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INFORMATIK: Raiffeisen entsagt Avaloq

Der Softwarehersteller Avaloq und die Raiffeisen-Gruppe beenden ihr Joint Venture. Raiffeisen macht Kasse, doch langfristig dürfte es für die Bank teurer werden.
Maurizio Minetti
Der Hauptsitz von Raiffeisen Schweiz am Roten Platz in St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Der Hauptsitz von Raiffeisen Schweiz am Roten Platz in St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Maurizio Minetti

Eine halbe Milliarde Franken. So viel kostet eines der grössten Informatikprojekte der Schweiz. Es geht um die Migration auf eine neue Bankensoftware für die 255 organisatorisch selbstständigen Raiffeisen-Banken. Die Gruppe beschritt dafür vor drei Jahren ­einen speziellen Weg: Sie vergab nicht wie üblich einen Auftrag an den Softwarehersteller, sondern gründete mit dem Lieferanten Avaloq ein Joint Venture namens Arizon, an dem Raiffeisen 51 Prozent übernahm. Zusätzlich erwarb Raiffeisen 10 Prozent der Avaloq-Aktien. Dieses Konstrukt wird nun per 1. Januar 2019 aufgelöst, wie die Unternehmen mitteilen. Die Zusammenarbeit werde in ein reines Kunden-Lieferanten-Verhältnis überführt.

Im Detail: Avaloq übernimmt die 51-Prozent-Beteiligung Raiffeisens an Arizon und wird diese als 100-Prozent-Tochtergesellschaft betreiben. Die 300 Stellen bei Arizon mit Niederlassungen in St. Gallen und Dietikon bleiben laut der Mitteilung erhalten. Ihr 10-Prozent-Paket an Avaloq verkauft Raiffeisen «mit Gewinn» an Warburg Pincus. Die US-Beteiligungsgesellschaft war Anfang 2017 mit 35 Prozent bei Avaloq eingestiegen und hält künftig also 45 Prozent der Avaloq-Ak­tien. Für Betrieb und Weiterentwicklung der Bankenplattform sowie für Abwicklungsdienste wird Raiffeisen einen Service­vertrag mit Arizon abschliessen, der bis Ende 2024 gültig ist.

Liquiditätsprobleme als Erklärung

Finanzielle Angaben zu den Aktienverkäufen und zum neuen Outsourcing-Vertrag machen die Unternehmen nicht. Raiffeisen spricht aber von einer Stärkung ihrer Eigenmittelbasis. Bankchef Patrik Gisel: «Dank des aufgebauten Vertrauens überführen wir nun die Beziehung in eine neue Phase. In Zukunft können wir uns auf unsere Kernkompetenzen fokussieren.»

In der Tat beendet Raiffeisen mit dem Schritt ein Konstrukt, das von Anfang Skepsis hervorgerufen hatte. Es ist für die Einführung einer Bankensoftware nämlich nicht nötig, ein Joint Venture zu gründen und sich auch noch am Lieferanten zu beteiligen. Für Branchenkenner ist klar: Der einzige Grund dafür war, dass Avaloq damals Liquiditätsprobleme hatte. Gleichzeitig konnte es sich Raiffeisen nicht leisten, das IT-Projekt scheitern zu lassen. Mit der Beteiligung und der Gründung eines Joint Ventures hat Raiffeisen sozusagen das eigene IT-Projekt vorfinanziert. Ergo war von Anfang an klar, dass Raiffeisen wieder aus dem Konstrukt aussteigen würde. Das bestätigt eine Raiffeisen-Sprecherin: «Die Option, nach Abschluss unseres IT-Grossprojektes Arizon ganz an Avaloq zu übergeben, war von vornherein ein mögliches Szenario.» Der Zeitpunkt ist günstig: Die neue Plattform steht vor ihrer Einführung, nachdem in den letzten Monaten immer wieder von Verzögerungen und Problemen die Rede war. «Wir halten nach wie vor am Einführungstermin 1. Januar 2018 fest», sagt die Sprecherin.

Angesichts der Vorgeschichte ist anzunehmen, dass Raiffeisen für den Outsourcing-Vertrag mit Avaloq gute Konditionen ausgehandelt hat. Ab 2025 dürfte sich das Outsourcing aber verteuern. Erschwerend kommt für Raiffeisen hinzu, dass die Bankengruppe praktisch keine Alternative zu Avaloq hat, die Bande bleibt stark. Während etwa eine Kantonalbank, die ihr Avaloq-System von Swisscom betreuen lässt, theoretisch auf Avaloq-Konkurrent Finnova oder Swisscom-Konkurrent Inventx wechseln könnte, ist ein solcher Schritt für Raiffeisen so gut wie unmöglich, weil Arizon exakt auf Raiffeisens Bedürfnisse zugeschnitten ist. In der Fachsprache nennt sich dies Lock-in-Effekt: Er verunmöglicht es Kunden, den Anbieter zu wechseln.

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