INVESTOREN: Das Misstrauen wächst

Die Europäische Zentralbank erwägt zwei Eigentümer der Deutschen Bank aus China und Katar unter die Lupe zu nehmen. Der Vorgang interessiert auch in der Schweiz.

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Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank will sich zwei exotische Grossaktionäre der Deutschen Bank genauer ansehen. Im Visier der Behörde stehen das chinesische Firmenkonglomerat HNA und zwei Vertreter der Herrscherfamilie Al-Thani aus dem Scheichtum Katar. Die Chinesen und die Investoren aus dem reichen Golfstaat halten je fast 10 Prozent aller Aktien des grössten Kreditinstituts Deutschlands. Gegenstand des standardmässigen Inhaberkontrollverfahrens sind die Zuverlässigkeit der Eigentümer, deren Zahlungsfähigkeit und nicht zuletzt die strategischen Ziele.

Es scheint, als sei den EZB-Aufsehern vor allem die Rolle der chinesischen HNA nicht ganz geheuer. Chen Feng hatte dieses vor 15 Jahren mit dem Aufbau eines Logistik-, Luftfahrt-, Tourismus- und Immobilienimperiums begründet. Bis heute bleibt unklar, ob HNA eine private oder eine staatliche Firma ist. HNA hat auch in der Schweiz die ehemaligen Swissair-Betriebe Gategroup, Swissport und SR Technics aufgekauft. Doch die finanzielle Situation von HNA ist intransparent. «Chinesische Unternehmen rechnen anders als westliche Firmen. Wir wissen wenig über ihre Kalkulation und können deshalb nur hoffen, dass sie langfristig auch aufgeht», sagte Felix Sutter, Präsident der Handelskammer Schweiz-China vor einem Jahr.

Politisch brisant erscheint auch die Beteiligung des Scheichtums Katar. Dieses will das Handelsembargo seiner Nachbarländer am 26. Juli auf die Agenda der Generalversammlung der WTO setzen lassen. Der Handelsstreit hat das Potenzial für einen Flächenbrand und wirft ein Schlaglicht auf politische Risiken, die Firmen mit solchen Aktionären eingehen. Bei der Credit Suisse halten die Scheichs 5 Prozent der Aktien, und wenn sich die Schuldpapiere im Krisenfall in Aktien umwandeln sollten, stiege der Anteil auf 18 Prozent. Bei der Schweizer Grossbank würde man ein EZB-Kontrollverfahren deshalb wohl sehr genau verfolgen.

Daniel Zulauf