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INFRASTRUKTUR: Wenn die Software ruckelt

Wenn ein System ausfällt, liegt meistens ein Softwarefehler zugrunde. So wie diese Woche bei Swisscom und SBB. Ein Experte fordert ein Umdenken.
Maurizio Minetti
In Teilen des Mobilfunknetzes ging gestern zeitweise nichts. (Bild: KEY)

In Teilen des Mobilfunknetzes ging gestern zeitweise nichts. (Bild: KEY)

Maurizio Minetti

Gestern ist es wieder passiert. Für einen Teil der Swisscom-Kunden ging kurzzeitig nichts mehr. Die Störung im Mobilfunknetz dauerte von 9 bis 10 Uhr und betraf 60 bis 70 Prozent der abgehenden und ankommenden 2G- und 3G-Mobilfunkverbindungen, wie der Telekomkonzern mitteilte.

Swisscom betont, dass die Panne in keinem Zusammenhang stehe mit den Störungen vom vergangenen Montag und vom 8. Januar im Festnetz. Damals konnten Tausende Firmenkunden nicht telefonieren. Erst am Dienstagnachmittag war die Störung behoben.

Ungefähr zur gleichen Zeit, als gestern viele Swisscom-Kunden ihr Handy nicht benutzen konnten, streikten auch bei den SBB die Systeme. Vorübergehend konnten keine Tickets an Bahnschaltern und auf Onlinekanälen gekauft werden. Nach einer knappen Stunde war die Panne behoben. Als Ursache wurde ein Problem bei einer Oracle-Datenbank eruiert. Oracle ist ein amerikanischer Softwarekonzern.

Einen Zusammenhang mit der Swisscom-Störung konnte ein SBB-Sprecher gestern weder ausschliessen noch bestätigen. Klar ist aber: Sowohl bei der grösseren Swisscom-Panne im Festnetz als auch bei der SBB-Störung gestern lag das Problem bei einer Software. Eine Swisscom-Sprecherin sagt: «Ja, für die Telefoniestörung bei Geschäfts­kunden von Anfang Woche kann ich das so bestätigen.» Dass die Ursache bei einer Software liegt, heisst aber nicht, dass der jeweilige Hersteller auch schuld ist. Fehler können auch bei der Handhabung passieren. Die beiden Ausfälle zeigen aber, wie stark Schweizer Infrastruktur­betreiber wie die Swisscom oder die SBB von Software von Drittunternehmen abhängig sind.

Digitale Souveränität soll gestärkt werden

«Software frisst die Welt auf», bringt es der Wirtschaftsinformatiker Matthias Stürmer auf den Punkt. Das Zitat stammt von Technikpionier Marc Andreessen und soll verdeutlichen, wie stark die physische Welt von Software abhängt und dass im Prinzip jede Firma auch eine eigene Softwareabteilung unterhalten sollte.

An der Tatsache, dass alles immer stärker von Software ­abhängt, gibt es prinzipiell nichts zu bemängeln. Problematisch wird es, wenn Unternehmen oder Institutionen die Kontrolle darüber abgeben, wie Stürmer sagt, Dozent für Digitale Nachhaltigkeit an der Universität Bern. «Es ergibt Sinn, eine möglichst hohe digitale Autonomie zu haben, ­damit Firmen nicht zu stark von Dritten abhängig sind.» Er plädiert deshalb dafür, dass Unternehmen – vor allem auch solche in Staatsbesitz – die eigenen Softwarekompetenzen stärken. «Im Idealfall ist man nicht auf Dritte angewiesen – bei Ausfällen ist man dann aber selber verantwortlich», gibt er zu bedenken.

Heute nutzen Schweizer Grosskonzerne Hunderte verschiedene Softwarelösungen ausländischer Anbieter. Weil diese Systeme eng ineinander verzahnt sind, halten es die Verantwortlichen für illusorisch, solche komplexen Gebilde zu entflechten und für jedes noch so kleine System eine eigene Software zu entwickeln. «So weit muss man gar nicht gehen», sagt Stürmer. «Man muss das Rad sicher nicht neu erfinden, aber es gibt viele Bereiche, wo man auf Standardsoftwarehersteller aus den USA verzichten kann und stattdessen Software einsetzt, die zum Beispiel von einem Schweizer Anbieter stammt oder sogar firmenintern entwickelt wurde.»

Stürmer räumt zwar ein, dass dadurch Ausfälle nicht ausgeschlossen werden können. Bei Problemen seien die Wege aber kürzer. «Wir müssen in der Schweiz in Sachen Software wieder das Heft in die Hand nehmen und eine stärkere digitale Souveränität fordern», sagt Stürmer.

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