«Innovation ist eine Antwort»

Seit August 2015 ist Remo Lobsiger bei der TKB Leiter des Bereichs Geschäftskunden. Die Firmenkundenumfrage 2015 mit Schwerpunkt Frankenstärke weist eine Rekordbeteiligung auf.

Stefan Borkert
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Der Thurgauer Remo Lobsiger bringt zur TKB seine langjährige Erfahrung im Kredit- und Firmenkundengeschäft mit. (Bild: Reto Martin)

Der Thurgauer Remo Lobsiger bringt zur TKB seine langjährige Erfahrung im Kredit- und Firmenkundengeschäft mit. (Bild: Reto Martin)

Herr Lobsiger, Sie haben in einem turbulenten Jahr Ihre Funktion als Firmenkundenchef in der Geschäftsleitung der Thurgauer Kantonalbank angetreten. Haben Sie noch Zeit für Ihre Hobbies?

Remo Lobsiger: Ja, das ist mir wichtig. Zeit mit der Familie und mit Freunden zu verbringen, Reisen, Sport treiben und Motorradfahren sind ein wunderbarer Ausgleich. Und zu meinen Interessen zählt auch die Beschäftigung mit wirtschaftlichen Themen. Da ergänzen sich Beruf und Freizeit sogar.

Der SNB-Entscheid vom Januar 2015 bestimmt immer noch gerade die nationalen Wirtschaftsthemen. Können Sie das Wort Frankenstärke denn überhaupt noch hören?

Lobsiger: Könnte ich das nicht, wäre ich wohl am falschen Ort. Die Aufhebung des Mindestkurses im Januar 2015 hat den Unternehmen Planungssicherheit genommen. Und die Firmen müssen sich im Alltag auch heute noch damit auseinandersetzen. Das gilt auch für die Banken.

Was sind Ihre kurzfristigen Ziele für das Jahr 2016?

Lobsiger: Gerade in herausfordernden Zeiten ist es uns wichtig, nahe bei den Kunden zu sein und sie professionell zu beraten. Ein Thema, das uns stark beschäftigt, ist die Nachfolgeregelung bei Unternehmen. Hier haben wir unser Angebot ausgebaut und unsere Firmenkundenberater speziell geschult. Solche Beratungen erfordern Fingerspitzengefühl, einen längeren Zeithorizont und eine gute Vertrauensbasis.

Und weitere mittelfristige Ziele?

Lobsiger: Wir wollen noch mehr auf die Kundenbedürfnisse eingehen können. Unsere Stärken sind die regionale Verankerung und die Kenntnis der lokalen Verhältnisse. Und wir wollen natürlich unser Firmen- und Gewerbekundengeschäft weiter stärken.

Die TKB hat bereits zwei Drittel der Thurgauer Firmen als Kunden.

Lobsiger: Das freut uns sehr. Also fehlt noch ein Drittel. Doch Spass beiseite. Wir wollen einerseits bestehende Geschäftsbeziehungen ausbauen und andererseits neue Kunden hinzugewinnen, indem wir weiterhin auf Kundenbedürfnisse eingehen und optimalen Service bieten.

Die Firmenkundenumfrage der TKB spiegelt auch die Stimmung in der Thurgauer Wirtschaft wider. Bei der aktuellen Umfrage gab es mit 550 antwortenden Firmen eine Rekordbeteiligung. Wie erklären Sie sich das grosse Echo?

Lobsiger: Tatsächlich ist eine Rücklaufquote von 40 Prozent ein sehr hoher Wert. Wir interpretieren das auch als Interesse der Thurgauer Firmen an einer Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung im Kanton. Es zeigt auch die gute Verankerung und das Vertrauen, das der TKB entgegengebracht wird. Mit der Frankenstärke haben wir auch ein Schwerpunktthema gewählt, das aktuell viele beschäftigt.

Die Ergebnisse der Firmenkundenumfrage zeigen, dass sich die Stimmung kehrt. Die MEM, die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, schöpft Hoffnung. Was hat Sie am meisten an den Ergebnissen überrascht?

