Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Investorin Anna Ryott kämpft für eine bessere Welt: «Ich bin eine besorgte Optimistin»

Die zweckmässige Verwendung von Kapital ist das Leitthema des diesjährigen St.Gallen Symposium. Die Schwedin Anna Ryott versucht Nachhaltigkeit mit Rendite zu verknüpfen. Und sie sagt, warum sie, anders als ihre Landsfrau Greta Thunberg, nicht mit dem Zug in die Schweiz gereist, sondern geflogen ist.
Thomas Griesser Kym
«Wir können es uns nicht leisten, weiterhin business as usual zu betreiben»: Anna Ryott, Vorsitzende des Verwaltungsrats der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Summa Equity, am Symposium St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi (9. Mai 2019))

«Wir können es uns nicht leisten, weiterhin business as usual zu betreiben»: Anna Ryott, Vorsitzende des Verwaltungsrats der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Summa Equity, am Symposium St.Gallen. (Bild: Ralph Ribi (9. Mai 2019))

Auf der Website der Beteiligungsgesellschaft Summa Equity schreiben Sie über Ihre Hoffnung, 2030 Ihren Kindern sagen zu können: «Ja, es ist uns gelungen. Wir haben die extreme Armut ausgerottet und den Planeten gerettet.» Wie zuversichtlich sind Sie?

Anna Ryott: Üblicherweise bis ich eine Optimistin. Jetzt bin ich eine besorgte Optimistin. Die Welt balanciert auf Messers Schneide. Wir sehen bei den UNO-Nachhaltigkeitszielen bis 2030 einerseits einige Fortschritte etwa in der Gesundheitsversorgung oder bei alternativen Energien. Andererseits gibt es immense Probleme beispielsweise mit Abermillionen von Flüchtlingen. Auch fühlen sich mehr und mehr Menschen gesellschaftlich ausgeschlossen und hilf- und hoffnungslos. Oder die Kindersterblichkeit: Diese hat dank Wirtschaftswachstum rasch abgenommen, aber noch immer sterben jeden Tag 15'000 Kinder unter fünf Jahren. Das ist inakzeptabel

Was also werden Sie Ihren Kindern sagen können?

Ich hoffe, die Botschaft wird lauten: Es ist uns gelungen, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen und dass Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Regierungen an einem Strang ziehen. Veränderungen erfordern starke Führung.

Jüngst wurde bekannt, dass die Schweiz ihre Ressourcen, die sie für eine nachhaltige Entwicklung 2019 konsumieren kann, schon in den ersten vier Monaten des Jahres verbraucht hat, so schnell wie nie zuvor. Das klingt nicht nach richtiger Richtung.

Das Bewusstsein für die Notwendigkeit, etwas zu verändern, ist noch zu wenig stark ausgeprägt. Doch um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, müssen wir jetzt investieren und nicht erst in fünf Jahren. Wir können es uns nicht leisten, weiterhin business as usual zu betreiben. Gut ist, dass wir viele Innovationen und Werkzeuge und das Wissen haben, um nachhaltiger zu werden, und auch Kapital fliesst immer mehr in nachhaltige Projekte.

Wo gilt es denn am ehesten den Hebel anzusetzen?

Bei der Ressourceneffizienz. Und bei der Abfallbewirtschaftung. Ganz wichtig ist die Kreislaufwirtschaft: Abfälle sammeln und rezyklieren oder Dinge wiederverwenden. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Wasseraufbereitung und die Senkung des Wasserverbrauchs. Zentral sind auch demografische Veränderungen: Die zunehmende Verstädterung wirft Fragen auf beispielsweise punkto umweltfreundlicher Mobilität, energieeffizienter Gebäude oder Gesundheitsversorgung.

Viele Investoren sind für Anlagen in Nachhaltigkeit, doch muss auch die Rendite stimmen. Ein Widerspruch?

Im Gegenteil. Aus den grössten Problemen ergeben sich die grössten Geschäftschancen. Wir sehen mit unseren Beteiligungen an Unternehmen, die sich mit globalen Herausforderungen befassen, eine höhere Rendite. Aber wir mussten unser Geschäftsmodell den Investoren erst erklären.

