Innovative Wohnmodelle im Alter

Gemeinden stehen vor der Herausforderung, genügend Wohn- und Lebensraum für Menschen im Alter zur Verfügung zu stellen. Die Avadis Anlagestiftung hat FHS-Studenten mit einem Praxisprojekt beauftragt.

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Nicolas Gorlero, Fabian Ritter und Luca Pieli (von links). (Bild: Ralph Ribi)

Nicolas Gorlero, Fabian Ritter und Luca Pieli (von links). (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. Die Studierenden Fabian Ritter, Luca Pieli, Nicolas Gorlero, Timo Koller und Roman Büchler haben in einer breit angelegten Studie die Bedürfnisse von Gemeinden bezüglich Wohnraum im Alter erhoben. Vom grossen Interesse an ihrer Umfrage waren sie überrascht: Von 405 befragten Gemeinden antworteten über 60% – das ist aussergewöhnlich. Mit ihrem Thema hatten die Studierenden offenbar einen Nerv bei den Gemeinden getroffen. Einblicke in die Studienergebnisse unterstreichen das: Viele Gemeinden nehmen bereits heute wahr, dass das bestehende Wohnraumangebot fürs Alter die Nachfrage kaum deckt. Der demographische Wandel wirkt aus ihrer Sicht verstärkend und sie sehen deshalb Handlungsbedarf.

Selbstbestimmtes Wohnen

Die Studierenden beschäftigten sich vertieft mit den Wohn- und Lebensbedürfnissen älterer Menschen. Zentral schien ihnen der Wunsch vieler Menschen, möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben zu können. Dazu Fabian Ritter: «Wohnraum im Alter wird in zwölf Pflegestufen, sogenannte Besa-Stufen, eingeteilt. Die Stufen basieren auf der Anzahl Pflegestunden, die Bewohnerinnen und Bewohner benötigen. Alterswohnungen gibt es in der Regel bis zu Besa-Stufe 5, Alters- und Pflegeheime beginnen bei 8 – dazwischen gibt es eine Lücke.»

Hendrik David ist der Auftraggeber seitens Avadis Anlagestiftung und ergänzt: «Es geht darum, Anforderungen an Wohn- und Lebensraum zu bestimmen, in dem die Menschen länger als heute selbstbestimmt leben und Pflegeleistungen beanspruchen können, bevor sie in ein Pflegeheim müssen.» Für Avadis war auch interessant, wie die Gemeinden Zusammenarbeitsmodelle mit privaten Anbietern beurteilen. Auch hier kam die Studie zu spannenden, teils unerwarteten Ergebnissen. Vielen Gemeinden fehlt – nach eigener Einschätzung – das Know-how für Planung, Bau und Betrieb für entsprechende Angebote. Deshalb sehen sie einen Mehrwert, wenn sich private Anbieter beteiligen. Das Studierenden-Team ermittelte für Avadis zudem, wie attraktiv einzelne Gemeinden für eine Zusammenarbeit mit Privaten sind. «Wir haben Tausende Daten ausgewertet», sagt Fabian Ritter. «27 Kriterien haben wir für passende Gemeinden festgelegt, wie etwa die finanzielle Lage oder der aktuelle Wohnungsbedarf.»

«Riesigen Effort geleistet»

Fachhochschuldozent Marco Gehrig hat das Studierenden-Team begleitet und weiss: «Die Studierenden sind extrem systematisch vorgegangen und haben professionell mit der Auftraggeberin zusammengearbeitet.» Hendrik David bekräftigt dies: «Sie haben einen riesigen Effort geleistet und eine hervorragende Arbeit abgeliefert.» (red.)