INNOVATION: Positive Erlebnisse für jede Person

Das St.Galler Start-up Advertima hat ein System entwickelt, das mit Hilfe künstlicher Intelligenz unter anderem Gemütszustände erkennen kann. Das Unternehmen ist für Startfeld Diamant nominiert.

Stefan Borkert
Drucken
Teilen
Advertima-Mitgründer Iman Nahvi lässt sich am Bildschirm analysieren. (Bild: Ralph Ribi)

Advertima-Mitgründer Iman Nahvi lässt sich am Bildschirm analysieren. (Bild: Ralph Ribi)

Stefan Borkert

Sie sind die coolsten. Das ist ­Advertima bei einem Start-up-Wettbewerb dieses Jahr in Zürich attestiert worden: «Coolest Start-up 2017». Advertima ist ein Kunstname. Was Advertima entwickelt, hat mit Kunst denn auch weniger zu tun als mit künstlicher Intelligenz. In den Räumen der IT-Schmiede in St.Gallen ist es inzwischen eng geworden. Vor knapp zwei Jahren mit vier Mitarbeitern gestartet, liegt die Firma inzwischen bei 34. Tendenz wachsend. Das Geschäft läuft also. Kein Wunder, denn nam­hafte Unternehmen sind auf die St. Galler aufmerksam geworden. Und das hat seinen Grund.

Keine Grenzen zwischen realer und digitaler Welt

Das System von Advertima lässt die Grenzen zwischen digitaler Welt, realer Welt und Gefühlswelt verschwimmen. «Unsere Software kann erkennen, ob es einer Person gut geht», sagt Geschäftsführer und Mitgründer Iman Nahvi. Christian Naef, ebenfalls ein Mann der ersten Stunde, ergänzt: «Uns hat interessiert, wie nehmen die Menschen die Welt wahr und wie kann man den Menschen ein positives Erlebnis ermöglichen. Dafür haben wir eine Lösung gefunden.» So soll zum Beispiel gezielt ein auf die einzelne Person zugeschnittenes positives Einkaufserlebnis erschaffen werden.

Die Software analysiert in diesem Fall den Kunden über sein äusseres Erscheinungsbild, also das Alter, Geschlecht, Kleidungsstil, Mimik, Gestik, Ausdruck und vieles mehr. Sodann sei es möglich, dieser Person ein angenehmes Gefühl zu vermitteln, weil etwa Musik abgespielt werde, die ihr zusage, was sowohl das Genre als auch die Lautstärke betreffe. «Wir können zusätzlich das Licht auf- oder abdimmen, Videos einspielen oder sogar den Duft der Umgebungsluft beeinflussen.» Technisch werde das individuelle Erlebnis möglich unter anderem durch Bildschirme, Lampen, Lautsprecher, und zwar genau am Standort des Kunden, erklärt Naef weiter. «Unsere Technik kann erkennen, wie Menschen, und zwar auch einzelne Menschen, in einer Gruppe ihre Umgebung wahrnehmen, in ihr agieren», sagt Nahvi. Auf die Idee gekommen sind die Gründer von Advertima eigentlich, um der Informationsflut, der die Menschen täglich ausgesetzt sind, zu begegnen. Mehr als 80% der Informationen, mit welchen Menschen täglich konfrontiert werden, sind für sie persönlich nicht relevant. Das haben Studien ergeben. «Advertima erschafft nun eine Welt, in der Menschen im Idealfall nur noch persönlich relevante Informationen erhalten und diese als positiv wahrnehmen», sagt Nahvi. «Dazu werden mit Hilfe verschiedener Sensoren alle Ereignisse in der Umgebung erfasst.» Die Personen könnten, wie gesagt, durch Alter, Geschlecht, Kleidungsstil, Gemütslage und auch durch ihre Bewegungen unterschieden werden, so Nahvi. Das System von Advertima verknüpfe die Daten über das aktuelle Geschehen mit den Informationen über die Perso­nen und reagiere entsprechend. «Ausserdem lassen wir auch online verfügbare Informationen wie das Wetter einfliessen», fügt Nahvi an. Unter Berücksichtigung des Datenschutzes könn­ten auch weitere Informationen, die über eine Person verfügbar seien, verwendet werden. Advertima speichere aber keine Daten. «Wir können auch ohne per­sönliche Daten personalisierte Erlebnisse generieren. Das ist genau der Clou an unserer Technologie.»

Gleicher Lohn für alle Mitarbeiter

Besonders an der Firma Adver­tima ist, dass sie nach einem ­Modell mit flachen Hierarchien arbeitet. «Alle unsere Angestellten, auch ich als Geschäftsführer, erhalten denselben Lohn», so Nahvi. Natürlich habe man, wie alle IT-Unternehmen, Probleme, Fachleute zu finden. «Aber wir finden sie.» So mancher wolle ­dabei sein, wenn etwas Neues entwickelt werde, und arbeite dann vielleicht auch für einen Lohn, der nur die Hälfte dessen betrage, was bei weltweit tätigen Softwareriesen üblich ist.

Aktuelle Nachrichten