Was halten Sie von Ihrer Landsfrau und Klimaaktivistin Greta Thunberg?

Sie ist ein phantastischer Teenager. Sie hat grossen Einfluss auf Klimathemen und auf die junge Generation. Sie sagt Ihnen: Erhebt eure Stimme, sprecht über eure Anliegen und Sorgen. Und den Wirtschaftsführern und Politikern sendet sie die Botschaft: Hört uns zu und beweist uns, dass ihr verstanden habt, dass es Zeit zum Handeln ist.

Materiell ist der Einfluss der Jungen oft begrenzt. Einverstanden?

Ja. Ich treffe viele junge Leute, die sehr engagiert sind. Weniger in politischen Parteien, aber in politischen Fragen, von Diversität über Gleichstellung bis zum Klimawandel. Aber oft fehlt es ihnen an Werkzeugen und damit an Hoffnung. Aber die UNO-Nachhaltigkeitsziele sind etwas, die Hoffnung geben.

Was empfehlen Sie denn dem einzelnen Bürger, um nachhaltiger zu sein?

Jeder kann alles machen. Weniger Fleisch essen, weniger fliegen, rezyklieren, Fair-Trade- und Bioprodukte kaufen usw. In Schweden wird beispielsweise heute weniger Fleisch gegessen. Warum? Weil es so viele gute fleischlose Alternativen gibt. Wichtig ist, dass man irgendwo beginnt. Denn jeder Konsument kann eine Differenz ausmachen. Jeder Beitrag zählt.

Spricht man mit Reisebüros und Fluggesellschaften, erhält man den Eindruck, dass nicht weniger geflogen wird.

Das menschliche Verhalten zu ändern, ist etwas vom Schwierigsten. Zum Auto gibt es ja oft Alternativen, beispielsweise den Zug. Aber wenn man schnell und weit reisen will, gibt es zum Flugzeug keine Alternative.

Sollte man Flugtickets verteuern? Oder die freiwillige Abgabe für Klimaschutzprojekte zur Kompensation der Kohlendioxid-Emissionen für obligatorisch erklären?

Über beides sollte man zumindest nachdenken.

Wird fliegen teurer, wird es auch exklusiver. Viele Leute werden es sich dann nicht mehr oder nicht mehr so oft leisten können.

Stimmt. Und zudem ist Reisen wichtig, um andere Kulturen kennenlernen und verstehen zu können. Aber auf kürzeren Strecken wie zum Beispiel von der Schweiz nach Paris kann man den TGV nehmen. Dafür braucht es kein Flugzeug.

Greta Thunberg ist dieses Jahr mit dem Zug von Schweden ans Davoser Weltwirtschaftsforum gereist. Wie sind Sie von Stockholm ans St.Gallen Symposium gelangt?

Mit dem Flugzeug. Ich habe Alternativen geprüft, aber mein Zeitplan hat nur den Flieger erlaubt. Ich reise beruflich und privat mit dem Flugzeug, aber nur, wenn es nicht anders geht. Und wir bei Summa Equity kompensieren die Kohlendioxid-Emissionen all unserer Flüge. Sonst nehme ich oft den Zug und gehe auch viel zu Fuss.

Im Einsatz für die Kinder

Anna Ryott ist Vorsitzende des Verwaltungsrats der schwedischen Summa Equity. Diese war laut eigenen Angaben eine der ersten Beteiligungsgesellschaften, die sich, ihre Investitionen und die Schaffung von Wert den UNO-Nachhaltigkeitszielen bis 2030 verpflichtet haben. Summa Equity investiert in Unternehmen, die globale Herausforderungen lösen. Im Fokus stehen dabei drei Themenfelder: Ressourceneffizienz, demografischer Wandel und Technologien.

Die 46-jährige Ryott setzt sich auch für Kinderrechte ein. Dabei war sie unter anderem stellvertretende Generalsekretärin des schwedischen Ablegers des UNO-Kinderhilfswerks Unicef und Generalsekretärin von SOS-Kinderdörfern. Am St.Gallen Symposium hatte Ryott einen Auftritt zum Thema Chancen aus Investitionen in die Natur.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.