Lobsiger: Die Situation nach dem SNB-Entscheid war für die Unternehmen schwierig. Das zeigt auch die Tatsache, dass Gewinne und Umsätze bei vielen Unternehmen zurückgegangen sind. Das Tal scheint aber durchschritten zu sein. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass die Firmen rasch reagiert und Massnahmen eingeleitet haben. Diese scheinen zu greifen und lassen die Unternehmen wieder vorsichtig optimistisch in die Zukunft blicken. Die Anpassungsfähigkeit, besonders kleiner Unternehmen, an die Situation hat mich beeindruckt.

Die Umfrage zeigt auch, dass die Besinnung auf Kernkompetenzen, Innovationen und die Suche nach neuen Märkten probate Mittel zur Krisenbewältigung sind. Investitionen und Innovationen gehen Hand in Hand. Doch bei den Investitionen halten sich viele Firmen zurück. Hat das nicht Auswirkungen auf die Innovationskraft eines Unternehmens?

Lobsiger: Unsere Umfrage zeigt, dass Unternehmen durchaus zielgerichtete Investitionen tätigen. Investitionen wurden aber teilweise zurückgestellt oder etwas später ausgelöst, in der Regel aber nicht gestrichen. Gerade auch in schwierigen Zeiten braucht es Innovationen, um erfolgreich zu sein.

Immer wieder wird auch mit der Verlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland gedroht.

Lobsiger: Tatsache ist, dass eine Verlagerung ins Ausland für viele vor allem kleine und mittelgrosse Unternehmen gar nicht in Frage kommt. Bei Industrieunternehmen zum Beispiel sieht das anders aus.

Spüren Sie die Zurückhaltung bei Investitionen an der Kreditvergabe?

Lobsiger: Wir nehmen das durchaus wahr. Allerdings stellen wir auch fest, dass oft nur eine zeitliche Verschiebung der Investitionen stattfindet oder stattgefunden hat. Wichtig ist uns auch hier, dass wir die Kunden in diesem Prozess begleiten und beraten.

Können Sie Firmen, die unter Umständen nur unter dem Zahlungsverzug von Kunden leiden, entgegenkommen?

Lobsiger: Wir schauen uns jeden Fall einzeln an. Auch hier ist es wichtig, rechtzeitig ins Gespräch zu kommen und nicht erst dann, wenn es zu spät ist. Kundennähe und gegenseitiges Vertrauen sind gute Voraussetzungen dafür, gemeinsam solche Situationen erfolgreich zu meistern.

Noch zu den einzelnen Branchen. Der wieder aufkeimende Optimismus in der MEM-Industrie hat Sie überrascht. Kann es sein, dass der hohe Anteil an Familienunternehmen im Thurgau hilft, Krisen besser zu überwinden?

Lobsiger: In der Regel sind die Familienunternehmen gut aufgestellt. Sie können Massnahmen rasch umsetzen, sind langfristig orientiert und haben schon so manche Krise überstanden.

Der Tourismus und der Detailhandel leidet unter dem Wechselkurs, und unter billigeren Angeboten im benachbarten Ausland, keine Frage. Aber gibt es da nicht auch andere Baustellen?

Lobsiger: Die Preisdifferenzen lassen sich nicht wegdiskutieren. Aber es gibt zahlreiche Beispiele von Unternehmen, die erfolgreich unterwegs sind. Gerade im Thurgau wird ja auch einiges getan. Das zeigt sich beispielsweise im Detailhandel: Wer es schafft, Nischen zu besetzen und guten Service bietet, den betrifft der Einkaufstourismus weniger.

Der Dienstleistungssektor wird von der Frankenstärke am wenigsten geschüttelt. Warum?

Lobsiger: Dienstleistungen werden in der Regel im Inland erbracht und setzen oftmals spezifische lokale Kenntnisse voraus, beispielsweise zum Schweizer Recht. Da spielt der Wechselkurs naturgemäss dann keine so grosse Rolle.