Vorarlberger Industrie will ein rasches Comeback

Die Coronakrise belastet viele Industrieunternehmen ennet des Rheins. Die Industriellenvereinigung Vorarlberg hofft auf den Plan von Kanzler Sebastian Kurz, die Wirtschaft bald wieder schrittweise zu öffnen. 

Thomas Griesser Kym
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Vorarlberger Industriebetriebe  möchten ihre Geschäfte so rasch als möglich wieder hochfahren.

Vorarlberger Industriebetriebe  möchten ihre Geschäfte so rasch als möglich wieder hochfahren. 

Bild: PD/IV

«Die entstandenen Schäden sind tief greifend und werden noch länger andauern»: Diese Ansicht äussert Martin Ohneberg, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg nach einer Blitzumfrage in der Vorarlberger Industrie im Zusammenhang mit der Coronakrise.

An der Umfrage haben 64 Betriebe aus unterschiedlichen Branchen teilgenommen. Repräsentativ ist diese Stichprobe kaum. Zum Vergleich: An der kürzlich publizierten Umfrage der beiden Industrie- und Handelskammern St.Gallen-Appenzell und Thurgau hatten sich 1200 Unternehmen beteiligt.

«Pragmatische Lösungen an den Grenzen und bei den Lieferketten»

Laut der IV rechnen zwei Drittel der befragten 64 Firmen in den nächsten vier Wochen mit einem Produktionsumfang von 50 bis 100 Prozent ihres Normalbetriebs. Ein Fünftel erwartet eine Auslastung von 25 bis 50 Prozent und 14 Prozent gehen von 0 bis 25 Prozent aus.

Als grösste Hindernisse für eine volle Wiederherstellung der Produktion genannt werden Auftragseinbrüche (64 Prozent der Firmen), Verfügbarkeit ausländischer Vorleistungen (27 Prozent) und fehlende Transportmöglichkeiten (16 Prozent). Ohneberg sagt: «Für die exportorientierte Industrie sind pragmatische Lösungen an den Grenzen und bei den Lieferketten essenziell.»

Steuerliche Anreize für Investitionen

Über 80 Prozent der Firmen sehen ihre Investitionsplanungen wesentlich beeinträchtigt. Ohneberg: «Die meisten wichtigen Zukunftsinvestitionen werden aufgeschoben oder storniert», dies wegen Liquiditätsfragen, rückläufiger Märkte oder Unterbrechungen der Lieferketten. Ohneberg fordert daher steuerliche Anreize zur Unterstützung von Investitionen.

Auf grossmehrheitliche Zustimmung stösst in der Vorarlberger Industrie die Krisenpolitik der Bundesregierung. Nun gehe es, unter strikter Einhaltung der Schutzmassnahmen, «um ein rasches wirtschaftliches Comeback», sagt Ohneberg, «denn ohne wirtschaftliche Stabilität gibt es keine soziale Stabilität».

«Ein erstes positives Signal» von Kanzler Kurz

Ohneberg lobt den am Montag vorgestellten Plan von Kanzler Sebastian Kurz, wie die Wirtschaft schrittweise wieder hochgefahren werden soll. Ohneberg: «Das war ein erstes positives Signal, das dringender nicht hätte sein können.» Was braucht es dazu aus Sicht der Unternehmen? Flächendeckende Schnelltests für die Mitarbeiter, vertrauensbildende Massnahmen und Schutzmasken, so die häufigsten Antworten.

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