Interview
Emmi-Finanzchefin: «Preisdiskussionen haben sich intensiviert»

Ricarda Demarmels, Finanzchefin des Milchverarbeiters Emmi, spricht über mögliche Preiserhöhungen, Kostendisziplin und den schrumpfenden Inland-Anteil am Umsatz.

Maurizio Minetti
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Emmi-CFO Ricarda Demarmels.

Emmi-CFO Ricarda Demarmels.

Bild: PD

Emmi erwartet im zweiten Halbjahr zunehmenden Druck auf die Ergebnisse aufgrund steigender Kosten. Was steckt dahinter?

Ricarda Demarmels: Die Ausgaben für Marketing und Verkauf werden sich weiter normalisieren. Beispielsweise werden wir unsere Investitionen in die Marke Emmi Caffè Latte erhöhen, um das gute Momentum zu nutzen. Seit dem zweiten Quartal dieses Jahres sind wir zudem verstärkt mit steigenden Inputkosten konfrontiert.

Weshalb?

Es gibt fast überall grundsätzliche inflationäre Tendenzen, die sich in steigenden Preisen zeigen. Beispielsweise sind Plastik und Karton für Verpackungen teurer geworden. Auch die Energiepreise zeigen nach oben. Weiter betreffen uns teilweise auch die bekannten Probleme im internationalen Güterverkehr. Beispielsweise bei unseren Exporten nach Asien.

Müssen Sie nun wegen höherer Kosten die Preise erhöhen?

Es ist klar, dass jedes Unternehmen höhere Kosten früher oder später in Preiserhöhungen übersetzen muss, sonst überlebt man langfristig nicht. Allerdings dauert das immer etwas und Preiserhöhungen hinken etwas hintennach. Aber es ist eine Tatsache, dass sich die Preisdiskussionen dieses Jahr intensiviert haben.

Welche Produkte könnten von Preiserhöhungen betroffen sein?

Die gestiegenen Kosten betreffen uns als gesamtes Unternehmen. Wenn man an Energie oder Verpackungen denkt, ist das nachvollziehbar. Entsprechend können alle Produkte von Preiserhöhungen betroffen sein.

Zur Person

Ricarda Demarmels (42) ist im bündnerischen Andeer aufgewachsen und hat an der Universität St.Gallen Betriebswirtschaft studiert. Sie arbeitete danach unter anderem beim Lebensmittelhersteller Orior und der Investmentgesellschaft Capvis. Seit Sommer 2019 ist sie Finanzchefin von Emmi. (mim)

Finanzielle Sorgen hat Emmi aber nicht. Die Gewinne steigen seit Jahren. Wie schaffen Sie das?

Die Margensteigerung ist die Frucht unserer langjährigen, konsequenten Strategiearbeit, die wir seit über zehn Jahren verfolgen. Wir verfolgen eine konsequente Weiterentwicklung unseres Gesellschafts- und Produkteportfolio. Im Kern geht es um die Differenzierung durch Innovation und die Besetzung von Nischen. Wichtig ist auch unsere Kostendisziplin. Wir betreiben ein ständiges Effizienzsteigerungs- und Kostensparprogramm, damit wir wettbewerbsfähig bleiben.

Der Schweizer Markt wird für Emmi dabei immer weniger wichtig. Im letzten Semester ist der Anteil der Division Schweiz am Konzernumsatz auf 42,5 Prozent gesunken. Das ist ein historischer Tiefpunkt.

Das Wachstum im Heimmarkt ist nunmal aufgrund des beschränkten Marktwachstums und unserer bereits starken Marktposition limitiert. Wir sprechen von einem möglichen Wachstum von 0 bis 1 Prozent – in guten Jahren. Unser Americas-Geschäft hat eine Wachstumserwartung von 4 bis 6 Prozent, in Europa sind immerhin 1 bis 3 Prozent möglich. Somit resultiert - rein mathematisch - ein immer höherer Auslandsanteil. Die bessere Diversifikation macht uns immer robuster. Das bedeutet aber nicht, dass wir den Schweizer Markt vernachlässigen. Ganz im Gegenteil. Wir investieren laufend in unser Schweizer Geschäft – die neue Käserei in Emmen ist ein Beispiel dafür.

Sind Zukäufe in der Schweiz ein Thema? Und wie viel Geld steht dafür zur Verfügung?

Wir konzentrieren uns vor allem auf den Ausbau von starken Marktpositionen und strategischen Nischen im Ausland. Unsere starke Bilanz und der tiefe Verschuldungsgrad bieten uns da ausreichend finanziellen Spielraum.

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