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US-Grossinvestor will ABB ganz aufspalten

Während der US-Fonds Artisan Partners die Zerschlagung des Konzerns fordert, verbucht die verkaufte Stromnetzsparte langersehnte Erfolge in China.
Daniel Zulauf
David Samra, Investmentchef von Artisan Partners. (Bild: Victor J. Blue/Bloomberg, New York, 30. März 2017)

David Samra, Investmentchef von Artisan Partners. (Bild: Victor J. Blue/Bloomberg, New York, 30. März 2017)

Mit dem Verkauf der Stromnetzsparte und der im April erfolgten Entlassung von CEO Ulrich Spiesshofer sind die aktivistischen ABB-Grossinvestoren noch nicht zufrieden. Der amerikanische Investmentfonds Artisan Partners fordert eine weitgehende Zerschlagung des Elektrokonzerns. Auf den Verwaltungsratspräsidenten Peter Voser kommt ein Haufen Arbeit zu. Er muss sein Personal vom Nutzen des angelaufenen Grossumbaus der ganzen Organisation überzeugen und gleichzeitig den Erwartungen seiner Aktionäre gerecht werden. Voser scheint sich auf ein längeres Interregnum als CEO einzurichten, wie sein am Dienstag bekannt gegebener Rücktritt aus dem Verwaltungsrat von Roche nahelegt.

Wie tief die Zäsur bei ABB noch gehen könnte, beginnt sich ein halbes Jahr nach der strategischen Neuausrichtung langsam abzuzeichnen. Im Dezember hatte der Konzern den Verkauf seiner traditionsreichen Stromnetzsparte angekündigt. Mit einem Jahresumsatz von fast 10 Milliarden Dollar und 36'000 Mitarbeitern gelangt die zweitgrösste und für die Schweiz besonders bedeutungsvolle Division im kommenden Jahr in die Hände der japanischen Hitachi-Gruppe. Die Transaktion soll den ABB-Aktionären direkt (via Dividenden) und indirekt (via Aktienrückkäufe) gegen 8 Milliarden Dollar einbringen.

Zudem wird erwartet, dass sich die Rentabilität der neuen ABB verbessert. Die verbleibenden vier Konzerndivisionen hatten zuletzt deutlich höhere Profitraten erwirtschaftet (13 Prozent bis 16 Prozent) als die zu veräussernde Stromnetzsparte (10 Prozent). Für die Aufspaltung des Konzerns lobbyierten während längerer Zeit die beiden Grossaktionäre Cevian (5,3 Prozent) und Artisan Partners (3 Prozent). Zum Erfolg kamen sie erst, als auch die schwedische Ankeraktionärin Investor AB (10,7 Prozent) einlenkte. Eine hinter den Erwartungen zurückgebliebene Geschäftsentwicklung, mitunter verursacht durch hohe Verluste bei der Umsetzung eines Offshore-Windprojektes in der Nordsee, und ein enttäuschender Verlauf des Aktienkurses brachten die schwedische Wallenberg-Familie zum Einlenken.

Aktienkurs nicht zufriedenstellend

Doch auch der Verkaufsentscheid vermochte den Aktienkurs bislang nicht auf Touren zu bringen. Die ABB-Titel notieren immer noch unter 20 Franken und damit rund 5 Prozent unter dem Niveau von Anfang Dezember. Dementsprechend verlangen die ungeduldigen Investoren weitere Massnahmen.

David Samra, Investmentchef des 20 Milliarden Dollar schweren Artisan International Value Fund, verlangte am Dienstag im Interview mit dem Finanzportal «The Market», dass die Zerschlagung des Konzerns fortgesetzt wird. ABB sei zwar «endlich auf dem richtigen Weg», aber «nun erwarten wir, dass als nächster logischer Schritt eine weitere Aufteilung von ABB in zwei oder vielleicht sogar drei separate Unternehmen folgt», sagte Samra. Als besonders sinnvoll erachtet der Investor eine Trennung des ­Geschäfts mit Elektrifizierung von der Fabrikautomation. Die vom Management propagierte Vision, in der sich ABB mit ihren vier verbleibenden Divisionen als Vorreiterin einer digitalisierten Wirtschaft profilieren soll, hinterlässt bei dem Fondsmanager keinen erkennbaren Eindruck. Stattdessen sagt er: «ABB ist ein schwerfälliges Konglomerat, das weiter getrimmt werden muss.» Inzwischen ist der Grossumbau der Organisation angelaufen, und er sorgt für Unruhe in der Belegschaft.

Bestellungen von 2 Milliarden Dollar

Dabei hätte diese eigentlich allen Grund zur Freude. Gute Nachrichten von der Verkaufsfront kommen ironischerweise just von der Stromnetzsparte. Am Freitag vor Pfingsten hat der Bereich einen sehr bedeutenden Grossauftrag aus China vermeldet. ABB wird der State Grid Corporation of China Transformatoren liefern, die für die Erstellung einer 800-Kilovolt-Höchstspannungsgleichstromübertragungsleitung (HGÜ) über 1100 Kilometer nötig sind. Der Auftrag hat laut gut unterrichteten Kreisen einen Wert von rund 200 Millionen Dollar, und er ist Teil eines Grossprojektes, das ABB beziehungsweise Hitachi in den nächsten Jahren Bestellungen von gegen 2 Milliarden Dollar einbringen könnte. Eine Absichtserklärung ist im November unterzeichnet worden.

Die anstehenden Grossaufträge aus China lassen auch das Geschäft mit Hitachi in einem neuen Licht erscheinen. Offenbar hatte Hitachi die Unterzeichnung der Absichtserklärung abgewartet, um in den Kauf einzuwilligen. Die Verkaufserfolge in China sind eine Bestätigung für die technologisch führende Position von ABB im Bereich der HGÜ-Technik, die sich der Konzern in den vergangenen 60 Jahren erarbeitet und bis heute erfolgreich verteidigt hat.

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