Innovationsschwäche, Finanzkrise und der Brexit

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Opel In den 1960er- und den 1970er-Jahren war der Ende des 19. Jahrhunderts gegründete, zunächst als Produzent von Nähmaschinen und Zweirädern bekannt gewordene Opel-Konzern neben VW der zweitgrösste deutsche Automobilhersteller. Mit erfolgreichen Modellen wie «Kadett», «Rekord» und «Omega» sowie den grösser motorisierten «Senator», «Diplomat» und später mit dem «Omega» schafften es die Opel-Werke in Rüsselsheim und Bochum, Volkswagen und sogar Mercedes Paroli zu bieten. Der elegante «Diplomat» mit seinem benzinfressenden V8-Motor brachte ein Stück des «American Way of Life» nach Deutschland, es war das letzte erfolgreiche Opel-Luxusmodell.

Doch mit Beginn der 1980er-Jahre begann der Abstieg der bislang erfolgreichen Marke Opel, die seit Ende der 1920er-Jahre im Besitz des amerikanischen Automobilkonzerns General Motors (GM) war. Opel wurde durch die Ölkrise schwer getroffen, rigorose Sparmassnahmen und damit verbundene Qualitätseinbussen kratzten massiv am Image des Autobauers.

«Den Anschluss an die Konkurrenz verpasst»

Diese strategischen Fehler kosteten Opel Kundschaft, es kam zu Milliardenverlusten und dem Abbau Tausender von Arbeitsstellen. «Opel hat in den 1980er-Jahren durch mangelnde Qualität und fehlende Innovation den Anschluss an die Konkurrenz verpasst», sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Seit 17 Jahren nun schon schreibt Opel Verluste, dabei begann das letzte Jahr für das Unternehmen mit guten Verkaufszahlen verheissungsvoll. In einigen Fahrzeugsegmenten gehörte Opel laut Recherchen der FAZ zu den beliebtesten ihrer Klasse, die Modelle «Corsa», «Astra» und der Geländewagen «Mokka» erzielten hohe Marktanteile.

Schon der Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und dann das Votum der Briten, die EU zu verlassen, vermiesten Opel das Geschäft. Durch den Brexit wertete das britische Pfund ab, die schwächelnde Währung hat ein schlechtes Europageschäft von GM zur Folge, da Opel in Grossbritannien zwei Produktionsstandorte betreibt und Grossbritannien der grösste Einzelmarkt für Opel und Vauxhall in Europa ist. GM bezifferte die Sonderkosten für den Brexit wegen gestiegener Herstellungskosten auf 400 Mio. $. Vergangenes Jahr schrieb GM in seinem Europageschäft ein Minus von 257 Mio. $. Damit fiel das Ergebnis um 600 Mio. $ weniger schlecht aus als im Jahr davor.

Opel-Betriebsrat stellt Forderungen

Dudenhöffer bezeichnet den gestern in die Wege geleiteten Verkauf Opels an den PSA-Konzern als «Schnäppchen», da PSA für vergleichsweise wenig Geld Anteile am europäischen Automobilmarkt hinzubekomme. Laut dem Automobilexperten steht Opel vor einem harten Sanierungskurs. «Auf die Opel-Belegschaft kommt keine einfache Zeit zu», sagt Dudenhöffer. Die etwa 19000 Opel-Beschäftigten sind bis 2018 vor betriebsbedingter Kündigung geschützt, und bis 2020 sind Investitionen in die deutschen Werke zugesagt. Das Geschäft unterliegt noch Bedingungen und Behördengenehmigungen und soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden.

Der Opel-Betriebsrat machte gestern seine Zustimmung zum Verkauf der GM-Tochter von einem Zukunftsplan abhängig. Die Arbeitnehmervertretung forderte die Parteien zu Verhandlungen auf, um die Eigenständigkeit der beiden Marken Opel und Vauxhall zu sichern und das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen. Die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries und die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen verlangten, dass der Betriebsrat in weitere Gespräche über die Zukunft eingebunden werde.

Christoph Reichmuth, Berlin