehen davon würde Autoneum Lizenzgebühren erst ab Produktionsstart kassieren, und dieser sei auf Anfang 2019 terminiert. Bisher habe ­Autoneum also noch keine Gebühren eingenommen, und diese wären ein «vernachlässigbarer Anteil am Konzernumsatz von Autoneum».

Im Dezember 2017 hatte es freilich ganz anders getönt. Damals bejubelte Autoneum-Chef Martin Hirzel den Iran als «einen der Wachstumsmärkte weltweit und gleichzeitig einen zentralen Automobil-Hub für den Mittleren und Nahen Osten sowie die ­Kaukasusregion». Den in Lizenz ­zu produzierenden Autoneum-Komponenten attestierte Hirzel ein «starkes Absatzpotenzial».

Alles hängt ab von den Franzosen

Nun jedoch ist es gut möglich, dass aus dem Plan überhaupt nichts wird. Denn IKAP ist ein Joint Venture des iranischen Autobauers Iran Khodro und des französischen Autokonzerns PSA Peugeot Citroën. Sollte PSA unter dem Druck der US-Sanktionen einknicken, wäre das Projekt, wie auch Rickmann einräumt, zumindest vorerst hinfällig.

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