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Nach der Pleite: Kosmetikfirma Intracosmed hofft auf Investoren

Am Betrieb des pleite gegangenen Urnäscher Unternehmens gibt es ein reges Interesse, dessen Ausmass sogar den Konkursamtsleiter überrascht. Läuft alles glatt, geht er vom Erhalt von 30 bis 35 der 78 Arbeitsplätze aus.
Thomas Griesser Kym
Bei der zahlungsunfähigen Intracosmed AG ist noch nicht aller Tage Abend. Bild: Ralph Ribi (Urnäsch, 23. Juli 2019)

Bei der zahlungsunfähigen Intracosmed AG ist noch nicht aller Tage Abend. Bild: Ralph Ribi (Urnäsch, 23. Juli 2019)

Am 23. Juli hat die Intracosmed AG die Bilanz deponiert, und am 29. Juli wurde über die Kosmetikfirma aus Urnäsch der Konkurs eröffnet. Am Dienstag oder Mittwoch dürfte der Schuldenruf an die Gläubiger ergehen. Parallel dazu arbeiten die Verantwortlichen intensiv daran, zu retten, was vielleicht zu retten ist. Plan A ist laut Claudius Platzer, Leiter des Konkursamts Appenzell Ausserrhoden, Investoren zu finden, die am Intracosmed-Standort eine neue Firma gründen und den Betrieb weiterführen, wenn auch wohl auf reduzierter Basis.

«Wir sind in ernsthaften Verhandlungen mit mehreren guten, potenziellen Interessenten», sagt Platzer auf Anfrage und äussert selbst Erstaunen angesichts des regen Interesses. Auf Nachhaken präzisiert er, «es gibt fünf Interessenten, alles Schweizer Industrielle aus der Branche, die mit der alten Führung der Intracosmed nichts zu tun haben.»

«Die Verhältnisse am Arbeitsmarkt sind günstig»

Platzer sagt, man gebe sich Zeit bis längstens Ende August oder Mitte September, um zu einem möglichen Abschluss zu gelangen. Der Konkursamtsleiter geht davon aus, dass eine neue Gesellschaft rund 30 bis 35 Mitarbeitende beschäftigen könnte, also knapp die Hälfte der bisherigen 78-köpfigen Intracosmed- Belegschaft.

Platzer weiss auch, dass die Zeit drängt. Dies einmal, um das Know-how zu halten. Denn je länger die Ungewissheit andauert, desto mehr Intracosmed- Mitarbeitende schauen sich nach neuen Stellen um – und dürften auch fündig werden. «Die Verhältnisse am Arbeitsmarkt sind günstig für Stellensuchende», sagt Platzer. «Andere Arbeitgeber haben bereits Kontakt aufgenommen, und einige Intracosmed-Beschäftigte konnten sich schon vorstellen.»

Auch die Kunden wünschen Gewissheit

Momentan wird mit 20 bis 25 Mitarbeitenden «ein minimaler Betrieb» bei Intracosmed aufrechterhalten, wie Platzer sagt. Dies, um die Kunden so gut wie möglich weiter zu bedienen und bei der Stange zu halten. «Die Kunden hoffen natürlich auch, dass der Betrieb weitergeführt wird.» Aber auch sie müssten bald Klarheit haben, ob und wenn ja, wie es weitergehe. Momentan werden sie wegen des Konkursverfahrens ausschliesslich gegen Barzahlung beliefert.

Falls sich kein Investor findet, käme Plan B zum Tragen. Dieser sieht vor, die Vermögenswerte der Intracosmed wie Maschinen, Inventar usw. zu versteigern. Platzer nennt ein solches Vorgehen aber «mühsam», denn: «Eine Demontage und der Abtransport von Anlagen ist mit hohen Kosten verbunden, und eine Versteigerung wirft entsprechend meist wenig Ertrag ab. Der Wertverlust wäre beträchtlich.» Platzer hofft deshalb, dass Plan A aufgeht, auch aus volkswirtschaftlicher und wirtschaftsstruktureller Sicht: «Im Appenzellerland müssen wir um jeden Industrie- und Gewerbearbeitsplatz kämpfen.»

Vom «überzeugenden Businessplan» zur Pleite

Intracosmed gehört ihren beiden Co-Geschäftsführern Sophie Geiger und Ferruccio Vanin sowie Verwaltungsratspräsident Thomas Stadelmann. Das Trio hatte das Unternehmen Anfang Jahr der Jumado AG des Unternehmers und Financiers Dölf Früh für einen symbolischen Franken abgekauft. Damals hiess es, «nach einer Restrukturierung» liege «nun ein überzeugender Businessplan» vor, und Intracosmed mit damals 100 Mitarbeitenden wolle sich «als starker Partner bei der Entwicklung und Produktion von Premiumkosmetik made in Switzerland etablieren». Nun, sieben Monate später, heisst es, die Umsatzerwartungen seien zu optimistisch gewesen, und man sei eines Hauptkunden verlustig gegangen, was einen Konkurs unumgänglich mache.

Eine bewegte Firmenchronik

Die Intracosmed AG wurde im Jahr 1963 als Intrapharm GmbH in Horgen gegründet und stellte Haarpflegeprodukte her. 1991 übernahm die Familie des damaligen Ausserrhoder FDP-Nationalrats Hans-Rudolf Früh das Unternehmen, baute es zur Kosmetikfirma um, zügelte es nach Bühler und 2004 nach Urnäsch. Frühs Sohn, Thomas Früh, war bis 2017 Geschäftsleiter und konzentrierte sich danach auf strategische Aufgaben. Im gleichen Jahr erwarb die Jumado AG des Unternehmers und Financiers Dölf Früh (mit Thomas Früh nicht verwandt) Intra­cos­med und reichte sie Anfang 2019 an deren Co-Geschäfts­führer Sophie Geiger und Ferruccio Vanin sowie Verwaltungsratspräsident Thomas Stadelmann weiter.

Engagiert bei zwei Kosmetikfirmen

Thomas Früh, der 2018 bei Intracosmed ausgeschieden war, tat sich mit Dölf Früh und Joe Zinnbauer zusammen, um gemeinsam in Bühler die Kosmetikfirma Plésyr Switzerland AG auf die Beine zu stellen. Deren Verwaltungsrat wird ebenfalls von Stadelmann präsidiert. Dölf Früh, Vanin, Stadelmann, Zinnbauer und Plésyr-Geschäftsleiter Sascha Roth
ha­ben alle eine Vergangenheit beim FC St.Gallen. (T. G.)

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