«Investoren sind Partner» – Frontify ist weiterhin auf Expansionskurs

Roger Dudler, Gründer des St.Galler Start-ups Frontify sagt, wie man trotz schnellem Wachstum locker bleibt.

Interview: Kaspar Enz
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Roger Dudler ist Gründer von Frontify, einem St.Galler Start-up, das inzwischen 120 Mitarbeitende beschäftigt und monatlich im Schnitt um vier Köpfe wächst.

Roger Dudler ist Gründer von Frontify, einem St.Galler Start-up, das inzwischen 120 Mitarbeitende beschäftigt und monatlich im Schnitt um vier Köpfe wächst.

Bild: Benjamin Manser (St.Gallen, 10. Februar 2020)

Soeben hat das IT-Unternehmen Frontify von namhaften internationalen Investoren insgesamt 22,3 Millionen Dollar bekommen. Das St.Galler Un­ternehmen ist 2013 gegründet worden. Start-up-Luft weht hier immer noch, trotz der unterdessen 120 Mitarbeitenden.

Ist Frontify eigentlich noch ein Start-up?

Roger Dudler: Es gibt einen passenderen Begriff, Scale-up, für schnell wachsende junge Unternehmen. Das sind wir.

Eben haben sechs Leute angefangen, wie viele Leute stellen Sie pro Tag ein?

So schnell wachsen wir dann doch nicht. Aber vier neue Mitarbeiter pro Monat sind es schon im Schnitt.

Was, wenn Ihnen hier der Platz ausgeht?

Es gibt in der Nähe noch Gebäude, in denen genügend Platz wäre. Mir ist es wichtig, dass wir trotz des schnellen auch ein gesundes Wachstum verfolgen. Dazu gehört der gezielte Ausbau unserer Standorte. Zum Beispiel werden einige der neuen Mitarbeiter in New York eingestellt.

Dabei soll das neue Geld helfen. Warum kommt dieser Schritt genau jetzt?

Unser Wachstum hat uns die Erfahrung und das Selbstvertrauen gebracht, um im amerikanischen Markt noch stärker zu wachsen. Zusätzlich stellen wir uns in allen Bereichen stärker auf. Beispielsweise wollen wir unser Produkt mit weiteren Innovationen ausbauen.

War es schwer, Investoren zu finden?

Das ist es nicht mehr. Vor sieben Jahren, als ich angefangen habe, war unsere Ausgangslage eine ganz andere. Ich musste erst beweisen, dass ich ein Geschäft aufbauen kann und ein Produkt habe, das potenzielle Kunden auch wollen. Heute ist das anders. Etwa 100 Investoren hatten sich gemeldet, mit 25 haben wir geredet und uns für den passendsten Partner entschieden.

Frontify ist also begehrt?

Ein schnell wachsendes Unternehmen ist eine lukrative Investition. Geld gibt es deshalb genug. Wir wollen Investoren, die uns auch weiter bringen: Sie kennen sich in manchen Dingen aus, können uns die Türen zu neuen Märkten und Netzwerken öffnen. Es sind mehr Partner als Geldgeber.

Hier im Aufenthaltsraum gibt’s nicht nur Kaffee, sondern auch eine Spielkonsole und einen Pingpongtisch. Ist das noch Arbeit?

Am Pingpongtisch oder um die einzige Kaffeemaschine herum lernen sich Leute kennen, die sich sonst kaum begegnen würden. Das macht nicht nur Spass, so arbeiten die Leute leichter zusammen, wissen, wer wer ist. Das ermöglicht allen den Blick über den Tellerrand, und Synergien können einfacher genutzt werden.

Bekannt ist, dass man bei Frontify so viel Ferien nehmen kann, wie man will.

Das wird etwas aufgeblasen. Einerseits wissen unsere Leute, was sie zu tun haben. Wenn sie mal an einem Tag Skifahren gehen wollen, dann sollen sie das tun können, ohne einen bürokratischen Aufwand auszulösen. Andererseits muss man mindestens fünf Wochen Ferien nehmen. Denn wir wollen ebenso wenig, dass man zu viel arbeitet.

Ist das eine Gefahr?

Ja, die Flexibilität kann auch dazu führen, dass man meint, möglichst viel arbeiten zu müssen. Das wollen wir nicht. Dabei ist es eigentlich egal, wie lange man arbeitet. Das, was dabei rauskommt, muss gut sein.

Frontify wächst schnell. Muss man da nicht die Schraube anziehen?

Es gibt keine Anzeichen, dass die Freiheit ausgenutzt wird. Unser Wachstum zeigt, dass unsere Mitarbeiter einen hervorragenden Job machen. Wohl auch, weil sie gerne zur Arbeit kommen.

Wird St.Gallen bei dem Wachstum bald zu klein?

Sicher nicht. Dazu bin ich ein viel zu eingefleischter St.Galler und FCSG-Fan. Aber St.Gallen repräsentiert auch vieles, wofür wir stehen: international, aber bodenständig, städtisch und doch familiär.

Die St.Galler IT-Branche beklagt doch ständig einen Fachkräftemangel.

Doch da tut sich einiges. Die Uni will neue Studiengänge im IT-Sektor einführen. Es gibt neben uns noch weitere attraktive Arbeitgeber in der Branche.

Woher kommen die Frontify-Mitarbeitenden?

Unsere Mitarbeitenden stammen aus vielen unterschiedlichen Ländern. Gleichzeitig haben wir jedoch auch viele Kolleginnen mit Wurzeln in St.Gallen und der restlichen Schweiz. Wir heissen alle willkommen, die gerne gemeinsam mit Frontify etwas bewegen wollen und zu unserer offenen Kultur passen.